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Starke Zunahme an Wohnmodellen

„Das Wohnen der Zukunft wird von individuellen Bedürfnissen, neuen Wohnmodellen und mehr Dynamik geprägt sein“, sagte Rudolf Ridinger, Vorstandssprecher des Verbands der Südwest- deutschen Wohnungswirtschaft in Frankfurt anlässlich der Eröffnung eines Kongresses von Wohnungsgenossenschaften
am 7. Mai in Frankfurt. Der in Frankfurt angesiedelte Verband ist Gastgeber des Kongresses, bei dem rund 600 Vertreter deutscher und europäischer Wohnungsgesellschaften zusammenkommen. Der Genossenschaftstag ist damit die größte Expertenveranstaltung in Deutschland, die sich mit Fragen des zukünftigen Wohnens beschäftigt.

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Die Wohnbedürfnisse seien bereits heute wesentlich vielschichtiger als noch vor zwanzig Jahren. Viele Wohnungen seien noch für die traditionellen Familienstrukturen, also ein Elternpaar und zwei Kinder, gebaut worden. Das entspreche heute, so Ridinger, nicht mehr den gesellschaftlichen Realitäten. „Wir beobachten aber nicht nur eine Individualisierung der Bedürfnisse, der wir mit flexiblen und dienstleistungsorientierten Wohnungsangeboten begegnen, gleichzeitig nehmen die Bedürfnisse nach neuen gemeinschaftlichen Wohnmodellen zu“, sagte Ridinger. Das Spektrum reiche dabei vom generationenübergreifenden Wohnen über gemeinschaftliche Wohnmodelle für bestimmte Zielgruppen wie Alleinerziehende, bis hin zur Suche nach gemeinschaftlichen Wohnlösungen für den dritten Lebensabschnitt. Auch fänden Nachbarschaftshilfevereine einen wachsenden Zuspruch.

Gemeinschaftsgefühl als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen
Es gebe ein wieder wachsendes Bedürfnis der Menschen nach Gemeinschaft und mitmenschlicher Nähe. Wenn die Familienstrukturen dies nicht mehr leisten, nehme die Suche nach alternativen Strukturen auch beim Wohnen deutlich zu. Es handle sich dabei nicht um eine Wiederbelebung der Wohngemeinschafts- modelle aus den 60er und 70er Jahren. Die neue Gemeinschaft finde vornehmlich im Haus und im Wohnumfeld statt, seltener auch hinter der Wohnungstür. Gegenseitige Hilfe und Unterstützung sei dabei ein häufiges Motiv, so Ridinger. Auch sei die Suche nach Gemeinschaft durch den Wunsch nach einem Ausbruch aus der Vereinsamung geprägt. So suchten zum Beispiel ältere Menschen bei solchen Modellen auch Erfüllung dadurch, dass sie in der Gemeinschaft nach wie vor gebraucht werden. „Die Großeltern der Familie sterben gesellschaftlich faktisch aus, wir erleben statt dessen eine Renaissance großelterlicher Verbundenheit in Wohngemeinschaften“, fasst Ridinger den Trend bei älteren Menschen zu neuen Wohnmodellen zusammen. Dies geschehe nicht zuletzt auch aus dem Bewusstsein heraus, dass der Versorgungsstaat sich als Schimäre erwiesen habe.

Mehr Mobilität
Die Menschen würden gleichzeitig immer mobiler, sie hielten nicht mehr jahrelang an der einmal bezogenen Wohnung fest, sondern zeigten eine wesentlich größere Neigung zum Umzug. Dies zeige sich an der Entwicklung von Wohnungswechseln. „Die Fluktuationsraten nehmen schon seit Jahren zu.“ Ridinger erwartet sogar einen weiteren sprunghaften Anstieg und schließt eine Verdoppelung der Fluktuationsraten in den nächsten zehn Jahren nicht aus. Die Bildung von Wohneigentum in Deutschland sei auf diese Dynamik nicht ausgerichtet. Insbesondere die Finanzierungsstrukturen orientierten sich immer noch an einer Verweildauer von mindestens 30 bis 40 Jahren. Die Neigung zur Wohneigentumsbildung nehme nicht zuletzt deshalb insbesondere bei jüngeren Familien ab. Ältere Menschen bekämen zudem häufig keine Finanzierungen von den Banken angeboten. Auch die aktuelle Finanzkrise auf den Wohnungsmärkten verschärfe die Probleme der Wohneigentumsbildung, da die Banken höhere Eigenkapitalquoten verlangten.

Renaissance der Wohnungsgenossenschaften
Vor diesem Hintergrund erweise sich die Quasi-Eigentumsbildung durch die Beteiligung an Genossenschaften als immer attraktiver. Der steigende Zuspruch für das genossenschaftliche Wohnen zeige sich inzwischen an den steigenden Mitgliederzahlen bei Wohnungsgenossenschaften, stellt Ridinger fest. Das notwendige Einstiegsvermögen in die Quasi-Eigentumsbildung der Genossenschaften sei mit zwischen 500 und 1.500 Euro deutlich niedriger als bei der Finanzierung des Eigenheims. Es schaffe dabei mehr Flexibilität und biete auch eine eigenheimähnliche Sicherheit, da Genossenschaftseigentum dem Zugriff von Spekulanten entzogen sei. Ridinger erwartet deshalb einen weiteren Anstieg des Zuspruchs zu Genossenschaftsmodellen.