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Risikoschirm befreit WestLB weitgehend von Belastungen der Finanzmarktkrise

Der am 8. Februar 2008 von den Eigentümern angekündigte Risikoschirm für die WestLB steht: Die komplexe Transaktion wird in zwei Stufen durchgeführt. In kürzester Zeit konnte die erste Stufe der Transaktion erfolgreich umgesetzt werden. Die WestLB ist damit von den Risiken aus den auf eine Zweckgesellschaft übertragenen strukturierten Wertpapierportfolien befreit. Auch die daraus resultierenden Belastungen im Jahresabschluss 2007 werden nahezu vollständig ausgeglichen. Durch diese umfassende Risikoabschirmung wird eine ursprünglich diskutierte Kapitaleinlage durch die Eigentümer nicht erforderlich.

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Alexander Stuhlmann (Bild l.), Vorstandsvorsitzender der WestLB AG, sagte dazu in Düsseldorf: „Das ist eine gute Nachricht für die WestLB. Die Bank wird dadurch stabilisiert. Wir gehen nunmehr mit aller Kraft die notwendige Restrukturierung der Bank an. Damit rüstet sich die Bank, ihren Beitrag bei der Konsolidierung im Landesbankensektor zu leisten.“

Durch Verluste aus Spreadpositionen im Eigenhandel sowie durch die Folgen der Finanzmarktkrise sank das Konzernergebnis vor Steuern im vergangenen Geschäftsjahr auf -1.502 Mio Euro. Durch diese beiden Sondereffekte wurde das erfolgreiche Kundengeschäft der WestLB überlagert.

Allein durch die Finanzmarktkrise entstanden im Handelsergebnis erfolgswirksame Bewertungsverluste in Höhe von 1.304 Mio Euro. Für Finanzinstrumente in anderen Kategorien wurden aufgrund einer voraussichtlich dauerhaften Wertminderung insgesamt 406 Mio Euro als Risikovorsorgeaufwand (Impairment) in den GuV-Posten Kreditrisikovorsorge (221 Mio Euro) und Finanzanlageergebnis (185 Mio Euro) erfasst. Hinzu kommen erfolgsneutrale Bewertungsverluste in Höhe von 301 Mio Euro, die in der Neubewertungsrücklage ausgewiesen sind.

Zins- und Provisionsüberschuss gestiegen – Kosten deutlich gesunken
Der Zinsüberschuss erhöhte sich um 78 Mio Euro auf 1.090 Mio Euro. Der Anstieg ist im Wesentlichen auf Erfolge im Kundengeschäft sowie die Ausweitung des Konsolidierungskreises zurückzuführen. Gegenläufig wirkten sich die Finanzmarktkrise sowie geringere Erträge aus Finanzbeteiligungen aus. Die Kreditrisikovorsorge weist eine Nettozuführung von 238 Mio Euro aus, davon standen 221 Mio Euro im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise. Der Provisionsüberschuss konnte um 81 Mio Euro auf 406 Mio Euro gesteigert werden. Diese erfreuliche Ergebnisentwicklung ist vor allem auf das Kredit- und Konsortialgeschäft zurückzuführen.

Das Handelsergebnis beläuft sich auf -1.616 Mio Euro nach 561 Mio Euro im Vorjahr. Der Rückgang basiert vor allem zum einen auf Eigenhandelsverlusten im Zusammenhang mit den Aktienspread-Positionen, zum anderen auf Bewertungsänderungen von strukturierten Wertpapierportfolien im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise (-1.304 Mio Euro). Veräußerungsgewinne im Private Equity- und Beteiligungsgeschäft führten zu einem Finanzanlageergebnis von 291 Mio Euro (i.V. 551 Mio Euro). Belastend wirkten sich vor allem Wertminderungen aus ABS- und CDO-Beständen in Folge der Finanzmarktkrise aus, die sich auf 185 Mio Euro summieren.

Der Verwaltungsaufwand wurde um 254 Mio Euro (-14%) auf 1.576 Mio Euro deutlich reduziert. Der Personalaufwand sank um 20% auf 823 Mio Euro. Zusätzlich wurden bei den Anderen Verwaltungsaufwendungen 46 Mio Euro eingespart. Dies lag insbesondere an der 2006 gestarteten Lean Bank-Initiative. Der Saldo aus sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen erreichte 107 Mio Euro (i.V. 378 Mio Euro). Im Vorjahresergebnis waren positive Effekte aus der Entkonsolidierung diverser Konzerngesellschaften enthalten.

Auch die Segmentergebnisse waren ganz wesentlich von den Turbulenzen an den Finanzmärkten geprägt. Während im Segment Geschäftskunden & Sparkassen aufgrund des guten Kundengeschäfts das Vorsteuerergebnis gegenüber Vorjahr um 184 Mio Euro auf 264 Mio Euro stieg, sank das Vorsteuerergebnis im Segment Capital Markets auf -1.784 Mio Euro (i.V. 515 Mio Euro). Das Segment Asset Liability Management schloss trotz der erheblichen Marktturbulenzen aufgrund eines erfolgreichen Treasurygeschäfts mit einem positiven Ergebnis vor Steuern von 111 Mio Euro (i.V. -7 Mio Euro) ab.

