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Rasante Abkühlung der österreichischen Konjunktur

„Die wirtschaftliche Erholung, die sich in der ersten Jahreshälfte 2011 stabil und kräftig präsentiert hat, kommt mit Ende des Sommers stark ins Schleudern. Der Bank Austria Konjunkturindikator ist nach soliden 2,5 Punkten im Vormonat im August auf einen Wert von 1,5 gesunken“, sagt Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Die österreichische Konjunktur beginnt tiefe Bremsspuren aufzuweisen. „Unser auf Stimmungs- und Bankenmarktdaten basierender Frühindikator ist aktuell auf dem tiefsten Stand seit Februar 2010 gesunken. Das Minus um einen Punkt ist der schärfste Einbruch seit Herbst 2008, als die US-Finanzkrise auf die österreichische Realwirtschaft übergeschwappt war“, so Bruckbauer weiter.

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Die Verunsicherung auf den Märkten schlägt sich immer stärker auf die Stimmung der Verbraucher nieder. Europaweit hat sich die Laune der Konsumenten eingetrübt und auch in Österreich gehört der in den vergangenen Monaten noch vorherrschende Optimismus bereits der Vergangenheit an. Das Konsumentenvertrauen liegt derzeit aber zumindest noch knapp über dem langjährigen Durchschnitt. Die Stimmung in den österreichischen Industrieunternehmen ist hingegen geringfügig darunter gesunken. Die rückläufige Auftragslage und die negativen Vorgaben aus dem Ausland haben der Stimmung einen massiven Dämpfer versetzt. Auf den wichtigsten europäischen Absatzmärkten der heimischen Industrie schätzen die Wirtschaftsakteure die Geschäftserwartungen im August deutlich ungünstiger ein. Der mit den österreichischen Handelsanteilen gewichtete Vertrauensindex für die europäische Industrie zeigt den schärfsten Einbruch seit Herbst 2008 und hat auf den tiefsten Wert seit Anfang 2010 korrigiert. „Sowohl die Stimmung unter den Verbrauchern als auch in der Industrie hat sich in den vergangenen Wochen angesichts zunehmender Risiken und wachsender Verunsicherungen in Rekordtempo eingetrübt. Es gibt derzeit kaum Anzeichen für ein Ende dieses Abwärtstrends, der sich im aktuellen Bank Austria Konjunkturindikator so deutlich niedergeschlagen hat, dass wir für das zweite Halbjahr 2011 von äußerst zurückhaltenden Wirtschaftsaussichten am Rande der Stagnation ausgehen“, analysiert Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl die Situation.

Das globale Umfeld hat sich innerhalb weniger Wochen drastisch verschlechtert und bremst die kräftige Erholung der heimischen Wirtschaft des ersten Halbjahres 2011 nun rasant ab. Der exportorientierten Industrie fehlt es immer stärker an Neuaufträgen aus dem Aus- und auch Inland. Das Produktionswachstum schwächelt seit Beginn des Sommers und die Produktions-leistung geht mittlerweile sogar etwas zurück. In den jüngsten Außenhandelsdaten hat sich die sich abschwächende Nachfrage bereits negativ bemerkbar gemacht. „Nicht nur der Exportwirtschaft geht derzeit die Luft aus. Auch in der Binnennachfrage ist kaum noch Bewegung“, so Pudschedl. Nachdem die Lager nun wieder aufgefüllt sind und die während der Krise lange aufgeschobenen Ersatzinvestitionen gemacht wurden, verliert die Investitions-tätigkeit für die kommenden Monate seine bisher wichtigsten Antriebsimpulse. Angesichts der gestiegenen globalen Wachstumsrisiken und der sich zuspitzenden Unsicherheiten im europäischen Wirtschaftsraum fehlt es an unternehmerischen Perspektiven für Neu- und Erweiterungsinvestitionen, um die Drehzahl des Investitionsmotors hochzuhalten. Zudem wird der private Konsum weiterhin eine nur moderate Aufwärtstendenz halten können. Der rohstoffbedingte Inflationsanstieg hat die Realeinkommensentwicklung massiv gedämpft und die bislang unterstützenden positiven Arbeitsmarkttrends zeigen deutliche Ermüdungs-erscheinungen. Die Beschäftigungsdynamik hat sich über den Sommer einzubremsen begonnen und die Arbeitslosenquote zeigt aktuell sogar eine leichte Aufwärtsbewegung. Hinzu kommen die starke Verunsicherung wegen der Verschuldungskrise in einigen Mitgliedsländern des Euroraums und die nahende Aussicht auf eine striktere fiskalische Disziplin der öffentlichen Hand. Dies alles wird die Konsumnachfrage in den kommenden Monaten sehr begrenzt halten.

„Nach der starken ersten Jahreshälfte wird die Konjunkturerholung in Österreich im zweiten Halbjahr 2011 eine Pause einlegen. Noch gehen wir für das dritte und vierte Quartal 2011 von Wachstumsraten von etwa 0,2 Prozent zum Vorquartal aus. Allerdings besteht aufgrund der vorliegenden Frühindikatoren sogar das Risiko, dass der Aufwärtstrend zwischenzeitlich ganz zum Erliegen kommen könnte“, meint Bruckbauer. Trotz der schwachen zweiten Jahreshälfte wird die österreichische Wirtschaft im Gesamtjahr 2011 nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit 2007 ein kräftiges Lebenszeichen von sich geben. „Aufgrund der bis zur Jahresmitte sehr kräftigen Konjunkturerholung haben wir trotz der, für die zweite Jahreshälfte nur wenig verheißungsvollen Aussichten, unsere Wachstums-erwartungen für das Gesamtjahr 2011 auf 3,3 Prozent angehoben. Damit wird die österreichische Wirtschaft im europäischen Vergleich einen der höchsten Werte verzeichnen“, so Bruckbauer.

Der scharfe Rückgang des Bank Austria Konjunkturindikators signalisiert eine spürbare Abkühlung der Konjunktur, die sich zumindest bis über den Jahreswechsel 2011/2012 hinaus erstreckt. Der weltweite Schuldenabbau und die ungelöste Schuldenkrise im Verbund mit einer durch die anhaltend hohe Verunsicherung sehr volatilen Marktentwicklungen, einem abnehmenden Vertrauen der Wirtschaftsakteure und einem weitgehend ausgeschöpften wirtschaftspolitischen Spielraum begrenzen die Wachstumsaussichten auch darüber hinaus. Die Erholung wird sich im weiteren Jahresverlauf 2012 nur sehr zögerlich fortsetzen. „Die deutlich gestiegenen Konjunkturrisiken sind weiter nach unten gerichtet: Von einer neuerlichen Rezession der österreichischen Wirtschaft gehen wir dennoch nicht aus. Aufgrund der sich nunmehr deutlich ungünstiger darstellenden Rahmenbedingungen haben wir unsere BIP-Erwartung für das Jahr 2012 von 1,8 jedoch auf nur noch 1,4 Prozent zurückgeschraubt“, sagt Bruckbauer. „Unser Wachstumsszenario basiert auf der Annahme, dass in den einzelnen Ländern des Euroraums sichtbare Strukturreformen zumindest begonnen werden, die für eine nachhaltige Wachstumsdynamik auf einer gesunden Basis sorgen können und dass sich die zugespitzte Verschuldungskrise im Euroraum durch eine solidarische Lösung zwischen den Ländern entspannt, ohne eines Zahlungsausfalls eines Mitgliedslandes“, betont Bruckbauer abschließend.