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Gute Noten für Deutschlands Großstädte

Die Unternehmen in Deutschlands zwanzig größten Städten bewerten die Rahmenbedingungen in ihrer Stadt überwiegend positiv. Am besten schneiden die Städte hinsichtlich ihrer Verkehrsanbindung und des kultu- rellen Angebots ab, die größte Kritik gibt es bezüglich der Betreuung und Unterstützung durch die Stadtverwaltungen und die regionale Politik. Durch- schnittlich sieben Prozent der Unternehmen überlegen derzeit, ihren Stan- dort zu verlagern. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Wirtschaftsprü- fungsgesellschaft Ernst & Young unter 2.000 Unternehmen in den zwanzig nach Einwohnern größten deutschen Städten.

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Aus Sicht der Unternehmen machen vor allem niedrige Kosten, ein ausrei- chendes Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und eine gute Verkehrsan- bindung und Infrastruktur einen guten Unternehmensstandort aus. Auch das Gehalts- und Lohnniveau sowie die Unterstützung durch die regionale Politik sind aus Sicht der Unternehmen überdurchschnittlich wichtige Standortfaktoren.

Im Durchschnitt geben drei von vier Unternehmen an, dass sie die Höhe der Steuern, Abgaben und Gebühren am Standort als angemessen empfinden. Den besten Wert erzielt Stuttgart, die geringste Zufriedenheit gibt es in Köln – doch auch in der Domstadt überwiegen insgesamt die positiven Bewertungen. Ähnlich gut schneiden die untersuchten Städte in punkto Immobilienkosten ab: Hier bekommt Hannover die besten Noten, die geringste Zufriedenheit ist in Duisburg zu verzeichnen.

„Zwar liegen die Immobilienpreise in vielen deutschen Städten über den Preisen in den EU-Beitrittsländern. Im Vergleich zu den westeuropäischen Industrienationen sind sie aber durchaus kon-kurrenzfähig. Dies zeigen auch Untersuchungen zu den Immobilienkosten in verschiedenen Ländern, bei denen die deutschen Städte durchweg im Mittelfeld liegen“, stellt Michael Janetschek, Partner bei Ernst & Young fest. „In keiner deutschen Stadt kann man zurzeit von deutlich überhöhten Immobilienpreisen spre- chen. Im Gegenteil: Auch in Städten mit eher hohen Quadratmeterpreisen sind die Kosten – wenn man internationale Standorte zum Vergleich heranzieht - absolut wettbewerbsfähig“.

Anders als beispielsweise in Großbritannien und Frankreich konzentriert sich in Deutschland die Wirtschaftskraft nicht auf einige wenige Zentren mit entsprechend hohen Kosten. „Deutschland bietet – auch ausländischen Unternehmen – den entscheidenden Vorteil, dass sie wählen können zwischen zahlreichen attraktiven und hervorragend angebundenen Stand- orten. Der Wettbewerb zwischen den Regionen ist in Deutschland deutlich intensiver als in vielen Nachbarländern“, betont Janetschek.

Die Umfrage zeigt auch: Die meisten Unternehmen fühlen sich an ihrem Standort, in ihrer Stadt wohl. „Es gibt keine Verlierer. Und es ist keineswegs so, dass die überdurchschnittlich wirtschaftsstarken Städte wie Frankfurt, München oder Hamburg eine besonders große Zufriedenheit der örtlichen Unternehmen aufweisen“, kommentiert Janetschek die Befragungsergeb- nisse. „Im Gegenteil: Die Städte haben die Chance, durch eine intensivere und persönlichere Betreuung ihrer Unternehmen eine womöglich geringere wirtschaftliche Dynamik auszugleichen.“

Unternehmerfreundliche Großstädte
Besonders gute Noten bekommt die Kölner Stadtverwaltung für die Betreu- ung der Unternehmen vor Ort: 97 Prozent der Unternehmen benoten die Arbeit der Stadtverwaltung positiv. An zweiter Stelle folgt Essen (81 Prozent). Im Durchschnitt geben 70 Prozent der Unternehmen „ihrer“ Stadtverwaltung gute Noten.

Auch das Engagement der regionalen Politik für die Unternehmen wird im Durchschnitt überwiegend positiv bewertet: 67 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden oder eher zufrieden mit der Unterstützung der Unternehmen durch die regionale Politik. Am besten schneiden bei diesem Punkt Essen, Dortmund und Stuttgart ab.

Sowohl für die Stadtverwaltungen als auch für die regionale Politik gibt es zwar überwiegend gute Noten, allerdings schneiden die untersuchten Städte im Durchschnitt bei allen anderen Standortfaktoren besser ab. „Bei der Unterstützung für die ortsansässigen Unternehmen gibt es in vielen Städten durchaus noch Nachholbedarf“, kommentiert Janetschek. „Generell legen die Städte Wert darauf, ein attraktives Unternehmens-Branchenclus- ter am Ort zu haben“. Es müsse aber nicht nur darum gehen, neue Unter- nehmen anzuwerben, sondern auch darum, den Unternehmen am Ort optimale Rahmenbedingungen zu bieten. „Die Städte sollten sich nicht nur mit Neuakquisitionen von Investoren beschäftigen, sondern ein besonderes Augenmerk auf die Bestandspflege und damit den Verbleib der bereits ansässigen Unternehmen legen“, mahnt Janetschek.

Standortverlagerung bei sieben Prozent der Unternehmen ein Thema
In jedem vierzehnten Unternehmen wird derzeit über eine Standortverla- gerung nachgedacht. „Dabei geht es meist nicht um eine Verlagerung ins Ausland, sondern meist eher ins zumeist nahe Umland“, stellt Janetschek fest. Oft bieten die bisherigen Standorte nicht genug Platz für die geplante Expansion. Auch niedrigere Standortkosten wie die Gewerbesteuern können ein Auslöser für solche Überlegungen sein.

Besonders niedrig ist der Anteil der Unternehmen, die über eine Standort- verlagerung nachdenken, in Stuttgart (ein Prozent), Essen und Köln (jeweils drei Prozent), wohingegen in Hamburg (elf Prozent), Dresden, Duisburg, Frankfurt, München, Hannover und Nürnberg (jeweils zehn Prozent) beson- ders viele Unternehmen derartige Überlegungen anstellen.