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KPMG: „Kreditkrise lähmt M&A-Markt“

Das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen kann sich auch im ersten Halbjahr 2008 dem Abwärtstrend nicht widersetzen. „Die Kreditkrise lähmt den M&A-Markt. Die Auswirkungen auf die Finanzierungspraxis der Banken werden das gesamte M&A-Jahr 2008 weiter fest im Griff halten“, sagt Leif Zierz, Partner im Bereich Corporate Finance und Leiter M&A bei KPMG.

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Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2007 sank das weltweite Transaktionsvolumen um mehr als 13% (von 2.161 Mrd. USD auf derzeit 1.876 Mrd. USD). Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2007 verringerte sich das weltweite Transaktionsvolumen sogar um 30%, was die Folgen der Kreditkrise auf das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen verdeutlicht.

Entgegen den allgemeinen Erwartungen ging die korrespondierende Anzahl der Transaktionen im ersten Halbjahr 2008 jedoch nur um 3% zurück (von 19.784 Transaktionen auf 19.219 Transaktionen). Der durchschnittliche Transaktionswert verringerte sich in diesem Zeitraum von 109 Mio. USD auf derzeit 98 Mio. USD, was einem Rückgang von 11% entspricht. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Bereichs Corporate Finance von KPMG, die auf Daten des Marktforschungsinstitutes Dealogic beruht.

„Die Finanzierungspraxis der Banken hat sich seit Beginn der Kreditkrise deutlich verändert. Insbesondere ist zu beobachten, dass sich die Zahl der teilnehmenden Banken im Konsortium deutlich vergrößert hat, wodurch sich das individuelle Risiko reduziert. Das weniger aggressive Finanzierungsverhalten der Banken zeigt sich darüber hinaus in einem niedrigeren angebotenen Verschuldungsgrad (Leverage), einer deutlich selektiveren Transaktionsauswahl sowie einer erhöhten Berichts- und Informationspflicht (sog. Covenants).“, so Leif Zierz.

Auch wenn der Finanzierungsmarkt weiterhin unter den veränderten Rahmenbedingungen offen sei für neue Transaktionen, seien Private Equity-Gesellschaften nach wie vor angehalten, auf diese Entwicklung u.a. mit einer deutlich erhöhten Eigenkapitalquote zu reagieren. Zierz: „Derzeit finden wir im Markt Eigenkapitalquoten von 35% bis 40%, in Einzelfällen sogar darüber.“

Markteinbruch in Deutschland
In Deutschland brach das Volumen der angekündigten Transaktionen in den ersten sechs Monaten 2008 um fast 45% auf 50 Mrd. USD ein, die Anzahl der angekündigten Transaktionen ging um 10% zurück (von 717 Transaktionen auf 645 Transaktionen).

Einen starken Rückgang verzeichnete auch der durchschnittliche Transaktionswert, der um 48% von 126 Mio. USD auf 77 Mio. USD sank. In Europa belegt Deutschland damit hinter Großbritannien und Russland Platz 3 bei den Zielländern und verschlechtert sich damit um einen Rang. Leif Zierz: „Für die zweite Jahreshälfte 2008 sehen wir im Bereich des Mittelstandes jedoch auch weiterhin aufgrund des günstigen Bewertungsverhältnisses ein starkes Interesse ausländischer Investoren insbesondere aus Osteuropa und Asien an etablierten mittelständischen Unternehmen.“

Chemie und Energie weiterhin im Fokus
Bei der Branchen-Analyse der M&A-Aktivitäten in Europa wird deutlich, dass sich einige Sektoren gegen den Abwärtstrend entwickeln konnten. So verbuchte die Transportindustrie einen Anstieg des Transaktionsvolumens um 73% auf 34 Mrd. USD (zweites Halbjahr 2007: 20 Mrd. USD). Zu den größten Verlierern zählt hingegen beispielsweise der Finanzdienstleistungssektor. So reduzierte sich hier das angekündigte Transaktionsvolumen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2007 um 34% von 125 Mrd. USD auf 83 Mrd. USD. In der Immobilienwirtschaft ist ein Rückgang um 51% von 113 Mrd. USD auf 55 Mrd. USD festzustellen.

Die Chemieindustrie ist weiterhin durch gute Wachstumsaussichten geprägt. Insbesondere der Nahe Osten ist derzeit aufgrund der günstigen Rohstoffpreise durch ein hohes Investitionsaufkommen und damit durch die Schaffung von neuen Kapazitäten geprägt. Dies gilt insbesondere für Basischemikalien. Insgesamt bewegen sich die M&A-Aktivitäten europäischer Chemieunternehmen zwar weiterhin auf hohem Niveau, doch ist auch hier ein Abwärtstrend erkennbar. So verringerte sich das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2008 um 11% auf 132 Transaktionen (zweites Halbjahr 2007: 149 Transaktionen).

Die Öl- und Gasbranche verzeichnet einen Rückgang der Transaktionsanzahl um 14% auf insgesamt 158 Transaktionen. Bei den Versorgungs- und Energieunternehmen haben sich die Transaktionen um 28% auf 230 Transaktionen verringert. Die M&A-Aktivitäten in der europäischen Energiebranche waren im ersten Halbjahr 2008 maßgeblich von der Entflechtung und Privatisierung des russischen Staatskonzerns RAO UES geprägt; so wurde der Verkauf der Verteilersparte TGK-10 OAO an Fortum (5,1 Mrd. USD) und die Kraftwerkssparte OGK-1 OAO an ein Konsortium von Dubai World und Roskommunenergo OAO (ebenfalls 5,1 Mrd. USD) abgeschlossen. Leif Zierz: „Für das zweite Halbjahr 2008 ist im Einklang mit dem Gesamtmarkt jedoch auch in diesem Bereich mit einem Rückgang der Transaktionsanzahl und auch des Volumens zu rechnen. Inwieweit die Entscheidung des Europäischen Parlamentes zugunsten eines strikten Ownership Unbundling in eine Richtlinie umgesetzt wird und zu M&A-Aktivitäten der sog. nationalen Champions führt, ist derzeit noch nicht absehbar. Sollte Ownership Unbundling verbindlich werden, so wird dies in den nächsten Jahren Veräußerungen des Strom- und Gasnetzbetriebes durch bisher vertikal integrierte Energiekonzerne verursachen.“

Fazit und Ausblick
„Alle Indikatoren sprechen dafür, dass sich sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene das Transaktionsvolumen und die Anzahl der Transaktionen in den nächsten zwölf Monaten noch einmal deutlich reduzieren wird. Auch der noch zuletzt wachsende asiatische Markt wird sich dem Rückgang der M&A-Aktivitäten nicht entziehen können. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren für die zukünftige Entwicklung zählen die Entwicklung des Ölpreises, die Entwicklung der internationalen Volkswirtschaften sowie die Verfügbarkeit von Fremdkapital in naher Zukunft. In diesem Zusammenhang ist auch zu befürchten, dass sich die bilanzielle Konstitution der Unternehmen weiter verschlechtern wird und somit zum einen Unternehmenstransaktionen an Attraktivität verlieren und zum anderen sich der finanzielle Spielraum der Unternehmen verringert.“, so Leif Zierz.