Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Studie

Wachsende Bedeutung von digitalen Technologien

Die klassische Immobilienwirtschaft holt beim Thema Digitalisierung zwar auf; die Chancen auf Kooperationen mit PropTechs bleiben aber noch zu oft ungenutzt, zumal die Immobilienwirtschaft und PropTechs insgesamt ähnliche Schwerpunkte haben.

.

Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft ist nicht länger nur ein Thema der Start-ups oder der sogenannten PropTechs, also technologieorientierter Immobilien-Jungunternehmern. Vielmehr steht Digitalisierung mittlerweile auch bei 90 Prozent der klassischen Branchenvertreter auf der Agenda. Die jeweiligen Informationstechnologien verlagern sich hier immer mehr von einer Supportfunktion zur Kernkompetenz. Dies sind Ergebnisse einer Studie, die der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss gemeinsam mit Ernst & Young (EY) Real Estate durchgeführt hat.

Keine Furcht vor digitalen Technologien
Demnach herrscht bei den etablierten Vertretern der Branche auch keine große Sorge, dass digitale Technologien ihre Geschäftsmodelle bedrohen. Im Gegenteil: „Die klassischen Immobilienunternehmen sehen einen Mehrwert in der Digitalisierung. Sie erwarten mehr Effizienz für ihre Kernprozesse„, sagt Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter beim ZIA und Geschäftsführer der OVG Real Estate in Deutschland. Auch vor den PropTechs selbst hätten die Unternehmen keine Furcht. „Die PropTech-Szene kann dazu beitragen, die Effizienz der etablierten Marktteilnehmer signifikant zu erhöhen.“ Nur 14 Prozent der Befragten sehen in Start-ups eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Umgekehrt denkt die Mehrheit der digitalen Jungunternehmer (63 Prozent) allerdings durchaus, dass sie die klassische Immobilienwirtschaft herausfordern können.

Mehr Kooperationen
Der ZIA plädiert hier für ein Miteinander-statt-Gegeneinander. „Kooperationen bieten Chancen für beide Seiten“, so Rodeck. Nur würden die Chancen bislang noch nicht ausreichend genutzt. „Dabei muss es nicht immer gleich Geld sein, das ein etabliertes Unternehmen in ein Start-up investiert. Oft genügen schon der Informationsaustausch und das Eröffnen von Netzwerken im Sinne einer Annäherung.“ Eine solche Annäherung scheint sinnvoll: Zwar hole die klassische Immobilienwirtschaft beim Thema Digitalisierung weiter auf; die Umfrage habe aber gezeigt, dass die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft derzeit immerhin noch einen klaren Vorsprung haben. „Alle müssen das Thema Digitalisierung ernster nehmen. Mitarbeiter mit Tablets auszustatten oder mobile Arbeitsplätze einzurichten ist sinnvoll, heißt aber noch lange nicht, die volle Kraft des digitalen Wandels aufzufangen und für sich zu nutzen„, ergänzt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Ernst & Young (EY).

Schwerpunkte sind nicht immer gleich
Die maßgeblichen Trends beim Einsatz digitaler Technologien liegen der Studie zufolge in den Bereichen Datenstrukturierung, Big Data/Data Mining, Mobility/mobile Arbeitsgeräte und Cloud-Technologien. „Die Einschätzungen von PropTechs und klassischen Immobilienunternehmen gehen hier kaum auseinander“, sagt Schulz-Wulkow. Anders bei Themen wie Smart Contracts, künstliche Intelligenz oder Augmented Reality: „Hier sehen die PropTechs oft ein größeres Potenzial.“ Generell gelte: Fast alle Facetten der Digitalisierung würden für beide Gruppen mit Blick auf die kommenden fünf Jahre noch einmal deutlich wichtiger.

Große Veränderung
Die Bereitschaft, sich dem Thema weiter zu öffnen, ist der Studie zufolge ebenso vorhanden wie der Wille, hier weiter zu investieren. Mit weitreichenden Folgen: „Digitalisierung wird die Immobilienwirtschaft noch erheblich stärker verändern, als wir uns das heute auch nur annähernd vorstellen können – eine neue Realität, in der clevere Outsider drohen, mit neuen Businessmodellen ins angestammte Geschäft einzudringen“, so die Einschätzung von Schulz-Wulkow. Dabei würden sich nicht nur die Unternehmen selbst verändern, sondern auch die Immobilien, die sie erstellen, finanzieren, vermarkten oder vermieten. „Die qualitativen Flächenanforderungen für alle Nutzungsarten werden sich durch die Möglichkeiten der digitalen Welt erhöhen„, prognostiziert Schulz-Wulkow. Der Pool an digitalen Technologien sei ein Treiber für moderne Arbeitsplatzkonzepte, für Smart Homes und für virtuell erweiterte Handelswelten.

PropTech-Hauptstadt Berlin
Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 114 PropTech-Start-ups jeweils mit Gründungsjahr, Unternehmensschwerpunkt und Gründungsort erfasst. Zum größten Teil wurden sie in den letzten drei Jahren gegründet. 42 Prozent der jungen Unternehmen, also insgesamt 48, starteten zunächst im Raum Berlin. Dahinter folgt Bayern mit einem Anteil von 18 Prozent (21 Unternehmen); die Unternehmen wurden hier überwiegend im Raum München gegründet. Hamburg belegt mit zehn Unternehmen den dritten Platz im Ranking der PropTech-Städte. „Wer beispielsweise erwartet hätte, dass die immobilienwirtschaftlich orientieren FinTechs überwiegend im Raum Frankfurt angesiedelt sind, muss feststellen, dass sich diese Unternehmen über sechs Regionen verteilen“, erklärt Schulz-Wulkow.