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MIPIM: Mit Japan muss man (wieder) rechnen

Kaum ist die MIPIM vorbei, auf der sich Japan stark präsentierte, da beginnt mit der CeBIT die nächste Messe, auf der ein anderer asiatischer Gigant sein Können zeigt: China, das dieses Jahr Partner der weltgrößten Computermesse ist, reist mit 600 Ausstellern nach Hannover und hat den schillernden Milliardär Jack Ma, Gründer der Internetplattform Alibaba, mit im Gepäck. Das 21. Jahrhundert hat für Kaliber wie Ma in China längst begonnen. Das Reich der Mitte ist auf dem Weg zur High Tech-Nation. Vor über 25 Jahren hatte Japan diese Position inne. Doch vom Platzen der Spekulationsblase an den Immobilien- und Aktienmärkten in 1989 in Fernost hat sich die Industrienation mit rund 127 Millionen Einwohnern nie richtig erholt. Im Gegenteil. Als wäre eine anhaltende Deflation, eine für japanische Verhältnisse hohe Arbeitslosenquote von 3,5 %, die Überalterung der Bevölkerung (25 % sind über 65 Jahre und älter) und außerdem rückläufige Investitionen nicht genug, war mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima im März 2011 der Tiefpunkt erreicht. Japan braucht dringend wirtschaftliche Impulse, möchte es mit seinem davongaloppierenden Konkurrenten und Nachbarn China mithalten. Die MIPIM bot in der vergangenen Woche eine gute Bühne für den Neustart.

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Innovationsschub durch Olympische Sommerspiele 2020
Die Götter gnädig zu stimmen, ist sicherlich keine schlechte Idee und für Japaner zudem Pflicht. Und so eröffnete der Japan Pavillon am 11. März mit der traditionellen „Kagami-biraki“-Sake-Zeremonie in Anwesenheit von Ishii Kisaburo, Vizeminister für Land, Infrastruktur, Verkehr und Fremdenverkehr, Rokushika Masaharu, Chef des Projektentwicklers Nihon Sekkei, Hatanaka Makoto, Direktor der Investmentgesellschaft Tokyo Tatemono, und MIPIM-Chef Paul Zilk. Übrigens ein Brauch aus dem 17. Jahrhundert, bevor die japanischen Shogun-Fürsten in den Kampf zogen.

Japan nutzte die Gelegenheit vor allem, um auf die MIPIM Japan hinzuweisen, die zum ersten Mal vom 20. bis 21. Mai 2015 in Tokio stattfinden wird. Auf 1.000 m² präsentieren sich im Prince Park Hotel namhafte Projektentwickler, Investoren und Architekten, darunter Mitsubishi Estate, Nippon Steel Kowa Real Estate, Seibu Properties, Cushman & Wakefield, Grosvenor sowie die OECD und die RICS. Vier Panels stehen mit 20 Vorträgen zur Auswahl, die sich mit den Themen Olympischen Sommerspiele 2020, Innovative Städte, Tourismus und Investments in Infrastruktur und Gebäude beschäftigen. Vorgestellt werden dabei auch einige der 13 Regionen, die von der Regierung auserkoren wurden, in den kommenden Jahren als Labor für die Öko- bzw. Smart City von Morgen zu fungieren, darunter Metropolen wie Kyoto (ca. 1,47 Millionen Einwohner) und Yokohama (ca. 3,7 Millionen Einwohner) oder Industriestädte wie Kitakyushu (ca. 976.000 Einwohner). Angekündigt haben sich auch Keynote-Speaker aus Europa, wie etwa der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der mit der Präsentation „Global events legacy: International cities share past experience & learnings“ über die Erfahrungen der britischen Metropole mit dem Großevent in 2012 berichten wird. Mit dabei ist außerdem Olle Zetterberg, Chef von Stockholm Business Region, der über die Attraktivität seiner Stadt für Geschäftsreisende erzählen und Beispiele geben wird.

Wie bereits 1964, so verspricht man sich auch dieses Mal von den Olympischen Sommerspielen wirtschaftliche Impulse und, dass sie dem Land einen Modernisierungskurs verabreichen.

Günstiges Klima für Transaktionen
Die Metropolregion Tokio versuchte ihre Reputation als attraktiver Finanzplatz zurückzugewinnen und lockte dazu mit Stadtentwicklungsprojekten, wie dem „Toranomon Hill“, ein fast 250 Meter hoher in 2014 fertiggestellter Gebäudekomplex mit über 200.000 m² im Geschäftsviertel Minato. Geplant von Nihon Sekkei und gebaut von Mori Building (realisierten u.a. Shangai World Finanical Center), war die Immobilie für den MIPIM Award 2015 in der Kategorie „Best Urban Regeneration Project“ nominiert, konnte sich gegen die Konkurrenz aus Frankreich (gewonnen hat „Boulevard Euromediterranée“ aus Marseille) letztlich nicht durchsetzen.

Zusammengenommen hinterlassen die Aktivitäten auf der MIPIM einen recht guten Eindruck. Mit Japan kann man in Zukunft also wieder rechnen. Deka nutzte die positive Grundstimmung bereits und veräußerte vor 14 Tagen zwei Bürogebäude in Tokio für insgesamt rund 103 Millionen Euro. Käufer der Liegenschaften ist ein japanischer REIT. Beide Objekte stammen aus dem Portfolio des Offenen Immobilien-Publikumsfonds „Deka-Immobilien-Europa“.

Notenbank kauft Immobilienaktien
Spannend ist zudem die Meldung, dass die japanische Notenbank seit Jahresbeginn gezielt Aktien von börsennotierten Real Estate Investment Trusts (REITs) kauft, wie das Manager Magazin just am letzten Tag der Messe berichtete. Verstärkt werde der Effekt noch dadurch, dass Japans Ministerpräsident Shinzo Abe die REIT-Quote für Pensionskassen angehoben habe. So können diese bis zu 25 % ihres verwalteten Vermögens in Immobilienaktien angelegen. Zusätzlich würden REITs dadurch attraktiv, dass sie ihre Gewinne nicht versteuern müssten, sondern zu 90 % an die Aktionäre ausschütten. Auf diese Weise kämen Investoren in den Genuss stetig fließender Geldmittel. Europäische Finanzexperten, wie Philippe Kaufmann, Leiter Global Real Estate Research der Credit Suisse in Zürich, erwarten denn auch einen dauerhaften Schub für diese Anlageform und Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ School in Bochum, schätzt, dass dadurch endlich die seit mehr als zwei Jahrzehnten anhaltende Deflation überwunden werden könnte.

Wer sich selbst vom Potenzial überzeugen will, der sollte sich am 20. und 21. Mai 2015 auf die Reise nach Tokio begeben.