Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Private-Equity-Firmen und ihr Image in Deutschland

Aus der Diskussion über die Finanzinvestoren, abschätzig auch schlicht „Heuschrecken“ genannt, ist noch immer nicht die Luft heraus. Das Manager-Magazin http://www.manager-magazin.de macht in seiner aktuellen Ausgabe wieder mit dem Thema auf und verspricht unter der Überschrift „Attacke der Heuschrecken“ einen „Inside-Report über die neuen Herrscher der Finanzwelt“. Vor den Herren des schnellen Geldes zitterte Topmanager in aller Welt. Doch längst sind nicht nur große Firmen im Visier der Private-Equity-Firmen, sondern zusehends auch Familienunternehmen oder allgemein mittelständische Unternehmen. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Kapitalsbeteiligungsgesellschaften (BVK) http://www.bvk-ev.de sind die Finanzinvestoren hier zu Lande an fast 6.000 Unternehmen mit über 600.000 Mitarbeitern beteiligt. Beliebte Tätigkeitsfelder sind die großen Bundesländer Bayern, NRW und Baden-Württemberg. Und sowohl Kritiker als auch Befürworter dieser Erscheinungsform des angelsächsischen Kapitalismus lassen keinen Zweifel daran: 2006 wird für die Private Equities ein noch besseres Jahr als das vergangene.

.

"Der Run von Private-Equity-Investoren auf Deutschland ist eine Konsequenz aus der Wirtschaftsstruktur und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Die Struktur der deutschen Wirtschaft ist bekanntermaßen stark mittelständisch geprägt. Jahrelang war dies von Vorteil, vor allem solange, wie der Weltmarkt, den es zu erobern galt, in Europa lag. Gerade diese mittelständischen Unternehmen haben es aber nicht geschafft, für eine ausreichende Eigenkapitalbildung zu sorgen. Dies lag nicht zuletzt an einer Steuerpolitik, die insbesondere die Großunternehmen gefördert hat. Logischerweise fehlt damit den Mittelständlern die finanzielle Kraft, sich auf globalisierten Märkten durchzusetzen. Diese Entwicklung ist die hausgemachte unternehmerische und politische Entwicklungen noch verstärkt worden, die letztlich zu einem dramatischen Schwund an Wettbewerbsfähigkeit geführt haben – erinnert sei hier an den Mangel an Nachwuchs in den technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungsgängen", erläutert Michael Sander, Geschäftsführer der TCP Terra Consulting Partners GmbH http://www.terraconsult.de in Lindau.

Wolfgang Münchau, von 2001 bis 2003 Chefredakteur der Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de , stellt in seinem neuen Buch „Das Ende der Sozialen Marktwirtschaft“ sogar die These auf, dass diese mittelständische Struktur der deutschen Wirtschaft nicht mehr zeitgemäß sei und den Stürmen der Globalisierung nicht standhalten könne. Münchau bezeichnet den deutschen Kapitalmarkt als „vorsintflutlich“, die KMU’s seien chronisch unterfinanziert und glaubten an unflexible Bankkredite und nicht an den Kapitalmarkt. In Münchaus Logik kommen die „Heuschrecken“ gerade recht, um den Deutschen, die noch in der Welt der Sozialen Marktwirtschaft der 50er und 60er Jahre zuhause sind, eine Prise angelsächsischen Kapitalismus beizubringen. „Finanzmärkte haben eine Auswirkung auf den Rest der Industrie. Anstatt eines ewig jammernden Mittelstandes hätten wir in Deutschland profitable Firmen“, schreibt der Autor. „Der deutsche Finanzmarkt ist im Denken der Sozialen Marktwirtschaft dermaßen verwurzelt, ebenso wie das Mittelstandsdenken, dass ich hier nicht die geringste Chance eines Neuanfangs sehe.“

Doch die angelsächsischen Finanziers spielten in einer gänzlich anderen Liga, so das Manager-Magazin. In den Vereinigten Staaten zählten Hedgefonds-Manager und ihre Kollegen aus der Private-Equity-Branche längst zur High Society und zum Who’s who der Wirtschaftselite: „Was in den 80er Jahren die Investmentbanker waren und in den 90ern die Venture Capitalists, sind heute die Stars der Hedgefonds- und Private-Equity-Szene: ‚Masters of the Universe’, Herren der Finanzwelt, die mit Milliardensummen rund um den Globus immer neue, immer größere, immer gewagtere Geschäfte machen.“ Die Private-Equity-Zunft gebiete weltweit über rund 1,3 Billionen Dollar. Gerade Deutschland mit seinen vielfach unterbewerteten Unternehmen sei derzeit einer der wichtigsten Märkte für die Finanzinvestoren.

Positiv berichtet das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de über den Einsatz des Finanzinvestors Permira http://www.permira.de beim traditionsreichen Brillenhersteller Rodenstock. Wie „Honigbienen“ habe Permira den Brillenhersteller wieder aufgepäppelt, so Randolf Rodenstock gegenüber dem Handelsblatt. Im internationalen Vergleich habe der Brillenhersteller Aufholbedarf. 2005 habe sich der Umsatz auf 344 Millionen Euro belaufen. Der Weltmarktführer Luxottica erwirtschaftete allein in einem Quartal fast dreimal so viel. Der neue Rodenstock-Firmenchef Giancarlo Galli hat daher ehrgeizige Ziele: 2010 soll sich der Umsatz auf rund 700 Millionen Euro Umsatz kommen. Die Forschungsausgaben seien seit dem Einstig von Permira um die Hälfte gestiegen. Allerdings fielen insgesamt 500 Stellen weg.

Ein einfaches Schwarz-Weiß-Urteil über die Finanzinvestoren ist daher nicht gerechtfertigt. Die Bilanz ihres Wirkens ist gemischt. Wolfgang Krüger, Professor an der Fachhochschule für Mittelstand in Bielefeld, hält das Heuschrecken-Bild jedenfalls für absurd, „da Private-Equity-Firmen schon im eigenen Interesse keinen Kahlschlag machen, sondern etwas mitbringen: dringend benötigtes Eigenkapital und Management-Know-how.“ Doch das Bild der Honigbiene ist vielleicht doch etwas zu süß. Und aus der hässlichen Heuschrecke muss ja nicht sogleich Biene Maja werden.