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Frage der Woche

Zu den Leistungen, die Kreditinstitute im bundesdeutschen System der Universalbanken anbieten, gehören nach § 1 KWG u. a. die Annahme von Einlagen, Gewährung von Krediten, Erledigung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, Kauf, Verkauf, Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren, Devisenhandel und Übernahme von Bürgschaften. Dabei nimmt das Vertrauen im Kreditgeschäft eine Schlüsselrolle ein. Dies zeigt sich bereits im Wort „Kredit“, welches sich aus dem lateinischen „credere“ ableitet und glauben sowie anvertrauen bedeutet. Dieses Vertrauen wird durch konstantes Erfüllen der eingegangenen Verbindlichkeiten aufgebaut. Man benötigt somit Regeln, die diese Konstanz sicherstellen.

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Im weltweiten Kapitalverkehr besteht bei einer Bankenkrise die Gefahr von Kettenreaktionen, so dass Vertrauensverluste und Zahlungsschwierigkeiten quasi von einem Kreditinstitut zum anderen exportiert werden können. Im Jahr 1974 wurde von den G–10 Staaten, der Schweiz und Luxemburg der „Basler Ausschuss für Bankenaufsicht“ mit Sitz an der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel gegründet. Vorausgegangen war eine internationale Bankenkrise, die durch den Zusammenbruch des Bankhauses I.D. Herstatt KGaA ausgelöst wurde. Der Basler Ausschuss hat zum Ziel den Bankenaufsichtsprozess zu verbessern. Dies geschieht durch Empfehlungen wichtiger Regelungen, die jedoch nicht rechtsverbindlich sind, sondern anschließend in nationales Recht umgesetzt werden. Die Mitgliedstaaten werden durch ihre Zentralbank (Deutsche Bundesbank) und die Bankenaufsichtsbehörden (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin)) vertreten.

Basel I („Internationale Konvergenz der Eigenkapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen“)
Der erste Basler Akkord (Basel I), der sich direkt an international tätige Banken richtet, wird heute in mehr als 100 Staaten angewendet. Basel I wurde 1988 veröffentlicht und trat 1992 in Kraft. Er regelt wesentlich die Komponenten des Eigenkapitals und der Risikogewichtung. Es wurde festgelegt, dass die Risikoaktiva einer Bank mit einem Mindestanteil an haftendem Eigenkapital von 8 % finanziert werden. Die Höhe des Eigenkapitals ist von Bedeutung, da es der Bank hilft, Forderungsausfälle abzufangen. Abgeschriebene Forderungen können bei einer zu geringen Eigenkapitalquote zu einem negativen Kapitalkonto führen, d.h. einem negativen Eigenkapitalausweis auf der Aktivseite der Bilanz. Eine solche Unterbilanz kann bei einer Kapitalgesellschaft einen Insolvenzgrund darstellen. Hierbei ist zu beachten, dass es sich nur um eine formelle Überschuldung handelt, die jedoch nicht zu einer insolvenzrechtlichen Überschuldung führt, wenn der Eigenkapitalfehlbetrag durch stille Rücklagen gedeckt werden kann. Dies verdeutlicht, dass die Eigenkapitalquote der Bank einen Stabilitätsindikator bildet. Im bundesdeutschen Recht spiegelt sich Basel I im Kreditwesengesetz und im Solvabilitätsgrundsatz (Grundsatz I) wider, in denen die Bankenrichtlinie (2000/12/EG) und die Kapitaladäquanzrichtlinie (93/6/EWG) in nationales Recht umgesetzt wurden. Im Rahmen des Solvabilitätsgrundsatzes wird das Risikoaktiva in Bonitätsklassen (100%, 70%, 50%, 20%, 10% und 0%) eingeteilt. Dies bedeutet, dass u. U. nur ein Teil eines ausgegebenen Kredits von der Bank mit Eigenkapital zu unterlegen ist. Realkredite, die durch Grundpfandrechte auf Wohneigentum, das von dem Kreditnehmer gegenwärtig oder künftig selbst genutzt oder vermietet wird, gesichert sind, werden bspw. nur mit 50% als Risikoaktiva bewertet, bezogen auf den Nominalbetrag ergibt sich eine Eigenkapitalunterlegung von 4%.

