Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

   
    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Geringer Leerstand

Handelsimmobilienstandort Münster robust durch die Pandemie

Der Handelsstandort Münster hat die belastende Corona-Krise besser verkraftet als viele andere Städte. So lautet die Kernbotschaft des jetzt veröffentlichten Handelsimmobilienreports 2021 der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM). Die vorhandene Stärke lässt sich vor allem an einer Zahl festmachen: Die Leerstandsquote liegt bei nur knapp drei Prozent.

.

„In den für den Handel und die Gastronomie vergangenen anderthalb Jahren hat sich gezeigt, welche Bedeutung eine Strategie, Vielfalt, Qualität und Einzigartigkeit für die Stabilität einer Einkaufsdestination haben“, erklärt der WFM-Geschäftsführer Enno Fuchs. Münsters typisches Stadtbild in Verbindung mit den unverwechselbaren Handels- und Gastrokonzepten bilde einen soliden Gegenpol zur steigenden Online-Konkurrenz. Zusätzlich formen die demographischen und sozioökonomischen Eckdaten sowie starken Kaufkraft-Kennzahlen ein gutes Fundament für eine stabile Fortentwicklung.

Die WFM veröffentlicht den Handelsimmobilienreport Münster alle zwei Jahre in Kooperation mit den Handelsexperten von SQM Property Consulting. Trotz der belastenden Pandemie belegt die aktualisierte Publikation, wie SQM-Geschäftsführer Guido Müller betont, „dass Münster wegen der attraktiven Innenstadt mit großem Einzugsgebiet sowie mit der nicht vorhandenen Konkurrenz durch Einkaufscenter und Shoppingcenter immer noch in einer sehr guten Position ist.“ Die Einzelhandelskaufkraft beträgt 1,9 Mrd. Euro und damit 6.143 Euro pro Person. Der entsprechende Indexwert von 102,4 ist überdurchschnittlich hoch. Der Einzelhandelsumsatz erreicht 2,2 Mrd. Euro (6.975 Euro pro Einwohner). Die Zentralität des Oberzentrums liegt mit 134,4 auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Die Zahlen kommen von der GfK GeoMarketing GmbH.

„Diese Zahlen haben natürlich eine Signalwirkung auf Händler, Investoren und Immobilienakteure“, erklärt Müller das große Interesse am Standort Münster. Zum Beispiel sind beim Verkauf von innerstädtischen Großobjekten auch bundesweit und international tätige, vorrangig institutionelle Player stark an Investments interessiert. Unter anderem gingen in den vergangenen Jahren das Hanse Carré an die Bayerische Versorgungskammer [wir berichteten], die Münster Arkaden an die Aachener Grundvermögen [wir berichteten] und im Pandemie-Jahr 2021 die Karstadt-Immobilie an die LVM-Versicherung über [wir berichteten]. Mit dem Kauf unterstreicht die mit dem städtischen Wirtschaftspreis 2021 ausgezeichnete Organisation, dass sie den Handelsstandort Münster als zukunftsfähig und wertstabil bewertet.

Die WFM führt diese Beständigkeit auch auf das Engagement aller Branchenakteure zurück, die für die innerstädtische Weiterentwicklung an einem Strang ziehen. „Der stationäre Handel kämpft schon seit mehreren Jahren ziemlich stark mit steigenden E-Commerce-Anteilen, weshalb Händler, Eigentümer und auch die Stadt Münster mit klugen Konzepten, veränderten Mietpreismodellen oder einem teils neu definierten Genehmigungsmanagement reagieren sollten – idealerweise im Team“, sagt Münsters oberster Wirtschaftsförderer Fuchs. „Die Innenstädte werden in einigen Jahren anders aussehen als bisher. Es wird einfach strukturelle Veränderungen geben müssen, damit sich die Menschen in der City auch zukünftig wohlfühlen“, pflichtet der Handelsexperte Müller bei.

Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln haben den Handlungsdruck bei Handelsunternehmen nur noch einmal erhöht und verstärkende Wirkung gehabt. Bei einigen Filialisten zeigte sich eine Konsolidierung. So haben zum Beispiel die großen Textil-Anbieter H&M, Escada und Esprit Standorte aufgegeben, woraufhin die Flächen an der Ludgeristraße, am Prinzipalmarkt und an der Stubengasse mit attraktiven Konzepten nachvermietet werden konnten. Interessant: „Die Mieten haben im Zuge der Neuvermietungen teilweise nachgegeben – in Abhängigkeit von der Flächenstruktur, Größe und Standortqualität. In den A-Lagen kam es in den zurückliegenden zwei Jahren zu Reduzierungen um bis zu zirka 25 Prozent. In den 1b- bis C-Lagen blieben die Mieten stabil oder gaben weniger stark nach“, bestätigt Müller.

Aufgerufen werden in den Top-1a-Lagen Prinzipalmarkt zirka 90 bis 120 Euro/m², in der Ludgeristraße zirka 100 bis 120 Euro, auf der Rothenburg zirka 60 bis 90 Euro und in der Salzstraße zirka 75 bis 100 Euro. Die Mieten betragen in den 1a-Lagen Drubbel zirka 70 bis 90 Euro, im mittleren Abschnitt der Ludgeristraße zirka 70 bis 100 Euro und inmitten der Salzstraße zirka 65-75 Euro. In den 1b-Lagen, worunter zum Beispiel der südliche Teil der Ludgeristraße und der Salzstraße fallen, sind zirka 50 bis 70 Euro realisierbar. B-Lagen, unter anderem Verspoel, Aegidiistraße, Alter Steinweg, Hörsterstraße und Spiekerhof, sind preislich im Bereich von 20 bis 50 Euro anzusiedeln. Müller blickt voraus: „Ich gehe von einem stabilen Mitpreisniveau aus, da es für Objekte am Markt weitestgehend immer wieder Nutzer gibt. Indes könnte die Nachfrage durch die andersartige Struktur der Nutzer noch steigen: Nicht mehr ganz so stark filialisiert, regionaler unterwegs und auf die Nutzung kleinerer Flächen und weniger Geschosse bedacht.“

Wie werden die Mieten zukünftig im Zuge des Wandels gebildet?
Aus Müllers Sicht orientieren sich diese auch künftig an der Frequenz, jedoch nicht mehr so sehr am Umsatz eines Händlers oder Gastronomen. „Man hat zwar immer gesagt, dass Frequenz und Umsatz bei der Mietpreisbildung gleichberechtigt zu sehen sind. Das heißt: Wo die meiste Frequenz ist, wird auch der meiste Umsatz gemacht. Doch das kann man eben nicht mehr so sagen, weil Händler vielleicht nur noch einen Showroom anbieten, der umsatzunabhängig angemietet wird und den Besucher letztlich auf das Web-Angebot umlenkt.“ Umgekehrt belegen neue Konzepte aus der Online-Welt Verkaufsflächen in Top-Lagen, um sich ebenfalls im stationären Handel zu etablieren.“

Gleichzeitig setzen Institutionen und Handelsvertreter Projekte zur nachhaltigen Attraktivitätssteigerung durch einen gesteuerten Wandel um. So haben sich die Initiative starke Innenstadt (ISI), die Immobilien- und Standortgemeinschaft Bahnhofsviertel (ISG), der Handelsverband NRW, Münster Marketing, das Stadtplanungsamt und die Wirtschaftsförderung Münster zur Suche prägender Projekte für die Innenstadt und die Stadtteilzentren zusammengeschlossen. Aus dem Zentrenfonds stehen dafür Fördermittel in Höhe von 200.000 Euro für Betriebe und Einzelpersonen, private und öffentliche Institutionen, Vereine, Verbände oder städtische Einrichtungen zur Verfügung.