Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Neues Rekordniveau: Mieten bis zu 190 Euro/m²

In den Hamburger Top-Einzelhandelslagen reichen die Mieten nach Angaben des jüngsten Kemper’s-Marktreports erstmals bis zu 190 Euro/m². Der Jungfernstieg präsentiert sich nach der Neugestaltung seit Ende Mai wieder als echte Flaniermeile. Auch der Neue Wall gewinnt mit neuen Mietern deutlich an Attraktivität, wobei wie in vielen Luxuslagen Europas vermehrt jüngere Marken in die Lage und deren Umfeld drängen. Einen deutlichen Nachfrageüberhang weisen die jünger ausgerichteten Lagen Post- und Gerhofstraße sowie Teile des Gänsemarktes auf. Hier fehlt es Hamburg laut Kemper’s an etablierten Entlastungsbereichen wie sie etwa Köln mit der Ehrenstraße oder Berlin mit dem Hackeschen Markt haben. Die im Oktober eröffnende Europa Passage wird dank außergewöhnlicher Architektur ein neues Highlight. Problematisch ist der polyzentrische Aufbau der Einzelhandelslandschaft, der mit einem vergleichsweise niedrigen innerstädtischen Umsatzanteil einhergeht und durch erweiterte Centerflächen zusätzlich unter Druck steht.

.

Jungfernstieg wird zur Flaniermeile
Ende Mai wurde nach 21 Monaten Bauzeit der neu gestaltete Jungfernstieg eröffnet. Mit dem verbreiterten Fußgängerbereich auf der Häuserseite ist eine Flaniermeile entstanden. Umbauten und Neueröffnungen ergänzen das positive Bild. Nach dem Vorbild des Berliner KaDeWe wurde das Karstadt-Alsterhaus für insgesamt 40 Mio. Euro renoviert und deutlich hochwertiger positioniert. Nach Nivea eröffnet in Kürze American Aparell mit junger Mode in der Nr. 51. Schuh Kay belegt das lange leerstehende Selbach-Haus. Insgesamt verbessert der Jungfernstieg sein in der Vergangenheit angekratztes Image und schließt bei Spitzenmieten um 120 Euro/m² zu den anderen 1A-Lagen in der City auf. Leider wird in eineinhalb Jahren ein Großteil des Jungfernstiegs für den Bau der U-Bahn zur neuen Hafen-City erneut geöffnet.

Neuer Wall profitiert von BID
Nach Abschluß der Baumaßnahmen Ende Mai präsentiert sich der Neue Wall in einem einheitlichen und hochwertigen Design. Die noch 2005 vorhandenen Leerstände konnten mit attraktiven Neueröffnungen von Tod’s, Van Laack, Ferragamo, Massimo Dutti und Ermenegildo Zegna geschlossen werden. Demnächst eröffnen Hermés, Gucci und Max Mara ihre Pforten. Tiffany wird am Neuen Wall 19 die bisherige Armani-Fläche übernehmen. Nachdem Versace bereits im Frühjahr die Hansestadt verließ, sucht Armani offenbar einen neuen Standort. Wie in fast allen europäischen Luxuslagen zeichnet sich auch in Hamburg ein neuer Trend ab. Neben den Luxusanbietern drängen Anbieter junger Mode in die hochwertigen Lagen. Nach Massimo Dutti eröffneten Puma und der Jeanser G-Star Ladenlokale in unmittelbarer Nähe zum Neuen Wall. Weitere Unternehmen dieser Sparte stehen in abschließenden Verhandlungen. Die Spitzenmiete legt 2006 nach mehreren Jahren der Stagnation wieder zu und erreicht derzeit um 190 Euro/m².

Erheblicher Nachfrageüberhang für die jünger ausgerichteten Lagen
Einen besonders großen Nachfrageüberhang gibt es für die trendigeren und jünger ausgerichteten Lagen in der City. Sven Gröning, Geschäftsleitung Kemper’s Hamburg GmbH: „In der Post- und Gerhofstraße sowie Teilen des Gänsemarktes gibt es bei Spitzenmieten um 140 Euro/m² für nahezu jede Mietfläche mehrere konkrete nationale und vor allem internationale Interessenten. Leider fehlen in Hamburg Entlastungsbereiche für die Trendmode wie z.B. die Ehrenstraße in Köln oder das Gebiet rund um den Hackeschen Markt in Berlin. Hier wäre es für die Stärkung der Anzugskraft der Hamburger Innenstadt wichtig, gemeinsam mit den Eigentümern bisher nicht optimal belegte Lagen entsprechend zu entwickeln.



