Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Stadt Leipzig: Architekturpreis 2007 verliehen

Am 30. Oktober verlieh die Stadt zum fünften Male ihren alle zwei Jahre ausgelobten Architekturpreis zur Förderung der Baukultur. Oberbürgermeister Burkhard Jung und Baubürgermeister Martin zur Nedden konnten drei Hauptpreise und zwei „Lobende Erwähnungen“ überreichen. Die unabhängige Jury unter dem Vorsitz des Berliner Architekten Prof. Matthias Sauerbruch entschied sich unter den 23 Einreichungen für den ersten Bauabschnitt des „Grünen Bogens Paunsdorf“, eine öffentliche Parkanlage, die nach einem Entwurf von Häfner Jimenez Landschaftsarchitekten, Berlin, im Nordosten Leipzigs entsteht, sowie für das von schulz & schulz, Leipzig, entworfene Wolkenlabor des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung Leipzig und den Konsum Coppistraße, für den die Leipziger Niederlassung des Architekturbüros RKW Rohde Kellermann Wawrowsky verantwortlich zeichnet. Der Leipziger Architekturpreis ist nicht dotiert.

.

Mit „Lobenden Erwähnungen“ bedacht wurden Stadthäuser in der Probstheidaer Straße und das Stadthäuser-Projekt „Sweetwater“ an der Weißen Elster. Die Bauherren und Architekten der drei preisgekrönten Objekte erhielten je eine Plakette für das Objekt und eine Urkunde, für die „Lobenden Erwähnungen“ gab es Urkunden. Zur Einreichung zugelassen waren Bauwerke und Freiraumgestaltungen, die in den Jahren 2004 bis 2007 im Stadtgebiet von Leipzig fertig gestellt worden sind. Umbauten waren zugelassen, insofern sie eine eigene schöpferische Leistung der Architekten erkennen ließen. Erstmals konnte eine Freiraumgestaltung einen Hauptpreis erringen. Alle eingereichten Arbeiten werden vom 1. bis 15. November in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses ausgestellt.

Oberbürgermeister Burkhard Jung hob die große Bedeutung hervor, die der Pflege einer zeitgemäßen Baukultur bei der Profilierung des Standorts Leipzig im nationalen und globalen Wettbewerb zukommt und dankte allen Teilnehmern. Nach den Worten von Baubürgermeister Martin zur Nedden reflektiert die Geschichte des Leipziger Architekturpreises die jeweils aktuellen Bauaufgaben. Bei der erstmaligen Auslobung im Jahr 1999 war eine überdurchschnittlich große Zahl von Bauwerken aus der Zeit des Baubooms nach 1990 zu bewerten. 2005 stand mit der Auszeichnung von Zaha Hadids Zentralgebäude des neuen BMW-Werks eine für die Stadtentwicklung Leipzigs richtungsweisende Großinvestition und die damit verbundene Aufsehen erregende Architekturleistung im Rampenlicht. Generell ist in den zurückliegenden Jahren der Stadtumbau mehr und mehr ins Blickfeld gerückt und mit ihm das kleinräumliche Bauen und behutsam ergänzende Leistungen.

Grüner Bogen Paunsdorf, 1. Bauabschnitt
Architekt: Häfner Jimenez Landschaftsarchitekten, Berlin
Bauherr: Stadt Leipzig, Grünflächenamt

Am nordöstlichen Stadtrand von Leipzig wird als Ergänzung einer Reihe von Wohngebieten auf einer Fläche von ca. 120 ha eine öffentliche Parkanlage – der Grüne Bogen Paunsdorf – angelegt. In dem ersten Bauabschnitt gelingt es Häfner Jimenez Landschaftsarchitekten, ein ehemals militärisch genutztes Gelände, brachliegende landwirtschaftliche Nutzflächen, das Paunsdorfer Wäldchen, eine Plattenbausiedlung aus den 70er Jahren und Wohnsiedlungen der 90er Jahre in ihr Konzept eines zeitgenössischen Landschaftsgartens einzubinden. Dieser Park bietet einerseits Ausgleich für fehlende Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten in den dichten Plattenbauvierteln und enthält zusätzliche Funktions- und Identifikationsangebote wie etwa eine Kleinsportanlage; andererseits bietet er eine intelligent inszenierte Schnittstelle zur „wilden“ Natur am Rande der Stadt.

Landschaftsarchitektur und Naturschutz bilden dabei eine Synthese: aus landwirtschaftlichen Brachflächen wurde ein einzigartiger Biotopkomplex, auf dem nun Schafe, Heckrinder und Wildpferde weiden. Die Promenade auf der öffentlichen Terrasse oder die Fahrt auf dem Rundweg für Fahrradfahrer eröffnet kontinuierliche Blickwechsel, von den Tieren in der Landschaft zu den Plattenbauten, von ungebremstem Wildwuchs zur gepflegten Rasenfläche. Damit werden nicht nur Nutz- sondern auch Erlebnisräume geschaffen, wird von vornherein unterschiedlichen und auch durchaus konfliktträchtigen (Bild-) Vorstellungen von Natur, Park, Wildnis und Erholung Raum gegeben, wird ein großes Thema unserer Gesellschaften am Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts wie beiläufig in Szene gesetzt.

