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Geschäfte mit Schrottimmobilien

Auftakt zum Strafprozess vor dem Landgericht Frankfurt

Einen groß angelegten Betrug mit Schrottimmobilien hat ein Strafprozess zum Gegenstand, der vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes Frankfurt eröffnet wurde. Den drei angeklagten Geschäftsleuten wird vorgeworfen, von 2008 bis 2010 mehrere Banken und 23 Immobilienkäufer im Zusammenhang mit dem Verkauf von überteuerten Schrottimmobilien betrogen zu haben. Mit gefälschten Wertgutachten bewegten die zwischen 28 und 30 Jahre alten Angeklagten nicht nur die Immobilieninteressenten zu einer Kaufentscheidung. Zusätzlich brachte das Trio auch Banken dazu, auf der Grundlage der manipulierten Gutachten und gefälschter Vermögens- und Einkommensnachweise der Käufer Immobilienkredite zu vergeben. Der Schwindel flog endgültig auf, als die durchweg wenig solventen Käufer und Ihren Verpflichtungen als Kreditnehmer nicht mehr nachkommen konnten. Die Schadenssumme wird auf mindestens 1,7 Millionen Euro geschätzt.

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Die Kammer ist auf eine umfangreiche gerichtliche Beweisaufnahme eingerichtet. So erwarteten die Richter mit ihrem Beschluss zur angesetzten Verhandlungsdauer von 15 Tagen, dass die Angeklagten sich auch vor Gericht weigern werden, zur Sache Stellung zu nehmen. Diese Taktik hatten die drei des Betruges Beschuldigten bereits im Ermittlungsverfahren des Staatsanwaltes verfolgt. Diese Taktik hatten die drei des Betruges Beschuldigten bereits im Ermittlungsverfahren des Staatsanwaltes verfolgt. Wenn sich die Angeklagten noch rechtzeitig zu Geständnissen durchringen, könnte das Verfahren erheblich abgekürzt und Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden. Prozessbeobachter interpretieren neueste Äußerungen der Angeklagten so, dass sie ihre Chance zur Minderung der Strafe wahrnehmen wollen und voll geständig sein werden.

Dies ist nicht der einzige Prozess im Bereich Schrottimmobilien. Erst im April war am Landgericht Berlin der Prozessauftakt gegen die Geschäftsführer und ehemaligen Mitarbeiter der Grüezi Real Estate AG, Mitarbeitern von Vertriebsgesellschaften und Bauträgern aus dem Umfeld sowie einem Notar, die sich wegen dubioser Geschäfte mit Schrottimmobilien in Berlin verantworten mußten. Der Gesamtschaden bei den Geschädigten wird in diesem Verfahren auf 1,4 Millionen Euro geschätzt, der auf 20 Verkäufe mit einem Gesamtvolumen von mehr als drei Millionen Euro basiert. Wie umfangreich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren, wird deutlich an der rund 300 Seiten starken Anklageschrift. Dementsprechend wird sich der Prozess voraussichtlich auch in die Länge ziehen. Mit einem Urteil wird erst im Dezember gerechnet. „Die Opfer von Schrottimmobilien-Betrügern dürften das Urteil sicher mit Spannung erwarten, denn unter Umständen kann auch die finanzierende Bank zumindest teilweise in Anspruch genommen werden. Etwa wenn sie die Immobilien besichtigt und den überteuerten Kaufpreis erkannt aber dennoch nicht davor gewarnt hat“, so Rechtsanwalt Joachim Cäsar-Preller, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Die Grüezi-Affäre ist im Dezember 2011 auch dem Berliner Verbraucherschutz-Senator Michael Braun (CDU) zum Verhängnis geworden. Dieser mußte zurücktreten, nachdem bekannt wurde, dass dort notarielle Beurkundungen zum Nachteil der Grüezi-Kunden durchgeführt wurden, und er selbst als Notar für das Unternehmen schon mal tätig war. Das eingeleitete Untersuchungsverfahren gegen ihn, wurde dann aber Ende letzten Jahres eingestellt.

An den Razzien, die 2014 bei der Grüezi Real Estate in Berlin durchgeführt wurden, waren auch Beamte der Staatsanwaltschaft Hof (Bayern) beteiligt. Sie waren auf der Suche nach einer Summe von 3,7 Millionen Euro an unterschlagenem Geld, dass der aufstrebende, 38-jährige Jung-Manager Michael Krause bei seinem Arbeitgeber, der fränkischen Bekleidungs- und Einrichtungsfirma NKD, veruntreut haben soll.

Die bayerischen Beamten wurden im fernen Berlin auch fündig, jedenfalls zum Teil: Um das Geld sauber anzulegen, wollte Krause für eine Summe von 4,5 Millionen Euro eigentlich die prestigeträchtige Thiede-Villa am Berliner Wannsee erwerben, ein entsprechender Vertrag fiel den Ermittlern in die Hände. Eingefädelt haben soll diesen Deal neben einem Jugendfreund Krauses auch ein ehemaliger Quelle-Manager sowie ein Ex-Manager der Grüezi Real Estate.