Basel II („Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung“)
Da das standardisierte Risikobewertungsverfahren nach Basel I die Risiken der Unternehmen nur grob abbildet und oft nicht die tatsächlichen wirtschaftlichen Risiken widerspiegelt, wurde 1999 das erste Konsultationspapier für einen neuen Banken Akkord veröffentlicht. Basel II soll Ende 2006 in Kraft treten. Die Grundstruktur von Basel II auf den Grundlagen von Basel I aufbauend, wird mit dem Ziel die Stabilität des nationalen und internationalen Bankensystems zu sichern, die Risikobewertung individualisiert und durch zwei neue Bereiche ergänzt. Basel II wird somit aus drei Säulen bestehen, von denen die Mindesteigenkapitalunterlegung die Schlüsselrolle einnimmt und von der zweiten und dritten Säule unterstützt wird.

1. Die erste Säule - Mindesteigenkapitalanforderungen
Bei Basel II bleibt es bei der grundsätzlichen Mindesteigenkapitalunterlegung der Risikoaktiva mit 8 % (Solvabilitätskoeffizient). Die zentrale Bedeutung nimmt weniger die EK- Quote von 8 % ein, welche als Normgröße vorgegeben ist, sondern die Ermittlung der Risikoaktiva, nach dessen jeweiliger Höhe sich das notwenige Eigenkapital ergibt. Nach Basel II ergibt sich die Eigenkapitalquote nach folgender Berechnung:

Nach dem aufsichtlichen Mindesteigenkapital umgestellt, ergibt sich folgender Zusammenhang:
Während im Rahmen von Basel I jedoch lediglich das Kreditrisiko und das Marktrisiko für die Eigenkapitalunterlegung herangezogen werden, wird nach Basel II auch das operationelle Risiko bewertet werden. Das Kreditrisiko beschreibt das Risiko eines Kreditausfalls und bezieht sich direkt auf das Verhältnis zwischen Kreditnehmer und der kreditgewährenden Bank. Das operationelle Risiko beschreibt die Gefahr von Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder infolge externer Ereignisse eintreten. Die Berücksichtigung des operationellen Risikos soll den Aufbau des Risikomanagements bei den Banken forcieren, um bspw. Verluste aus Computerfehlern und Betrug zu minimieren. Das Marktrisiko berücksichtigt Risiken, welche aus Veränderungen des Kreditmarktes resultieren. Die Berücksichtigung des Marktrisikos erfolgt durch Basel II unverändert. Da für die Beziehung zwischen dem Kreditnehmer und dem Kreditgeber nur das Kreditrisiko eine unmittelbare Auswirkung hat, werden Markt- und operationelle Risiken im Folgenden nicht weiter dargestellt. Das Kreditrisiko wird im Folgenden separat dargestellt.

Die Kreditrisikomessung erfolgt nach Basel II stark bonitätsorientiert, dies stellt einen deutlichen Unterschied zu den bisherigen Verfahren dar, bei welchem die Bonität des Kreditnehmers unzureichend berücksichtigt wurde. Die Bonitätsbeurteilung erfolgt durch ein Rating. Es wird folgende Normierung getroffen:

Ein Rating ist die Beurteilung der zukünftigen Fähigkeit eines Unternehmens, Staates, Landes, Gebietskörperschaft, Bank und Emittenten zur pünktlichen und vollständigen Bedienung seiner Zahlungsverpflichtungen.

Anfangs waren nur externe Ratings im Rahmen des modifizierten Standardansatzes vorgesehen. Dies hätte zu einer starken Benachteiligung des Bankensektors Kontinentaleuropas geführt, da hier im Gegensatz zu den USA bisher kaum externe Ratings durchgeführt werden. Basel II gibt nun die Möglichkeit bankinterne Ratings durchzuführen.

Der modifizierte Standardansatz
Im modifizierten Standardansatz erfolgt die Einschätzung über externe Ratingagenturen, die von der nationalen Aufsichtsbehörde anerkannt worden sind. Voraussetzung zur Anerkennung ist die Erfüllung der folgenden Kriterien: Objektivität in Methodik und Vergabe der Bonitätsbeurteilungen Unabhängigkeit von politischem oder wirtschaftlichem Druck Internationaler Zugang der Ratings und Transparenz der Vorgehensweise Veröffentlichung von entscheidenden Informationen, Methoden, Definitionen Ressourcen zur Durchführung qualitativ hochwertige Bonitätsbeurteilungen

Glaubwürdigkeit in ihrem Urteil
Im externen Rating wird die Bonität des Schuldners sowohl nach quantitativen, wie auch nach qualitativen Faktoren eingeschätzt und in Risikoklassen eingeteilt. Entsprechend dieser Risikoklassen erfolgt die Zuweisung der jeweiligen Mindesteigenkapitalunterlegung. Dabei werden 13 unterschiedliche Forderungsarten unterteilt, für die sich die Eigenkapitalunterlegung jeweils im Wege der Zuordnung durch die Ratingagentur ergibt. Beispiel: Kredite an Unternehmen Die jeweilige Risikogewichtung und somit die notwendige Eigenkapitalunterlegung ergibt sich in folgendem Verhältnis aus dem Rating.