Den Landschaftsarchitekten gelingt dies mit geringsten Mitteln: gezielte Pflanzungen und Anlage von Wegen, minimale architektonische Interventionen, die den vorgefundenen genius loci sparsam ergänzen. Diese Haltung spiegelt sich auch im Planungsprozess: Die Jury hält es für vorbildlich, dass in Foren, Workshops, Ausstellungen, Pflanzaktionen und auch in Form von Pflegepatenschaften den Bewohnern verschiedentlich Möglichkeiten gegeben wurden und werden, sich an der Konzeption und dem Unterhalt des Parkes zu beteiligen.

Wolkenlabor des Instituts für Troposphärenforschung Leipzig
Architekt: schulz & schulz, Leipzig
Bauherr: Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V., Leipzig

In seinem quasi klassischen Aufbau und seiner Singularität provoziert dieses Bauwerk die Frage nach der Angemessenheit seiner monumentalen Form. Anhand der Pläne diskutierte das Preisgericht dieses Thema noch kontrovers. Vor Ort und auch nach kundiger Einführung in die Funktion des Labors für die Troposphärenforschung wird jedoch die Dimension und Gestaltung des fensterlosen Turmes als das Ergebnis vielfältiger technischer Notwendigkeiten zur Erforschung von Wolken nachvollziehbar. Ebenso der erdgeschossige Sockel, der mit seinen Labor- und Verwaltungsräumen eine „dienende“ Funktion übernimmt. Aus der Überlagerung des kreisförmigen Turmes mit dem quadratischen Sockel entsteht quasi als Restfläche eine großzügige Flurzone. Abgesehen von den Oberlichtern in diesem Bereich, die etwas unmotiviert dekorativ erscheinen, setzt sich im Innern des Gebäudes der Eindruck eines stringenten Pragmatismus fort: geschraubte Verbindungen von Winkel- und Flachstahlprofilen in den Treppenläufen, offene Gitterroste, überall Sichtbeton, einfache Ausbaumaterialien.

Was diesen Nutzbau letztlich so bemerkenswert erscheinen lässt, ist sein bewusstes oder unbewusstes Spiel mit den Konventionen der zeitgenössischen Architektur. Die Harmlosigkeit eines zierlichen Bungalows wird mit der Kompromisslosigkeit eines Reaktors gepaart, die Monumentalität klassischer Geometrien mit dem Pragmatismus der Fabrik. Es entsteht eine in jeder Hinsicht merkwürdige Architektur, der es trotz ihrer Einfachheit gelingt, mit einer neuen – quasi hybriden – Gebäudeskulptur vielfache Assoziationen zum Schwingen zu bringen.

Konsum Coppistraße
Architekt: RKW Rohde Kellermann Wawrowsky, NL Leipzig
Bauherr: Konsumgenossenschaft Leipzig e.G

Die Aufgabe, einen Supermarkt an städtebaulich markanter Stelle in einem gründerzeitlich geprägten Wohngebiet so anzuordnen, dass er sich in seinem Auftritt und in seinem Bauvolumen selbstbewusst und zugleich unaufdringlich als ein modernes Bauwerk im historischen urbanen Kontext behauptet, wurde hier sowohl in baugestalterischer wie auch in funktioneller und wirtschaftlicher Hinsicht überzeugend gelöst. Damit hat die Konsumgenossenschaft Leipzig für ihre Verkaufsstellen einen neuen, signifikanten Prototyp entwickeln lassen, welcher zwanglos mit verschiedenen Dienstleistungseinrichtungen kombinierbar und dem jeweiligen Standort und Nutzungskonzept anpassbar ist.

Der mit hellen Holzplatten verkleidete, gut proportionierte Bau wird von einer kleinen Passage durchquert, an die mehrere kleine Ladenlokale und der stützenfrei überdachte, ausgesprochen kundenfreundlich eingerichtete große Raum der Kaufhalle nach einem sehr praktikablen Schema angelagert sind. Der Supermarkt an der Coppistraße zeigt, dass die zur Nahversorgung unverzichtbaren Discountermärkte nicht notwendigerweise stereotype Massenbauten ohne Ortsbezug sein müssen. Dieses Beispiel macht deutlich, dass auch in einem engsten Budget städtebaulich intelligente sowie bauästhetisch durchaus anspruchsvolle Lösungen erarbeitet werden können, wenn der Wille gegeben ist. Hierin vor allem sieht die Jury die Preiswürdigkeit dieses Wettbewerbsbeitrages.