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Investitionsbedarf in große Wohnsiedlungen ist dringend nötig

In den 1980er Jahren wollte Deutschland weg vom Plattenbau. Das war ein großer Fehler, meinen Experten. Denn nun fehlen neue bezahlbare Wohnungen und die bestehenden Wohnsiedlungen müssen dringend modernisiert werden. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) schätzt den finanziellen Aufwand bis zum Jahr 2030 allein für die Modernisierung auf 90 Milliarden Euro.

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Während zwischen den 1920er und 1980er Jahren Gemeinden und Kommunen viele mehrgeschossige Mietshäuser errichten ließen, war Ende der 1980er Jahre Schluss damit. Die Verantwortlichen der Stadtentwicklung entschieden sich gegen die Errichtung großer Mietshäuser und Plattenbauten, da sie soziale Konflikte scheinbar begünstigten.

Heute stellt sich diese Entscheidung als Fehler heraus, meint das Deutsche Institut für Urbanistik. Das Institut führte zusammen mit dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen eine Studie zu diesem Thema für die GdW durch. Dabei kamen die Gutachter zu dem Schluss, dass die Weiterentwicklung der Wohnsiedlungen zu den zentralen Aufgaben einer nachhaltigen Stadtentwicklung und der Bereitstellung von günstigem Wohnraum gehört. Es leben deutschlandweit circa acht Millionen Menschen in rund vier Millionen Wohnungen dieser Art. Wichtig wären die Modernisierung und die nachhaltige Weiterentwicklung der bestehenden Siedlungen. Dafür seien jedoch Investitionen in Höhe von etwa 90 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 nötig.

Vorteile der modernen Wohnsiedlungen
Die Vorteile einer Wohnsiedlung seien nicht von der Hand zu weisen, so GdW-Präsident Axel Gedaschko: „Die Siedlungen bieten bezahlbare Wohnverhältnisse für breite Schichten der Bevölkerung, eröffnen den Kommunen Spielräume für eine sozialverträgliche Belegungspolitik und erbringen wichtige Integrationsleistungen, die anderen Stadtquartieren indirekt zugutekommen“.
Doch nicht nur die zukünftigen Bewohner würden profitieren. Auch die Bauindustrie sieht diese Idee positiv. Es lohne sich, den seriellen Wohnungsbau aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, meint Marcus Becker, Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Das Wachstum der Ballungsräume und die hohe Nachfrage nach bezahlbaren, qualitativ hochwertigen Wohnungen rechtfertige das Errichten neuer Wohnsiedlungen. Die Bauindustrie verfüge über die notwendigen technischen Kompetenzen und freien Kapazitäten.

Eine weitere Chance ist die ästhetische Umwertung großer Wohnanlagen. Das bisher eher triste Erscheinungsbild verbessere sich. Dem Klimaschutz, dem Energiewandel und den demografischen Veränderungen würde Rechnung getragen. Dies ist beispielsweise mit der Installation von Dachbegrünungen, Erholungsflächen und einer energetischen Sanierung zu erreichen. Darüber hinaus bietet sich die Integration neuer Wohnformen und Betreuungskonzepte an. Auf diese Weise könnten auch ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen dauerhaft in den Wohnsiedlungen bleiben.

Dem Imageproblem der Siedlungen entgegenwirken
Trotz der vielen Vorteile ist das schlechte Image der Wohnsiedlungen und deren Stigmatisierung nach wie vor ein Problem. Grund hierfür ist laut GdW der oftmals „höhere Anteil von Haushalten mit Zugangsschwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt“. Dies führt dazu, dass die Siedlungen oftmals Austragungsorte sozialer Konflikte sind, auch wenn deren Ursachen woanders liegen. Deshalb brauchen die Siedlungen eine besondere soziale Aufmerksamkeit.

Entscheidend für die Aufwertung der großen Mietshäuser ist das abgestimmte Vorgehen von Stadt und Wohnungseigentümern, um Siedlungen zu attraktiven Gegenden zu machen. Das gilt für Investitionstätigkeiten genauso wie für die Beteiligung der Bewohner. Große Wohnsiedlungen müssten laut Studie einen bedeutsamen Stellenwert in der kommunalen Stadtentwicklungsplanung einnehmen, um einen Erfolg zu garantieren. Gleichzeitig ist eine enge Kooperation der Eigentümer der Wohnanlagen sowohl miteinander als auch mit der Stadt ein wesentlicher Bestandteil.

Große Wohnsiedlungen als Siedlungsform mit Potenzial
Mithilfe dieser Rahmenbedingungen sind große Wohnsiedlungen eine vielversprechende Wohnform. Sie bieten bezahlbare Wohnflächen für breite Bevölkerungsschichten, besonders in Ballungsräumen wie München. Zudem erbringen sie wichtige Integrationsleistungen und geben den Kommunen die Möglichkeit einer sozialverträglichen Belegungspolitik.

Allerdings ist der Spielraum für sozialverträgliche Mieterhöhungen eng. Damit sich die Bewohner weiterhin die Miete für ihre Wohnung leisten können, muss die Modernisierung der bestehenden Mietshäuser für Mieter und Vermieter wirtschaftlich vonstattengehen.