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ZIA lehnt Einführung eines eigenen Börsensegments für REITs ab

Der Zentrale Immobilien-Ausschuss (ZIA) lehnt die Pläne der Deutschen Börse ab, ein spezielles Börsensegment für Real Estate Investment Trusts (REITs) zu schaffen, dem die betreffenden Unternehmen obligatorisch zuzuordnen wären. Zugleich warnt der ZIA davor, in diesem Punkt ohne Not einen deutschen Sonderweg zu beschreiten.

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Kritisch sieht der ZIA insbesondere die Tatsache, dass als REIT geführte Immobilienunternehmen nicht in wichtige Auswahlindizes wie DAX oder M-Dax aufgenommen würden, selbst wenn die allgemeinen Kriterien für eine Aufnahme erfüllen. Diese Indizes werden von Analysten und Fondsmana-gern stark beachtet, und eine Zugehörigkeit zu ihnen ist für zahlreiche große institutionelle Investoren ein wesentliches Anlagekriterium.

„Wir freuen uns, dass die Deutsche Börse die bevorstehende Einführung von REITs in Deutschland aktiv begleitet. Die Schaffung eines für REITs obligatorischen Börsensegments und der Ausschluss von REITs aus den großen Auswahlindizes sind aus Sicht unserer Mitgliedsunternehmen und -verbände jedoch höchst bedenklich. Auswahlindizes wie DAX und M-Dax bilden den deutschen Aktienmarkt über alle Branchen hinweg ab“, sagt Dr. Eckart John von Freyend, Vorsitzender des ZIA. „Diesem Gedanken würde es zuwiderlaufen, wenn REITs, die in naher Zukunft voraussichtlich einen wichtigen Teil des deutschen Aktienmarktes ausmachen werden, aus den Auswahlindizes ausgeschlossen würden. Das würde die Attraktivität dieses neuen Investmentvehikels deutlich schmälern. Bislang hat kein anderes Land,in dem REITs existieren, eine vergleichbare Regelung eingeführt. Wenn wir hier einen für die Betroffenen unpraktikablen deutschen Sonder-weg beschreiten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Unternehmen sich für Alternativen – beispielsweise REIT-Gründungen im Ausland – entscheiden. Damit würde das Anliegen der REIT-Einführung konterkariert, ein international attraktives und wettbewerbsfähiges Investmentvehikel für den deutschen Immobilienmarkt einzuführen.“

Entwicklung von Derivaten und Peer-Group-Analysen erfordern kein spezielles Börsensegment
Die Berechnung spezieller REIT-Indizes, die als Basis für die Entwicklung von Terminmarktprodukten und anderen Indexderivaten verwendet werden können und tendenziell zur Verbreiterung der Analysten-Coverage beitragen, setzt nach Auffassung des ZIA nicht die zwangsweise Mitgliedschaft in einem eigenständigen Börsensegment voraus. Auch das Argument, ein eigenständiges REIT-Segment erleichtere die Bildung von Peer-Groups für Benchmarkanalysen, zur Performancemessung und bei der Bewertung von REIT-IPO-Kandidaten, rechtfertigt nach Einschätzung des ZIA nicht die Ein-führung eines eigenständigen REIT-Segments.

„Mit dieser Begründung ließe sich ebenso gut ein eigenständiges Börsen-segment für Automobil- oder Chemieaktien begründen“, sagt Claus-Matthias Böge, Leiter der ZIA-Arbeitsgruppe REITs. „Auch REITs werden ungeachtet ihrer strukturellen Gemeinsamkeiten und ihrer Zugehörigkeit zur Immobilienwirtschaft unterschiedliche Geschäftsmodelle aufweisen. Für die Bildung von Peer-Groups im Rahmen der Aktienanalyse müssen deshalb ohnehin in jedem Einzelfall geeignete Vergleichsfälle identifiziert werden. Dafür ist aus unserer Sicht kein spezielles Börsensegment erforderlich.“

Dominanz von REITs in Auswahlindizes nicht zu befüchten
Die Befürchtung, wegen der typischerweise hohen Marktbewertung von Immobilienunternehmen aufgrund ihrer Immobilienbestände könne es zu einer Dominanz der Immobilienwerte in den großen Auswahlindizes kommen, hält der ZIA für unbegründet. Für eine solche Entwicklung gibt es auch in anderen Ländern, in denen REITs zum Teil bereits seit Jahrzehnten etabliert sind, keine Anhaltspunkte.

So sind bei der US-Börsenaufsicht (SEC) knapp 200 REITs registriert, die an wenigstens einer der großen Börsen der USA gehandelt werden. Der Anteil von REITs in US-Auswahlindizes wie dem S&P 500, dem S&P 400 Mid Cap Index oder dem S&P 600 Small Cap Index bewegt sich jedoch lediglich in Größenordnungen von zwei bis drei Prozent, so dass von einer Dominanz der REITs keine Rede sein kann.