Die Bilanzsumme des WestLB Konzerns erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 1,2 Mrd € auf 286,5 Mrd €. Bedingt durch die Finanzmarktkrise wurden die Effekte aus der Ausweitung des Konsolidierungskreises durch ein insgesamt rückläufiges Geldmarktgeschäft nahezu vollständig kompensiert.

Die von der Bank begebenen Genussscheine werden in vollem Umfang bedient. Im Rahmen des vom Vorstand aufgestellten Jahresabschlusses ist zudem eine freiwillige Bedienung des in 2005 begebenen Hybridkapitals vorgesehen.

Risikoschirm schafft stabile Basis
Der nunmehr eingerichtete Risikoschirm schafft eine stabile Basis für die weitere Entwicklung der WestLB. Mit der Risikoabschirmung werden nicht nur potenzielle weitere Ergebniseinbußen bei der WestLB aufgrund zukünftiger Marktpreisschwankungen bei den übertragenen strukturierten Wertpapieren vermieden, gleichzeitig werden dadurch auch die diesbezüglichen Belastungen im Jahresabschluss 2007 nahezu vollständig ausgeglichen. Eine Kapitaleinlage durch die Eigentümer wird von daher nicht erforderlich.

Das zum Nominalwert übertragene Wertpapierportfolio in Höhe von circa 23 Mrd Euro setzt sich im Wesentlichen zusammen aus dem Engagement von 15 Mrd Euro bei den Zweckgesellschaften Harrier, Kestrel und Greyhawk sowie aus 8 Mrd Euro originärem Bilanzgeschäft der WestLB. Der Ankauf der Papiere durch die neue Zweckgesellschaft wird durch die Emission von Senior und Junior Notes refinanziert. Die Junior Notes sind durch die Garantie der Eigentümer in Höhe von bis zu 5 Mrd Euro gegen tatsächliche Zahlungsausfälle abgesichert. Etwaige Verluste aus diesen Wertpapierportfolien bis zu einer Höhe von 2 Mrd Euro tragen die Eigentümer entsprechend ihren Anteilen an der WestLB. Darüber hinausgehende Verluste von bis zu 3 Mrd Euro werden vom Land Nordrhein-Westfalen übernommen.

Der Risikoschirm wurde in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden (z.B. BaFin) eingerichtet und bei der Europäischen Kommission angemeldet. Die WestLB steht weiter in einem engen Dialog mit der Kommission.

Alexander Stuhlmann: „Durch diese umfassende Lösung wird die Bank nicht nur von den Belastungen durch die Finanzmarktkrise weitgehend befreit, sie hat zudem den Vorteil für die Eigentümer, dass sie keine Barmittel zuschießen müssen. Unsere Ziele werden dennoch erreicht: Die Bilanzrelationen verbessern sich, und es wird eine stabile Basis für eine zukunftsfähige Aufstellung der Bank geschaffen. So steigt die Kernkapitalquote voraussichtlich wieder auf über 7%.“

Geschäftsmodell wird zukunftsfähig ausgerichtet
Bei den Detailplanungen zur Restrukturierung und Stärkung des Geschäftsmodells ist die WestLB bereits weit vorangekommen. „Trotz der sehr kurzen Zeit seit Vorstellung der Rahmenplanung haben wir wesentliche Maßnahmen identifiziert, mit deren Umsetzung unverzüglich begonnen wird. Dazu zählt vor allem unsere Mittelstands- und Sparkassenoffensive. Im Investment Banking werden wir uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und das Kundengeschäft ausbauen. Beide Maßnahmen dienen dazu, die Ergebnisvolatilität zu verringern und das Risikoprofil der Bank nachhaltig zu verbessern“, sagte Vorstandschef Alexander Stuhlmann.

Durch Effizienzsteigerung und Adjustierung des Geschäfts sollen bis 2010 Kosten in Höhe von jährlich 300 Mio Euro eingespart werden. Damit ist im Planungszeitraum ein Abbau von rund 1.350 Arbeitsplätzen (netto) verbunden. Auf der gestrigen Aufsichtsratssitzung hat der Vorstand den aktuellen Stand der Planungen vorgestellt.

Ausblick
Dr. Hans-Jürgen Niehaus, Finanzvorstand der WestLB, sagte zu den Aussichten: „Den Restrukturierungsprozess starten wir in einem nach wie vor äußerst schwierigen Marktumfeld. Die Unsicherheiten am Kapitalmarkt halten an, und der Margen- und Wettbewerbsdruck ist ungebrochen. Durch die unvermeidlichen Restrukturierungsmaßnahmen werden weitere Ergebnisbelastungen im laufenden Geschäftsjahr entstehen, die als Investition in die Zukunftsfähigkeit der Bank anzusehen sind. Unser Ziel ist es, mit den eingeleiteten Maßnahmen zur Restrukturierung und abgeschirmt von weiteren Risiken aus der Finanzmarktkrise die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern bis 2010 auf ein zweistelliges Niveau zu steigern.“