Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Hamburg: Ungebremster Preisanstieg bei Mietwohnungen

Wohnen in Hamburg wird immer teurer. Während die Quadratmeterpreise bei Büroimmobilien aufgrund der gebremsten Konjunktur derzeit stagnieren und es inzwischen wieder Spielraum für Verhandlungen gibt, ziehen die Mieten im frei finanzierten Wohnungsbau in fast allen Hamburger Lagen weiter an.

.

Das hat das Wohn-Vermietungsteam von Grossmann & Berger festgestellt. Auch die Forschungsgesellschaft empirica hat in ihrer jüngsten Erhebung eine Steigerung der Durchschnittsmieten im Geschosswohnungsbau von bis zu 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr ermittelt. Damit habe Hamburg bei der Untersuchung der deutschen Großstädte den größten Sprung im Ranking gemacht.

Ins Auge springt vor allem der ungebremste Anstieg in den Citylagen und im Luxussegment. So erreichen die Quadratmetermieten beispielsweise in der Hafencity mit in der Spitze bis zu 25 Euro netto kalt pro Quadratmeter ein Niveau, wie man es bis nur aus den gewerblichen Märkten kennt. Aber selbst wenn man auf die Penthouse-Wohnung mit „Blick“ verzichtet – auch „normale“ Mietwohnungen kosten in der Hafencity 16 bis 18 Euro pro Quadratmeter.

In Eppendorf, den Wohngegenden in der Nähe der Alster und an der (citynahen) Elbe haben sich Mieter an Preise deutlich über 10 Euro gewöhnt, in den bevorzugten Lagen an der Alster, wie Leinpfad, Rondeel, Feenteich, Bellevue und Alsterufer werden Mieten von 15 Euro verlangt und bezahlt. Bei herausregenden Objekten und Lagen erreicht der Quadratmeterpreis bis 25 Euro.

Für den 100 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Altbau zu einer Miete von 1150 Euro netto kalt in Eppendorf und Eimsbüttel kommen mittlerweile über 100 Anfragen, darunter seien rund 80 Interessenten mit bester Mieterbonität, weiß Joern Olaf Ridder, Leiter Wohnimmobilien und Zinshäuser bei Grossmann & Berger.

Aber auch in den wenig prestigeträchtigen Wohnlagen wird es teurer, wenn sie stadtnah liegen. Spürbar wird dies vor allem in den bisher als preiswert geltenden Altbaulagen von Altona, Bahrenfeld, Ottensen und im Schanzenviertel. Hier sind die Preise in den vergangenen Jahren explodiert. 10 Euro netto kalt werden inzwischen auch in diesen keineswegs feinen Gegenden verlangt, ein WG-Zimmer ist kaum noch unter 450 Euro zu bekommen.

Preiswerter ist es nur in den weniger beliebten Randlagen. In Stadtteilen wie Billstedt, Wilhelmsburg, Harburg, Lurup und Eidelstedt gibt es noch günstige freifinanzierte Wohnungen.

Zu einem Teil ist diese Entwicklung der aktuellen Lage geschuldet. Viele kaufkräftige Mieter, darunter auch gutverdienende Zuzügler, entscheiden sich erst einmal für eine Mietwohnung und warten ab, wie sich die konjunkturelle Entwicklung auswirkt. Angesichts der seit längerem zu beobachtenden restriktiven Kreditvergabe der Banken und der freien Fall der Aktienmärkte fehlt es vielen Kaufinteressenten derzeit auch an der nötigen Liquidität.

Langfristig liegt die Preissteigerung im Mietmarkt aber in der steigenden Flächennachfrage bei stagnierendem Angebot begründet. Über 40 Prozent der 800.000 Haushalte in Hamburg sind bereits Singlehaushalte, Tendenz steigend. Darüber hinaus steigen die Wohnungsgrößen von Jahr zu Jahr an, Ein- oder Zweizimmerwohnungen sind selbst bei Singles unbeliebt. Der Schwerpunkt der Nachfrage verlagert sich von familiengerechten Wohnungen auf altersgerechte, kleinere Einheiten. Dabei werden die Ansprüche an die Ausstattungsqualität steigen.

Basis für den Preisauftrieb bietet vor allem eine mit der geringen Bautätigkeit verbundene Wohnungsverknappung. Während die Bevölkerung seit 1999 langsam aber stetig ansteigt, weist der Wohnungsneubau seit 1998 ebenso kontinuierlich nach unten. Erst in den vergangenen beiden Jahren war konjunkturell bedingt ein leichter Anstieg feststellbar, eine Entwicklung, die derzeit wieder abzubrechen scheint. Zudem sind innerstädtische Grundstücke teuer und schwer zu bekommen.

Auch die gestiegenen Baukosten treiben die Preise, in der Hafencity herrscht zudem die Sondersituation, dass Spekulanten auf weitere Preissteigerungen setzen, was auch die Mieten treibt.

Die zu geringe Bautätigkeit betrifft neben Miet- auch Eigentumswohnungen sowie Ein- bis Zweifamilienhäuser. Der zusätzliche Baubedarf bis 2020 wird auf 30.000 Wohneinheiten geschätzt. Druck auf die Mieten geht auch von dem sich verstärkenden Trend zum innerstädtischen Wohnen aus. Steigende Benzinpreise, der Wegfall der Pendlerpauschale und der Eigenheimzulage haben den allgemeinen Trend „zurück in die Stadt“ verstärkt.