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Griechenland-Krise

Griechischer Irrsinn bewahrt vorerst die Eurozone vor ökonomischem Selbstmord

„Der griechische Irrsinn bewahrt vorerst die Eurozone vor dem ökonomischem Selbstmord“, so kommentiert Thomas Böckelmann, Investmentchef der Euroswitch, die Situation in Europa in seinem Monatsbericht. Mit Kopfschütteln blicke die Welt auf ein Europa, das auch im Jahr 7 nach Ausbruch der Finanzkrise keine überzeugenden Antworten auf die Herausforderungen von staatlicher Überschuldung, Regelbrüchen und Wertedebatten gefunden habe.

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Die der griechischen Regierung am Samstag präsentierten Vorschläge bedeuteten den bislang schwersten Bruch mit ökonomischer Vernunft und dem Regelwerk der Eurozone, schreibt der Investmentexperte weiter. Man müsse der griechischen Regierung eigentlich dankbar sein, dass sie auch das neu vorgeschlagene Rettungspaket ohne Reformzwang des Rentensystems und des Arbeitsmarktes abgelehnt habe.

Es sei nicht auszudenken, wenn dieses jüngste Nachgeben gegenüber Schuldnern weiter Schule mache. So wurde Griechenland ein 35 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm versprochen, während Länder wie Spanien und Portugal bei höherer Arbeitslosigkeit schmerzhafte Reformen durchführten und bislang kein Geld sähen. Welche Konsequenzen diese jüngsten Entwicklungen auf die kommenden Wahlen in Spanien haben werden, bleibe unabschätzbar.

Vorerst sei der Blick weiter auf Athen und auf eine Volksabstimmung gerichtet, deren Wert für das weitere griechische Schicksal limitiert scheine und aktuell ständigen Anpassungen unterliege. Griechenland sei seit vorgestern 24:00 Uhr endgültig insolvent und bedürfe milliardenschwerer humanitärer Hilfe durch die Staatengemeinschaft – unabhängig vom Mitgliedsstatus.

Aufgrund dieser Tatsache eine Systemdebatte über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Europas führen zu wollen erscheine aus Böckelmanns Sicht mehr als fahrlässig. „Hoffentlich begreifen die verantwortlichen Politiker in den anderen Eurostaaten die jetzige Situation als einmalige Chance, wieder näher zusammenzurücken, den Schulterschluss zu üben, um mit einem gestärkten Regelwerk aus der Katastrophe hervorzugehen“, hofft Böckelmann. Schließlich gelte es zu erwartende Spekulationen gegen südliche Peripherieländer erfolgreich abzuwehren. Eine Eurozone ohne Griechenland sei kein Weltuntergang oder der Untergang der europäischen Vision, sondern lediglich eine zwangsweise Anpassung an die wirtschaftliche und kulturelle Realität.

Wegen des griechischen „Lärms“ nahezu unbemerkt hätten Italien und Frankreich Reformpakete eingeleitet, die in Teilen der „Agenda 2010“ eines Deutschlands unter Gerhard Schröder vergleichbar seien. Insgesamt helle sich die Stimmungslage in Europa weiter auf und die dauerhaften Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) würden bereits ihre positive Wirkung entfalten. Die größte Bedrohung für die Fortsetzung jüngster Erfolge blieben die politischen Querelen sowie eine unerwartete Abschwächung der Weltwirtschaft.