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Trotz Wirtschaftserfolg leere öffentliche Kassen

Einmal mehr bescheinigt die aktuelle Studie „Wirtschaftsprofil Baden-Württemberg" der HypoVereinsbank dem Bundesland eine Ausnahmestellung in Deutschland. Nirgendwo sonst sind die Wirtschaftsdaten so positiv wie hier.

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Bundesweit die stärkste Zunahme bei den Erwerbstätigen in den letzten 10 Jahren, vergleichsweise hohe Wachstumsraten, niedrigste Arbeitslosenzahlen und eine weitgehend stabile Bevölkerungsentwicklung kennzeichnen die Situation in Deutschlands Südwesten. Bei Innovationen und Investitionen in Forschung und Entwicklung nimmt Baden-Württemberg sogar eine europäische Spitzenposition ein.

Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten: So analysiert die HypoVereinsbank, dass die Wirtschaftsstruktur im Musterländle zu wenig diversifiziert ist. "Es ist einerseits ein überproportionaler Industriesektor festzustellen, der seinerseits stark vom Fahrzeug- und Maschinenbau sowie der Elektrotechnik dominiert wird. Dies könnte mittelfristig durchaus zu Problemen führen", erläutert Dr. Ulf Teubel vom Regional-Research der HypoVereinsbank. Der Industrieanteil an der Wirtschöpfung liegt in Baden-Württemberg bei 36 %; dies sind sieben Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt.

Trotz Wirtschaftserfolg erheblicher Schuldenaufbau
Auch der öffentliche Schuldenstand des wirtschaftlich erfolgreichsten Bundeslandes in Deutschland ist erstaunlich hoch.
Von 1990 bis Ende 2004 haben sich die Schulden des Landes auf 37,6 Milliarden Euro verdoppelt. Berücksichtigt man zusätzlich die Schulden von Gemeinden und Zweckverbänden entfallen auf jeden Einwohner damit Schulden von 4.158 Euro. Das ist zwar ein Wert deutlich unter dem Schnitt aller deutschen Bundesländer (6.566 Euro).

"Aber dass selbst in einem Land mit so guten wirtschaftlichen Voraussetzungen solch hohe Schuldenstände erreicht werden, ist schon beachtlich. Es zeigt auch, wie schwierig es sein wird, die Schuldenproblematik bundesweit in den Griff zu bekommen", sagt Teubel. Immerhin würde die Pro-Kopf-Verschuldung der Menschen zwischen Bodensee und Schwäbischer Alb bei Fortführung der gegenwärtigen Finanzpolitik bis 2020 auf ca. 16.000 Euro ansteigen. Der Konsolidierungsbedarf, d.h. die notwendigen Einsparungen, um die Verschuldung des Landes bis 2020 auf dem jetzigen Niveau zu stabilisieren, beträgt nach aktuellen Berechnungen jährlich 2,3 Milliarden Euro, fast 6 Prozent der Primärausgaben (Ausgaben ohne Zinsen).

Das ist allerdings der niedrigste Wert aller Bundesländer, sodass das Ziel eines Landeshaushaltes ohne Neuverschuldungangesichts der günstigen ökonomischen Rahmenbedingungen sehr zügig erreicht werden müsste, so der Autor der Studie. Die Sparmaßnahmen müssten dabei insbesondere bei einer weiteren Verschlankung der öffentlichen Verwaltung ansetzen.

Bei Innovationen Spitze in Europa
Baden-Württemberg ist eine der innovativsten Regionen in Europa. In keiner vergleichbaren europäischen Region werden bezogen auf die Einwohner mehr Patente angemeldet als in Baden-Württemberg. Auch bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) ist das Land Spitze und liegt mit 4,3 % des BIP deutlich über dem bundesdeutschen Schnitt von 2,7 %. Allerdings geben Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen anteilsmäßig nur soviel wie im Bundesschnitt aus. Eine weit überdurchschnittliche Quote der FuE-Aufwendungen wird dagegen im Wirtschaftssektor erbracht.

Wirtschaft mit zu wenig Standbeinen
Die Industrie Baden-Württembergs, die die wesentliche Basis des wirtschaftlichen Erfolges darstellt, weist zwar eine hohe Innovationsdynamik auf, ist aber relativ stark auf wenige Branchen und ihre Zulieferer ausgerichtet (Fahrzeug- und Maschinenbau, Elektroindustrie). Hoch entwickelte industrielle Cluster können sich aber durchaus als erhebliches Hemmnis für die Entwicklung neuer Wirtschaftsbereiche erweisen. „Die finanziellen und intellektuellen Ressourcen des Landes sollten auf keinen Fall vorrangig in die weitere Stärkung der bereits starken Wirtschaftsbereiche fließen", so ein Fazit der Studie. Die Wirtschaftsstruktur sollte vielmehr weiter diversifiziert und wissensintensive Dienstleistungsbranchen ausgebaut werden. Hier besteht durchaus Potenzial, zumal der Dienstleistungssektor insgesamt in Baden-Württemberg mit Anteilen von 63,2 % an der Wertschöpfung und 64,3 % an den Erwerbstätigen immer noch eine geringere Rolle als in Deutschland (70,6 % bzw. 71,3 %) spielt.

Das Gründungsgeschehen des Landes ist mit 108,8 Gewerbeanmeldungen je Einwohner deutlich schwächer als im bundesdeutschen Schnitt (116,4). Die Selbstständigenquote liegt mit 10,3 % etwas unter dem Bundesdurchschnitt (10,8 %).

Fotos: Stuttgart-Marketing GmbH