Europa-Passage - Neues Highlight trotz Mieterduplizierung
Am 5.10.2006 eröffnet das 430-Mio-Projekt nach 2,5 Jahren Bauzeit: Mit 125 Läden und rund 30.000 m² Verkaufsfläche soll das innerstädtische Einkaufszentrum eine Verbindung zwischen Jungfernstieg und Mönckebergstraße herstellen. Im Vorfeld standen die Hamburger Einzelhändler dem Projekt durchaus positiv gegenüber, da die Innenstadt u.a. durch die Aufgabe des Brinkmann-Kaufhauses Handelsfläche und damit Umsatz verloren hatte. Die Hoffnung auf eine Bereicherung durch neue Mieter und Einzelhandelskonzepte wird aber angesichts des derzeit veröffentlichten Mietermixes nur teilweise erfüllt. Ein nicht unerheblicher Teil der Mieter ist bereits entweder in der Innenstadt oder in den zahlreichen Einkaufszentren im Hamburger Stadtgebiet vertreten. Dennoch entsteht mit der Eröffnung der Passage und ihrer außergewöhnlichen Architektur ein neues Highlight in der Hamburger City.

Investitionen in Mietflächen steigern Attraktivität
Karstadt baut zur Zeit für ca. 35 Mio. Euro sein Flagship in der Mönckebergstraße um. Neben der Fassade werden insbesondere die Eingänge, von denen sich einer direkt neben der Europa-Passage befindet, umgestaltet. Nachdem im vergangenen Herbst in der Mönckebergstraße 11 die neuen Läden von Mango, Esprit, H & M und Elsner-Schuhe eröffnet haben, konnte mit den neuen Geschäften von Adidas, Fossil und WMF auch der Umbau der Mönckebergstraße 13 erfolgreich abgeschlossen werden. Mit zahlreichen Investitionen und Neuansiedlungen in den vergangenen Jahren kann sich Hamburg im nationalen Vergleich sehen lassen. In keiner anderen Großstadt hat sich das Bild der Innenstadt so massiv geändert wie in Hamburg. So gut wie alle national und international bedeutenden Einzelhändler sind vertreten und verschaffen der Innenstadt einen hervorragenden Branchen- und Mietermix. Hier bewahrheitet sich der Grundsatz, das es in Deutschland nicht generell zu viel Verkaufsfläche gibt, sondern allenfalls zu viel schlechte. Nach aktuellen Anforderungen renovierte Mietflächen lassen Sie sich in der Regel sehr gut nachvermieten.



Polyzentrischer Aufbau ist problemhaft
Trotzt der sehr guten Belegung weist die Innenstadt im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten einen niedrigen Umsatzanteil auf. Auslöser ist ähnlich wie in Berlin der polyzentrische Aufbau mit zahlreichen Stadtteilzentren, die überwiegend durch größere Einkaufszentren dominiert werden. Gerade wurde in Hamburg Tonndorf das neue EKZ Tondo mit einem SB-Warenhaus und 20 Läden eröffnet. Die Erweiterung des Alstertal-Einkaufszentrums (AEZ) in Hamburg-Poppenbüttel um ca. 16.000 m² auf dann knapp 60.000 m² ist in vollem Gang. Viele der dortigen neuen Mieter wie z.B. Appelrath-Cüpper, Mango, Massimo Dutti, Timberland, Geox, Laurèl und Goldpfeil sind bislang nur in der City vertreten. Bei zukünftig über 240 Läden und mehr als 3.000 Parkplätzen werden viele Kunden im Einzugsgebiet wohl stärker zwischen Innenstadt und AEZ abwägen. Hinzu kommt: Der Etat der Werbegemeinschaft eines einzigen Centers ist in der Regel höher als der City-Marketing-Etat von Hamburg.

Eine Erweiterung ist auch im Elbe-Einkaufszentrum geplant. Das EKZ Hamburger Straße wird zur Zeit massiv umgebaut und in Bergedorf sollen zwei neue Einkaufszentren entstehen. Vor diesem Hintergrund kann die Innenstadt von Hamburg trotz der massiven Investitionen voraussichtlich nur den Status-Quo halten. Da die Störungen durch die zahlreichen Baustellen aber zunehmend wegfallen und die neuen Läden nach und nach eröffnen sind die Voraussetzungen für ein sehr erfolgreiches Jahr des Hamburger Innenstadteinzelhandelns so gut wie lange nicht mehr.

Fotos: Staatliche Pressestelle/Koch; Wolfgang Meinhart, Hamburg