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Land und Stadt Stuttgart einig

Gemeinderat beschließt Kooperationsvertrag für Hotel Silber

Dem Kooperationsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart zum „Hotel Silber“ – der ehemaligen Gestapo-Zentrale in der Dorotheenstraße 10 – hat der Gemeinderat am 2. Juli einstimmig zugestimmt. Damit ist die Grundlage für Umbau und Betrieb des künftigen Lern- und Gedenkorts geschaffen und die Kostenaufteilung zwischen den beiden Partnern geregelt.

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Für Vorbereitung, Ausstellungsplanung und -einrichtung stellen Stadt und Land jeweils 1,5 Millionen Euro bereit. Den laufenden Betrieb bezuschussen sie jährlich mit je 250.000, Gebäudebewirtschaftung und Verbrauch mit jeweils 30 000 Euro. Außerdem übernimmt das Land 5000 Euro Miete für das Büro der dort untergebrachten „Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.“, die Stadt dafür den gleichen Betrag als Unterstützung für deren Veranstaltungen. Eine Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ist in der Gremienstruktur der Einrichtung verankert.

Die notwendigen Umbaumaßnahmen am Gebäude trägt das Land, ebenso wie die Miete für den Erinnerungsort mit knapp 1.000 m² Nettogrundfläche. Die Institution wird künftig als Außenstelle des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg betrieben und untersteht dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

„Ohne bürgerschaftliches Engagement hätte es dieses Projekt nicht gegeben. Denn die ,Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.‘ hatte sich erfolgreich gegen den Abriss gewandt. Die Landesregierung hat den Erhalt des Hotel Silber festgeschrieben. Der Erinnerungsort wird ein Ort des historisch-politischen Lernens und der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte sein. Das Land steht zu diesem Ort – deshalb übernimmt es die Trägerschaft und zusätzlich den großen Kostenanteil für Miete und Investitionen“, so Peter Hofelich, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft.

Erinnerungsort soll 2017 öffnen
Das Hotel Silber wird als Außenstelle des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg betrieben, es untersteht dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der Vorstand des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg leitet das Haus und trägt die Gesamtverantwortung für die Einrichtung, den Ausstellungsbetrieb und weitere Veranstaltungen. Die konzeptionelle Ausrichtung und das Programm des Hotel Silber wird vom Programmbeirat erarbeitet und vom Verwaltungsrat beschlossen. In beiden Gremien sind Land, Stadt und Initiative vertreten.

„Von den 20er bis zu den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, von dem Scheitern einer Demokratie, dem Terror einer Diktatur und dem langsamen Abbau von Diskriminierung und Ausgrenzung in der Bundesrepublik. All dies findet sich in dem bundesweit einmaligen Projekt Hotel Silber“, so Dr. Thomas Schnabel, Direktor des Hauses der Geschichte.

Die „Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V.“ hatte den Abriss des Gebäudes verhindert und erreicht, dass die Landesregierung den Erhalt des Gebäudes festgeschrieben und die Einrichtung eines Erinnerungsortes ermöglicht hat. Harald Stingele von der Initiative sagte: „Es ist uns gelungen, das Hotel Silber als Ort der Erinnerungsarbeit zu erhalten. Jetzt freuen wir uns darauf, unser vielfältiges Potenzial in die historisch-politische Bildungsarbeit einzubringen. Wir werden als Initiative dazu beitragen, dass sich die neue Einrichtung gut mit der Stadtgesellschaft vernetzt und ein lebendiger Ort der Austausches und der Diskussion entsteht – auch über aktuelle Fragen.“ Ein Novum sei das Zusammenwirken von Hauptamtlichen mit bürgerschaftlich Engagierten bei der Ausgestaltung und dem Betrieb eines Ortes der Erinnerung und historisch-politischer Bildung. „Dies wird für alle Beteiligten ein herausfordernder Lernprozess“, so Stingele.

Historischer Hintergrund
Das Hotel Silber ist ein überregional und lokal bedeutsamer historischer Ort, ein Ort des staatlich und bürokratisch organisierten NS-Terrors. Von dort aus wurde in Württemberg und Hohenzollern die Überwachung der Gesellschaft, die Verfolgung politischer Gegnerinnen und Gegner und diskriminierter Minderheiten, die Unterdrückung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie die Deportation der Jüdinnen und Juden organisiert und gesteuert. Das Hotel Silber galt und gilt aus diesem Grund noch immer als Inbegriff des NS-Unrechtsregimes. Als ehemaliger Dienstsitz der Polizei auch vor 1933 steht es für das nahezu reibungslose Hinübergleiten der Weimarer Republik in die NS-Diktatur. Als Dienstsitz der Polizei nach 1945 steht es darüber hinaus für einige personelle und funktionale Kontinuitäten sowie für die fortgeführte Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten wie der Homosexuellen, der Sinti und Roma und der sogenannten „Asozialen“.

Die Geschichte der Polizei im Hotel Silber zeigt aber auch die Entfaltung demokratischer und pluralistischer Prinzipien nach 1945. An der Nachkriegsgeschichte des Hotel Silber als Gebäude lässt sich überdies seismografisch der Wandel in der Auseinandersetzung der bundesrepublikanischen Gesellschaft und ihrer Institutionen mit dem nationalsozialistischen Erbe erkennen.

Die geplante Einrichtung im Hotel Silber soll eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Geschichte ermöglichen. Sie ist als Ort des historisch-politischen Lernens konzipiert. Aus dem Lernen über die Vergangenheit sollen die Besucher Handlungsperspektiven für die Gegenwart und die Zukunft gewinnen können. Zentral ist dabei die Vermittlung demokratischer Werte und Regeln, der Grund- und Menschenrechte sowie der Prinzipien des Rechtsstaats.

Es soll auch gezeigt werden, wie wichtig es ist, dass alle Formen der Ausgrenzung, Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Abstammung, Herkunft, politischer oder religiöser Anschauung, sexueller Orientierung oder gesundheitlicher Verfassung als solche erkannt werden und ihnen couragiert entgegen gearbeitet wird. Es gilt auch, die Bedingungen und Auswirkungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufzuzeigen. Das Hotel Silber ist damit nicht zuletzt ein Ort der Begegnung und der Beschäftigung mit aktuellen, an den historischen Gegenstand anknüpfenden Themen und Fragestellungen.