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Privatanleger lehnen Anleihekäufe durch die EZB ab

Die hohen Kursverluste an den internationalen Aktienbörsen haben den deutschen Privatanlegern die Stimmung verhagelt. Aktuell rechnet nahezu ein Drittel aller Investoren mit weiter fallenden Kursen an den Märkten. Damit hat sich die Zahl der Pessimisten unter den Privatanlegern im vergangenen halben Jahr verdoppelt. Dies zeigt der neueste DZ BANK Anlegerindikator, für den TNS Infratest insgesamt 1065 Privatanleger befragt hat. Dabei bezogen diese auch eine klare Position zum Thema „europäische Schuldenkrise“. Deutlich über 70 Prozent lehnen weitere Käufe von Anleihen der Euro-Krisenstaaten durch die Europäische Zentralbank (EZB) ab. So gut wie alle Privatanleger rechnen zudem damit, dass die europäische Schuldenkrise auch im nächsten Jahr anhalten wird. Die Zukunft des Euro sehen die Investoren aber als gesichert an. Die Gemeinschaftswährung werde es, so glauben 87 Prozent der Befragten, im Jahr 2015 noch geben.

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Konkret vertreten 72 Prozent der deutschen Privatanleger die Auffassung, die EZB solle auf den Aufkauf weiterer Anleihen europäischer Krisenstaaten verzichten. Gut ein Drittel der Befragten votierte dabei für ein eindeutiges „Nein“, 38 Prozent sagten, die EZB solle „eher“ auf die Anleihekäufe verzichten. Klare Unterstützer der Aufkaufaktion gibt es dagegen so gut wie keine. Lediglich 4 Prozent der Befragten stehen uneingeschränkt hinter der Maßnahme. 21 Prozent erklärten die Aufkäufe sollten „eher“ weiter stattfinden.

Zur Frage nach der Rolle der Politik äußerten sich die Befragten unentschieden. Knapp die Hälfte der Anleger traut den Politikern zu, dass sie die Schuldenkrise in den Griff bekommen. Exakt 51 Prozent glauben allerdings nicht daran. Besonders kritisch zeigen sich hier die Anleger im mittleren Alter zwischen 40 und 49 Jahren. 60 Prozent von Ihnen vertreten die Meinung, dass die Politik die Schuldenkrise nicht in den Griff bekommt.

An eine relativ schnelle Lösung des Problems glaubt so gut wie keiner der Befragten. Stattdessen gehen 93 Prozent davon aus, dass die europäische Schuldenkrise auch im kommenden Jahr anhalten wird. Lediglich sieben Prozent sind anderer Ansicht. Immerhin sieht aber eine ähnlich große Mehrheit die Zukunft des Euro als gesichert an. 87 Prozent der Investoren rechnen jedenfalls damit, dass es diesen 2015 noch gibt, lediglich 11 Prozent gehen davon aus, dass die Gemeinschaftswährung in vier Jahren Geschichte sein wird.

Verschlechterte Stimmung, aber keine Panik
Deutlich verschlechtert hat sich die Aktienmarkt-Einschätzung der Privatanleger. Diese ist zwar immer noch deutlich besser als im August 2008 und im Januar 2009 - also kurz vor und kurz nach Ausbruch der Finanzkrise - aber erheblich negativer als in den beiden vorangegangenen Umfragen dieses Jahres. Insgesamt erwarten zurzeit noch 40 Prozent der Investoren, dass die Aktienkurse in den kommenden sechs Monaten steigen. Damit hat sich die Zahl der Optimisten gegenüber Ende Mai kaum verringert. Deutlich gestiegen ist allerdings der Anteil derjenigen, die mit weiter nachgebenden Notierungen rechnet. Er liegt inzwischen bei 30 Prozent. Ende Mai hatten dagegen nur 18 Prozent und im Februar sogar nur 15 Prozent fallende Notierungen erwartet. Offensichtlich haben vor allem die Anleger ihre Meinung geändert, die noch im Mai von einer Seitwärtsbewegung an den Börsen ausgegangen waren. Ihr Anteil ist seit damals von 30 Prozent auf 20 Prozent gefallen.

„Das Ergebnis verdeutlich einerseits natürlich, dass die Privatanleger angesichts des jüngsten Kurssturzes, der Schuldenkrise und der sich eintrübenden Weltwirtschaft dem Markt deutlich skeptischer gegenüber stehen als noch im Frühjahr. Es zeigt aber auch, dass sie nach wie vor relativ gelassen auf die Situation reagieren und weit von einer Panik entfernt sind. Offensichtlich haben viele aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt“, sagt Peter Schirmbeck, Leiter Privatkundengeschäft der DZ BANK.

Ein Investment am Aktienmarkt scheuen viele Anleger momentan allerdings. So erklärten nur noch 22 Prozent, sie würden bei einem Investment in den kommenden Monaten ein Engagement in Aktienfonds in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Noch Ende Mai hätten sich dagegen 28 Prozent und im Februar sogar 30 Prozent der Investoren für den Kauf eines Aktienfonds interessiert. Ein direktes Aktienengagement kommt im Augenblick noch für 21 Prozent der Privatanleger in Frage. Im Mai war es noch für 24 Prozent interessant.

Interesse an Tages- und Festgeldanlagen steigt
Parallel zur Risikoaversion ist das Interesse an Tages- und Festgeldanlagen deutlich gestiegen. Obwohl hier momentan häufig nur ein Zinsniveau geboten wird, das unter der Inflationsrate liegt, ziehen 70 Prozent der Anleger ein Engagement in diesem Bereich in Betracht. Das ist ein Anstieg von 5 Prozentpunkten gegenüber Mai. Damit steht diese Anlageform einsam an der Spitze der Anlegerpräferenzen. Andere vermeintlich sicheren Anlagen beurteilen die Investoren dagegen teilweise sogar skeptischer als zuvor. So kämen „andere festverzinsliche Wertpapiere“ aktuell nur für 34 Prozent in Betracht, das sind drei Prozentpunkte weniger als noch im Mai. „Offensichtlich schlagen hier die negativen Erwartungen und Erfahrungen durch, die insbesondere die Anleihen der Euro-Peripheriestaaten verursacht haben“, kommentiert Schirmbeck. Leicht in der Gunst der Investoren gestiegen sind Zertifikate. Sie sind zurzeit für 12 Prozent der Privatanleger eine Option. Nachdem die Papiere gerade in der Hochphase der Finanzkrise noch stark an Zustimmung verloren hatten, gewinnen sie diese trotz der jüngsten Marktturbulenzen offensichtlich Schritt für Schritt zurück. Dabei bevorzugen die Anleger ihrer Risikoaversion entsprechend nach wie vor vor allem Garantie- und Bonuszertifikate.