Bei externen Ratingverfahren wird ein Ratingsymbol vergeben, welches das Risiko beschreibt. Mit abnehmendem Grad der Symbolik ist eine höhere Kreditausfallrate verbunden (Grafik).

Der bankinterne Ratingansatz
Im bankinternen Ratingansatz werden mittels einer Risikogewichtungsfunktion, welche die Risikokomponenten (erwartete Höhe der Forderung bei Ausfall des Kredits (EAD), Ausfallwahrscheinlichkeit (PD), Verlust bei Ausfall (LGD) und ggf. die effektive Restlaufzeit (M)) in Beziehung setzt, das gewichtete Risikoaktiva berechnet. Die Risikokomponenten können von den Banken geschätzt werden, einige werden jedoch aufsichtlich vorgegeben. Dabei werden Minimumstandards festgelegt, die zur Anwendung des IRB Ansatzes je Forderungsklasse von einer Bank erfüllt werden müssen. Im IRB ist von der Bank die Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) für einen Prognosezeitraum von einem Jahr zu schätzen. Die Forderungen der Banken werden in Klassen eingeteilt, die teilweise wiederum in Unterklassen gegliedert werden. Die Ermittlungsmethoden der einzelnen Risikokomponenten können sich zwischen den Forderungsklassen unterscheiden.

Der interne Basisansatz (Foundation Approach)
Im Foundation Approach ist die Ausfallwahrscheinlichkeit durch das Institut zu schätzen und wird mittels eines internen Bonitätsratings ermittelt, während die übrigen Risikokomponenten aufsichtlich vorgegeben werden. Die Laufzeitkomponente (M) ist auf 2,5 Jahre gesetzt worden.
Der interne fortgeschrittene Ansatz (Advanced Approach). Im Advanced Approach sind durch das Institut sämtliche Risikokomponenten zu schätzen. Die Laufzeitkomponente (M) wird, von der Basis 2,5 Jahre ausgehend im Zeitintervall 1 bis 5 Jahre, individuell von der Bank ermittelt.

2. Die zweite Säule – Aufsichtliches Prüfungsverfahren
Das bankenaufsichtliche Prüfungsverfahren soll sicherstellen, dass die Banken über eine risikoadäquate Größe an haftendem Eigenkapital verfügen. Dies erfordert eine verstärkte Kommunikation zwischen den Banken und den Aufsichtsorganen. Von den Banken wird gefordert, dass diese Risikomanagementsysteme implementieren, die geeignet sind Risiken quantitativ und qualitativ einzuschätzen, sowie die Fähigkeit passende Steuerungsinstrumente rechtzeitig einzusetzen. Kommen die Aufsichtsorgane zum Ergebnis, dass entweder zu wenig Eigenkapital vorhanden oder das Risikomanagement unzureichend ist, können diese eine Erhöhung des Eigenkapitals auch über den Solvabilitätskoeffizienten hinaus verlangen.

3. Die dritte Säule – Marktdisziplin
Die dritte Säule soll den aufsichtlichen Prüfungsprozess (Säule 2) bei der Kontrolle der Einhaltung der Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule 1) und des Risikomanagementprozesses unterstützen. Die Marktsdisziplin soll durch die Einführung mehrerer Veröffentlichungspflichten mit dem Ziel verstärkt werden, den anderen Marktteilnehmern zu ermöglichen, das eingegangene Risiko einer Bank in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Dabei wird unterstellt, dass gut informierte Marktteilnehmer eine risikobewusste Bank einem risikoreich geführten Institut vorziehen werden, sodass in der Folge der Markt das Institut diszipliniert. Die Offenlegungspflicht umfasst die beiden Hauptzweige Eigenkapital und Risiken, die durch Darlegungen über den Anwendungsbereich ergänzt werden. Die Offenlegung des Eigenkapitals betrifft sowohl die Eigenkapitalstruktur, wie auch die Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung. Im Rahmen der Risikooffenlegung sind die Risikogruppen (Kreditrisiko, Marktrisiko, operationelles Risiko und Zinsänderungsrisiko) und die Kreditrisikominderungstechniken darzulegen. Da eine Reihe von Verfahren und Festlegungen bankintern geregelt werden können, hat nicht nur die Offenlegung von quantitativen Daten, sondern auch von qualitativen Angaben zu erfolgen.