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Gewinnsprung trotz hoher Risikovorsorge

Finanzvorstand Marc Heß verläßt Aareal Bank

CFO Marc Heß wird seinen Vertrag zum Ende des Jahres nicht verlängern. Die Entscheidung ist laut Mitteilung „einvernehmlich“ gefallen. Parallel zum überraschenden Personalwechsel im Finanzressort kann die Aareal Bank für das erste Quartal trotz hoher Risikovorsorge einen Gewinnsprung vermelden.

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Die Übernahme durch die Finanzinvestoren Advent, Centerbridge und CPPIB bringt eine weiteren Personalwechsel mit sich: Der Aufsichtsrat und der Finanzvorstand Marc Heß haben vereinbart, dass der Kapitalmarktexperte zum Ende der Vertragslaufzeit aus der Aareal Bank ausscheidet. Über seine Nachfolge soll zeitnah entschieden werden. Bis zu diesem Zeitpunkt werde er seine Aufgaben vollumfänglich weiterführen und somit einen geordneten Übergang sicherstellen, so der Immobilienfinanzierer. Er verantwortet die Bereiche Treasury, Finance und Investor Relations.

Im April hatte der Immobilienfinanzierer schon bekannt gegeben, das Vorstandschef Jochen Klösges nach Vollzug der Übernahme das Unternehmen „einvernehmlich“ verlassen und der Chefposten an den LBBW-Kapitalmarktvorstand Christian Ricken gehen wird [wir berichteten].

Neben der überraschenden Personalie gab der Immobilienfinanzierer auch die Zahlen für das erste Quartal bekannt. Demnach verzeichnet die Aareal Bank einen Gewinnsprung. Die Bank steigerte das Betriebsergebnis um 66 Prozent auf 103 Millionen Euro (Q1 2023: 62 Mio. Euro), das höchste Niveau seit 2018. Auf die Bank entfielen rund 92 Mio. Eur des Betriebsergebnisses. Gestiegene Erträge und geringere Kosten kompensierten dabei die weiterhin erhöhte Risikovorsorge deutlich, die mit 83 Mio. Euro im Rahmen der Gesamtjahresplanung lag. Die Aareal Bank konnte im ersten Quartal über 500 Mio. Euro an leistungsgestörten Krediten (NPLs) wie angekündigt abbauen. Auch die Softwaretochter Aareon entwickelte sich positiv: Die Umsatzerlöse stiegen um 31 Prozent, der Adjusted EBITDA um 115 Prozent. Darüber hinaus setzte die Aareon auch ihre M&A-Aktivitäten mit weiteren Zukäufen erfolgreich fort.

„Im ersten Quartal waren die Kapitalmärkte von hoher Volatilität geprägt. Aufgrund unseres sehr erfolgreich ausgebauten Funding-Mixes war in diesem Marktumfeld nur ein geringes Kapitalmarkt-Funding nötig. Die Einlagen von Privatanlegern sind inzwischen fester Bestandteil unserer Refinanzierung, diese wollen wir künftig noch weiter diversifizieren. Auch unsere Liquiditätskennziffern liegen weiterhin auf einem sehr guten Niveau.„, erklärt Finanzvorstand Marc Heß.

Der Zinsüberschuss erhöhte sich im ersten Quartal um 14 Prozent auf 254 Mio. Euro (Q1 2023: 222 Mio. Euro). Hier wirkten sich zum einen das gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegene Portfoliovolumen und die guten Margen des Neugeschäfts der vergangenen Quartale positiv aus. Zum anderen profitierte das Einlagengeschäft weiterhin vom normalisierten Zinsniveau.

Auch der Provisionsüberschuss stieg weiter an. Er erhöhte sich um 19 Prozent auf 86 Mio. Euro (Q1 2023: 72 Mio. Euro). Ausschlaggebend dafür war insbesondere das starke Umsatzwachstum der Aareon.

Die Risikovorsorge entwickelte sich erwartungsgemäß und lag mit 83 Mio. Euro im ersten Quartal weiterhin auf einem erhöhten Niveau (Q1 2023: 32 Mio. Euro). Darin enthalten ist ein Management Overlay in Höhe von 56 Mio. Euro, um die anhaltenden Herausforderungen im US-Büroimmobilienmarkt frühzeitig und möglichst umfassend abzubilden. Zusammen mit der Risikovorsorge im Ergebnis aus Finanzinstrumenten fvpl für Bewertungsanpassungen ergab sich im ersten Quartal eine Gesamtrisikovorsorge von 86 Mio. Euro (Q1 2023: 35 Mio. Euro).

