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Immobilienwirtschaft - Eine Branche fast ohne Daten

Die Immobilienwirtschaft in Deutschland ist zwar ein bedeutender Sektor für die Volkswirtschaft, die Datenlage zu immobilienwirtschaftlichen Themen war bislang jedoch eher schlecht. Das Statistische Bundesamt hat jetzt zum ersten Mal einen Gesamtüberblick über die deutsche Immobilienwirtschaft vorgelegt.

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Nach eigenen Schätzungen der Branche erwirtschaftet die Immobilienwirtschaft jährlich rund 300 Milliarden Euro. Das entspricht etwa acht Prozent des gesamten Bruttoproduktionswertes für Deutschland. Etwa 2,15 Millionen Erwerbstätige sind unmittelbar in der Immobilienwirtschaft beschäftigt. Aufgrund der engen Verflechtungen mit anderen Wirtschaftszweigen wird jedoch von einer wesentlich höheren Zahl an Arbeitsplätzen ausgegangen. Die Branche selbst geht davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland im Immobiliensektor tätig sind.

Unterschätzte Bedeutung
Das gesamte Immobilienvermögen in Deutschland liegt bei über sieben Billionen Euro. Aus dieser Zahl wird deutlich, dass die Bau- und Immobilienbranche bisher in Deutschland in ihrer Bedeutung unterschätzt wurde. Niveau und Entwicklung sowie Strukturveränderungen der Immobilienbestände werden von amtlichen Statistiken oft nicht vollständig und noch weniger mit ausreichendem Differenzierungsgrad nachgewiesen. Die bereits jahrelange Forderung der Branche an die Politik, fundierte statistische Zahlen über die gesamtwirtschaftliche Leitung der Immobilienwirtschaft und ihrer Beschäftigten regelmäßig zu erheben, war bislang wenig erfolgreich. Erst kürzlich hat das Statistische Bundesamt zum ersten Mal einen Gesamtüberblick über die deutsche Immobilienwirtschaft vorgelegt. Die aktuellsten Daten stammen dabei aus den Jahren 2003 und 2004.

Demnach beträgt die Wertschöpfung in den drei Teilbereichen – Grundstücks- und Wohnungswesen, Baugewerbe, Kreditgewerbe – insgeinsgesamt 388 Milliarden Euro. Das entspricht einem gesamten Anteil an der gesamten Wertschöpfung in Deutschland von 19,4 Prozent. Der Gesamtumsatz, der von den Unternehmen im Grundstücks- und Wohnungswesen 2004 erwirtschaftet wurde, betrug 94,5 Milliarden Euro. Im untersuchten Zeitraum waren zudem 3,43 Millionen Erwerbstätige beschäftigt.

Daten schaffen Planungssicherheit
Statistische Daten über den Bestand und die Bestandsentwicklung bei Gebäuden und Wohnungen sind unter anderem für wohnungswohnungspolitische Überlegungen und Planungen in der Bauwirtschaft von großer Bedeutung. Die benötigten Angaben über Qualität, Quantität und Struktur des Gebäude- und Wohnungsbestandes werden durch umfassende Gebäude- und Wohnungszählungen gewonnen, die in den neuen Ländern und Berlin-Ost 1995 und im früheren Bundesgebiet zuletzt 1987 durchgeführt wurden. Aufgrund der hohen Kosten, die bei solchen Totalzählungen entstehen, sind diese nur in größeren Zeitabständen möglich. Die nächste Gebäude- und Wohnungszählung soll voraussichtlich im Jahr 2011 durchgeführt werden. Bis dahin erfolgt die Fortschreibung des Bestandes mit Hilfe der Ergebnisse der Bautätigkeitsstatistik.

Ende 2005 gab es in Deutschland insgesamt 39,6 Millionen Wohnungen. Davon befanden sich 77,5 Prozent in Westdeutschland und 22,5 Prozent in Ostdeutschland. Seit 1987 ist damit ein Zuwachs des Wohnungsbestandes von insgesamt 19,3 Prozent zu verzeichnen – wobei im Westen der Anstieg 17,2 Prozent und im Osten 27,3 Prozent betrug.

Die Preise für Wohngebäude im Neubau steigen seit jahrelanger Stagnation wieder an. Zusätzlich zu der Betrachtung der Preisentwicklung von Neubauprojekten wird aktuell versucht, auch den Bestandsimmobiliensektor statistisch zu erfassen. Daneben sollen künftig auch die Nebenkosten des Immobilienerwerbs sowie die Ausgaben für Großreparaturen und Umbaumaßnahmen mit in den Häuserpreisindex einfließen.

Fehlende öffentliche Statistiken
Was Daten über die Entwicklung der Leerstände von Büroflächen oder der Mieten von Einzelhandelsimmobilien anbelangt, so gibt das Statistische Jahrbuch keine Auskunft. Ohne die Ermittlungen einzelner Maklerhäuser gäbe es in Deutschland keine aktuellen beziehungsweise gar keine Zahlen dazu.

In Ländern wie den USA, Großbritannien und den Niederlanden gibt es öffentliche Statistiken zu diesen Themen, die in Deutschland fehlen. In anderen Ländern werden beispielsweise alle Kauffälle bei verschiedenen Immobilienarten jedes Quartal veröffentlicht.

Fehlentscheidungen vermeiden
Es ist kein Wunder, wenn auf einer völlig unzureichenden Datenbasis in Deutschland immer wieder eklatante Fehlentscheidungen – etwa der Steuerpolitik – im Zusammenhang mit immobilienwirtschaftlichen Fragestellungen zu beklagen sind. Auch zur Zahl der Gewerbetreibenden in der Immobilienwirtschaft, zur gesamtwirtschaftlichen Leistung der immobiliennahen Dienstleistungen oder zu den jährlichen Steuereinnahmen, die durch Immobilientransaktionen generiert werden, sind kaum statistische Angaben vorhanden.