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Quelle-Erbin Schickedanz fordert 1,9 Mrd. Euro von Sal. Oppenheim

Der gewichtigste deutsche Privat-Prozess könnte in wenigen Monaten vor dem Oberlandesgericht Köln verhandelt werden: die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz will von ihren Bankberatern, die sie nach eigenen Angaben in die Arcandor-Pleite getrieben haben, ihr Geld zurück. Bei einem Streitwert von 1,9 Mrd. Euro scheint eine außergerichtliche Einigung kaum möglich. 1,2 Mrd. Euro betreffen den direkten Verlust bei der gescheiterten Karstadt-Sanierung, rund 700 Mio. Euro verweigert die Klägerin als Rückzahlung von Krediten und bestellte Sicherheiten. Als Prozessgegner sind 14 Firmen und Personen benannt, in der Hauptsache die ehemaligen Gesellschafter der Sal. Oppenheim Bank Matthias Graf von Krockow und Christopher Freiherr von Oppenheim und ihr ehemaliger Immobilienpartner Josef Esch. Noch haben die Schickedanz-Anwälte die Klage nicht eingereicht, sondern lediglich vor dem Kölner Gericht eine Auskunft zur Zuständigkeit ersucht. Die Quelle-Erbin liegt aber auch noch gut in der Zeit, denn sie hat für die Klageeinreichung noch drei Monate eh sie ihren Rechtsanspruch verlieren würde. Einige Branchenbeobachter vermuten hinter diesem Schritt den Versuch, den Druck in einigen laufenden außergerichtlichen Vergleichsgesprächen zu erhöhen.

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Im Focus der Vorwürfe: Josef Esch
Seit der Jahrtausendwende, spätestens jedoch seit dem Tod des Bankhaus-Chefs Alfred Freiherr von Oppenheim 2005 hatten die Gesellschafter und Josef Esch die Oppenheim-Bank auf einen rasanten Expansionskurs gebracht. Mit der Übernahme der BHF-Bank 2004 stieg Oppenheim zur größten deutschen Privatbank für vermögende Kunden auf und verwaltete im Jahr 2006 fast 150 Mrd. Euro. Das Erfolgsmodell von Esch bestand u.a. darin, mit dem Geld der Bank-Klienten Immobilienprojekte zu realisieren und über Mieteinnahmen der öffentlichen Hand abzusichern. Besonders lukrativ war für die Beteiligten die Möglichkeit, Millionenbeträge von der Steuer abzusetzen. Dies Modell ließ sich jedoch nicht endlos fortsetzen, was die Entwicklungen während der Finanzkrise deutlich zeigt. Der fehlende Geldfluss führte schließlich 2010 zur Übernahme der Oppenheim Bank durch die Deutsche Bank. Vor allem die Stadt Köln, aber auch Bonn, Bochum und Essen, nahmen durch Praxis dieser Fonds-Konzeptionierung, in einem WDR-Beitrag 2005 öffentlich gemacht, erheblichen Schaden. Die Staatsanwaltschaften nahmen schließlich in 2009 Ermittlungen gegen zahlreiche Beteiligte auf.

Rückenwind für Madeleine Schickdanz
Auch bei der versuchten Karstadt-Rettung sollen die Geschäftsgebaren für die Beteiligten nicht durchschaubar gewesen sein. Der Kauf von Karstadt-Immobilien und deren Vermietung zu überhöhten Preisen sind ein Kritikpunkt bei der Pleite, bei der Madeleine Schickedanz als Hauptaktionärin ihr gesamtes Vermögen verlor. Ihre Versuche, die Aktien noch gewinnbringend abzusetzen, seien von der Bank abgewehrt worden. Die Sal. Oppenheim Bank hält die Vorwürfe, ebenfalls wie Josef Esch, für nicht haltbar.

Neben den Ermittlungen der Staatsanwaltschaften gegen Esch erhält Madeleine Schickedanz noch Rückenwind durch die angedrohte Klage von Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, der sich ebenfalls von Sal. Oppenheim und Esch im Fall Karstadt nicht ausreichend über die Risiken informiert sah. Die Klage von Madeleine Schickedanz könnte noch weitere vermögende Kunden der Bank zum Prozess motivieren. Insofern wäre bei dem Rekord-Betrag von 2 Mrd. Euro dann lange noch nicht Schluss.