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Architektur und Energie

Mit kühlem Kopf lernt sich´s am besten

Rechtzeitig zum Sommer eröffnete die Handwerkskammer zu Köln ihr neues „Technologie- und Bildungszentrum für Energieeffizienz und Barrierefreiheit in Gebäuden“ (TBZ) auf dem Gelände des Bildungszentrums Butzweilerhof in Köln-Ossendorf. Dabei besticht der Bau nicht nur durch Funktionalität, sondern ebenso durch sein Energiekonzept.

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Architektur und Energiekonzept
Durch die Ausrichtung der Längsfassaden in Nord-/Süd Richtung konnte die natürliche Belichtung der Innenräume und damit auch die solare Einstrahlung optimiert werden. Eine hochleistungsfähige Sonnenschutzverglasung schützt im Sommer vor einer Überhitzung des Gebäudes. Durch die kompakte Bauweise des TBZ, die ein Atrium über dem Forum mit einschließt, wird ein günstiges Verhältnis zwischen Gebäudevolumen und Hüllfläche erreicht. Die Wärmeverluste des Gebäudes konnten dadurch bereits im Vorfeld deutlich reduziert werden. In Kombination mit dem erhöhten Dämmstandard des Gebäudes und einer größtmöglichen Luftdichtheit unterschreitet das Gebäude den geforderten Wärmedämmstandard der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 um über 55%.

Das Energiekonzept wurde speziell für das TBZ entwickelt und kombiniert den Einsatz regenerativer und innovativer Energiesysteme. Kernbestandteil ist die Lüftungsanlage mit Erdkanal und Verdunstungskühlung, die massive konstruktive Ausbildung als Speichermasse sowie die PV-Module und die solarthermische Anlage. In einem hoch wärmegedämmten und luftdichten Gebäude liegt der Wärmeverlust durch Lüften bei ca. 50 bis 55 %, daher ist eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung für die gesamte Nutzfläche vorgesehen. Die Lüftungsanlage unterstützt die Beheizung und die Kühlung des Gebäudes. Um Investitions- und Energiekosten zu sparen, wurde die Lüftungsanlage auf die personenbezogene Mindestaußenluftrate nach Norm ausgelegt. Dadurch ist die Kühlleistung geringer als die Gebäudekühllast. Lediglich die Seminarräume, die Besprechungsräume und die Multifunktionsfläche können zusätzlich über Kühlsegel gekühlt werden. Die Kühlung des Atriums erfolgt über natürliche Belüftung: Dazu strömt kühle Luft im Erdgeschoss über Lüftungslamellen ein, die sich erwärmt, über den Kamineffekt aufsteigt und über Lüftungsklappen im Dach wieder abzieht.

Die Beleuchtung der Innenräume wird fast vollständig durch eine natürliche Belichtung abgedeckt. Um das Tageslicht maximal effizient einzusetzen, erhalten alle Räume eine tageslichtabhängige Lichtsteuerung mit Präsenzkontrolle. Der erforderliche Sonnenschutz/Blendschutz wurde außerdem als Lichtlenksystem vorgesehen.

Die Beheizung des gesamten HWK-Schulungsgebäudes erfolgt über einen Hackschnitzelkessel. Die durch den Hackschnitzelkessel gewonnene Energie wird über einen Wärmeaustausch mit der Bestandsanlage abgeführt und dort genutzt. Die Hackschnitzel als Energieträger werden ebenfalls am Standort produziert. In den Holzwerkstätten anfallende Holzreste werden in einer eigens dafür hergestellten Hackschnitzelaufbereitungsanlage vollautomatisch zerkleinert, gepresst und in den Ofen befördert. Teure Entsorgungskosten entfallen damit vollständig. Der Betrieb der Hackschnitzelheizung spart nicht nur Kosten, sondern ermöglicht auch Schulungen am Objekt für die Handwerksfachbereiche direkt an einer Groß-Industrieanlage.

Barrierefreiheit
Neben den hohen Energieeffizienz-Standards erfüllt das gesamte Gebäude die Anforderungen der aktuellen DIN-Norm 18040 für Barrierefreiheit. Zusätzlich sind die Schulungsräume ausgestattet mit Hilfsmitteln für Personen mit Schwerhörigkeit (Smart Table mit Sprachunterstützung, Mikrofonanlagen am Lehrerpult und Sitzplätzen), eingeschränkter Sehfähigkeit (PC-Arbeitsplätze mit Kopfhöreranschluss und Tastaturen mit Taktilbeschriftung, Mikrofonanlagen für Lehrer und Schüler), mit Gehbehinderung (optimierte Sitzreihenaufteilung) ausgestattet. Außerdem verfügt das TBZ über eine Schulungswohnung, deren Einrichtungsgegenstände speziell auf den Bedarf von Personen mit Einschränkungen angepasst wurden.

Modernste Ausstattung für Schulungszwecke
Die Gebäudetechnik des TBZ dient nicht nur zur Gebäudeversorgung, sondern ist zugleich auch Schulungsobjekt und wird in das Weiterbildungsprogramm einbezogen. Darüber hinaus sind die Seminarräume mit modernsten Exponaten ausgestattet; unter anderem verfügt das TBZ über einen Raum mit einer Brennstoffzelle, einen Technikraum mit Wärmepumpen sowie über eine barrierefrei zugängliche Solarloggia, in der Schulungen zu den Themen Photovoltaik und Solarthermie direkt an den Kollektoren durchgeführt werden können. Die Versorgungstechnik des Hauses wurde so geplant, dass die Schulungsobjekte laufend ersetzt werden können, um auf dem neuesten Stand der Technik unterrichten zu können.

Ein weiteres Highlight des TBZ ist das Übungsgelände mit einem Rotor sowie einem dreißig Meter hohen Mast einer Windkraftanlage. Dort werden künftig unter anderem der Kurs „ServicetechnikerIn für Windenergieanlagen“ sowie Höhenrettungskurse durchgeführt werden. Das vollständige Schulungsangebot kann online auf der Seite der Handwerkskammer zu Köln eingesehen werden.

Im neuen Schulungszentrum bietet die Kammer ein breites Bildungsangebot für Handwerkerinnen und Handwerker an, um diese für zukünftige Herausforderungen in den Bereichen Elektrotechnik, regenerative Energien, Solar- und Energietechnik, barrierefreies Bauen, Umbauen und Wohnen sowie für die Themen Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik zu qualifizieren. Laut Handwerkskammer wird mit den neuen Räumlichkeiten der erhöhte Schulungsbedarf gedeckt, der in den vergangenen Jahren die vorhandenen Kapazitäten auszureizen drohte.

Nach 18-monatiger Bauphase konnte das Schulungszentrum im Sommer 2015 seine Türen öffnen. Das Land Nordrhein-Westfalen, der Bund und die Europäische Union trugen rund zwei Drittel der insgesamt 6,15 Millionen Euro Baukosten.