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Zwangsversteigerungen - Rekord

In Deutschland kommen immer mehr Immobilien unter den Hammer. Im abgelaufenen Jahr setzten die Gerichte 92 577 Termine für Zwangsversteigerungen an - so viele wie noch nie zuvor.

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Damit wurde die Rekordmarke von 92 306 Amtsgerichtsterminen 2004 nach der Statistik des Ratinger Argetra-Verlages noch einmal um 0,3 Prozent übertroffen. "Die Anzahl der Zwangsversteigerungen hat sich in den vergangenen Jahren auf einem sehr hohem Niveau stabilisiert", sagte Winfried Aufterbeck, Geschäftsführer der Argetra GmbH, die die Immobilien- Zwangsversteigerungstermine monatlich in einem Versteigerungskalender veröffentlicht. Hauptursache für die dramatisch hohe Zahl der zwangsversteigerten Immobilien ist die schlechte wirtschaftliche Lage. "Die Zwangsversteigerungen folgen der Konjunktur mit einer kleinen Zeitverschiebung", erklärt Argetra-Geschäftsführer Winfried Aufterbeck.
Arbeitslosigkeit, Überschuldung und Scheidung der Hauseigentümer sind die Hauptgründe für die Zwangsversteigerung der eigenen vier Wände. Auf Grund der Einkommensverluste könne in den meisten Fällen das Darlehen und andere Forderungen nicht mehr bezahlt werden, was schließlich zum finanziellen Exitus führt. Immer häufiger gebe es auch Fälle von "Menschen mit ausschweifendem Konsum". Diese seien zudem mit hohen Verbraucherkrediten belastet und könnten die Belastungen nicht mehr tragen. Auch nach Scheidungen werden viele Eigenheime meistbietend angeboten. Die meisten versteigerten Immobilien (63,6 Prozent) sind Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, ein Drittel der Objekte sind Mehrfamilienhäuser, Geschäftshäuser und Gewerbeobjekte.
Spitzenreiter in der Zwangsversteigerungsstatistik ist laut Argetra Ostdeutschland. Noch immer sinken in den wirtschaftsschwachen Regionen die Verkehrswerte. 2005 lag die Summe der Verkehrswerte bei 18,3 Milliarden Euro, im Jahr zuvor noch bei 18,8 Milliarden Euro. «In wirtschaftsschwachen Regionen wurden die Verkehrswerte herabgesetzt, weil Immobilien häufig auch beim dritten oder vierten Termin keine Käufer finden», sagte Argetra-Geschäftsführer Winfried Aufterbeck. Die teuersten Objekte kamen in Bayern unter den Hammer. Sie kosteten im Schnitt 287 700 Euro, in Sachsen und Thüringen lagen die durchschnittlichen Verkehrswerte bei 146 100 Euro. Die neuen Bundesländer führen nach wie vor die Statistik der Zwangsversteigerungen pro 100 000 Einwohner an. In Sachsen und Thüringen kamen im Vorjahr 278 Immobilien unter den Hammer, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern waren es 196 und in Berlin und Brandenburg 140 Immobilien. Gemessen an der Einwohnerzahl gab es 2005 etwa in Sachsen und Thüringen fast vier Mal so viele Zwangsversteigerungen wie in Bayern. Aufterbeck macht für die vielen Termine im Osten die Gründungs- und Investitionswelle nach der Wende verantwortlich, die vom Staat durch Abschreibungsmodelle gefördert wurde und zur Überproduktion führte. Viele der Gewerbe- und Renditeobjekte waren unwirtschaftlich, so dass die Kredite nicht mehr bedient werden konnten. «Diese Objekte können auch mit erheblichen Preisnachlässen nicht veräußert werden», sagte Aufterbeck. «Es ist niemand interessiert.» Interessenten oder Investoren können so bei Versteigerungen zu deutlich niedrigeren Preisen zum Zuge kommen. Beim ersten Termin müssen Käufer mindestens die Hälfte des Verkehrswertes bieten, auf Wunsch der Gläubiger können auch 70 Prozent als Mindestgebot angesetzt werden. Noch interessanter sind die Wiederholungstermine, da der Rechtspfleger dann ab 30 Prozent des Verkehrswertes den Zuschlag geben kann, vorausgesetzt die Gläubiger stimmen zu. In den neuen Bundesländern sind Verkäufe aber auch dann schwierig. "Selbst beim dritten, vierten oder fünften Termin finden Gewerbe- und Renditeobjekte keinen Käufer", beobachtete Aufterbeck.
Im Westen verzeichneten Schleswig-Holstein und Hamburg eine starke Zunahme der Zwangsversteigerungen (11,2 Prozent). Auch in Rheinland-Pfalz und Bayern stieg die Zahl der Angebote. "Gerade in Hamburg ist die Basis vergleichsweise niedrig, da kann ein Verkauf einer Wohnungskolonie statistisch ins Gewicht fallen", so Aufterbeck. So hatten die Amtsgerichte in Hamburg 707 Termine angesetzt, in Berlin waren es 3531. Die meisten Versteigerungen gab es in Leipzig mit 4668 Terminen. Gesamt betrachtet, wurden vor allem privat genutzte Immobilien versteigert.
Die Welle von Zwangsversteigerungen, die Ende der neunziger Jahre einsetzte, ebbe jedoch langsam ab. Für 2006 erwartet Winfried Aufterbeck durch die anziehende Konjunktur auch einen Rückgang der Amtsgerichtsauktionen. "Der Zenit ist erreicht, an vielen Standorten war bereits eine leichte Abnahme zu verzeichnen." Damit sei auch die niedrige Steigerungsrate der Zwangsversteigerungstermine im Jahr 2005 zu erklären.

Foto: Photocase.de