Der Verwaltungsaufwand betrug 147 Mio. Euro und lag damit deutlich unter dem Vorjahresquartal (Q1 2023: 199 Mio. Euro). Hier schlugen sich neben der anhaltenden Kostendisziplin auch geringere Aufwendungen für die regelmäßig im ersten Quartal für das Gesamtjahr gebuchten Belastungen für Bankenabgabe und Einlagensicherung nieder. Zudem waren im Vorjahresquartal hohe Investitionen der Aareon berücksichtigt. Die Cost-Income-Ratio in der Bank lag im ersten Quartal 2024 bei 32 Prozent (Q1 2023: 35 Prozent) und damit weiterhin auf einem sehr guten Niveau.

Nach Abzug von Steuern in Höhe von 30 Mio. Euro belief sich das Konzernergebnis auf 73 Mio. Euro (Q1 2023: 42 Mio. Euro).

Die Kapitalausstattung blieb auch im ersten Quartal auf einem sehr soliden Niveau. Die harte Kernkapitalquote (Basel IV phase-in-Quote) konnte die Aareal Bank trotz der angespannten Lage im US-Büroimmobilienmarkt auf sehr komfortable 19,7 Prozent steigern (31.12.2023: 19,4 Prozent). Die Gesamtkapitalquote belief sich auf 23,7 Prozent (31.12.2023: 23,5 Prozent).

Ein Schwerpunkt der Refinanzierungsaktivitäten bildete der weitere Ausbau der Einlagen von Privatanlegern. Das Volumen des über Plattformen generierten Geschäfts mit festverzinslichen Einlagen von Privatkunden stieg auf 3 Mrd. Euro (31.12.2023: 2,6 Mrd. Euro). Die Einlagen stammten bislang aus Deutschland. Im ersten Quartal kamen die Niederlande und Österreich hinzu, um die Diversifikation zu stärken. Der geografische Footprint soll künftig weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus begab die Bank einen Benchmark-Pfandbrief über 500 Mio. Euro.

Wie auf der Jahrespressekonferenz im Februar angekündigt, reduzierte die Aareal Bank im Segment Strukturierte Immobilienfinanzierungen den Bestand an leistungsgestörten Krediten (NPLs) bei US-Büroimmobilien im ersten Quartal planmäßig ohne weiteren Risikovorsorgebedarf. Zudem hatte sie lediglich einen neuen NPL-Fall zu verzeichnen. Per Ende März belief sich der NPL-Bestand somit noch auf 1,1 Mrd. Euro (31.12.2023: 1,6 Mrd. Euro), die NPE-Quote ging entsprechend auf 2,9 Prozent zurück (31.12.2023: 3,4 Prozent).

Angesichts volatiler Märkte und geringer Transaktionsvolumina zeichnete die Aareal Bank selektives Neugeschäft. Es belief sich in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahrs auf insgesamt 0,9 Mrd. Euro (Q1 2023: 1,1 Mrd. Euro), davon entfielen 0,7 Mrd. Euro auf die Erstkreditvergabe, bei weiterhin guten Margen und niedrigen Beleihungsausläufen.

Das Portfoliovolumen lag zum Ende des ersten Quartals mit 32,1 Mrd. Euro über dem Vorjahresquartal, ging damit gegenüber dem Jahresende 2023 jedoch leicht zurück (31.03.2023: 30,7 Mrd. Euro, 31.12.2023: 32,9 Mrd. Euro). Die durchschnittlichen Beleihungsausläufe im Bestandsportfolio beliefen sich auf gute 56 Prozent, ein Ausweis für die hohe Qualität der Finanzierungen im Kreditbuch.

Im ersten Quartal reichte die Aareal Bank zudem ihren bislang größten „grünen“ Kredit in der Region Asien/Pazifik aus: Sie finanzierte in Australien ein Hotel-Portfolio aus fünf Objekten für die Pro-Invest-Gruppe. Das Gesamtvolumen an grünen Finanzierungen im Kreditbuch der Aareal Bank erhöhte sich per Ende März auf 5,5 Mrd. Euro.

Im Segment Banking & Digital Solutions stieg der Zinsüberschuss im ersten Quartal auf 65 Mio. Euro (Q1 2023: 52 Mio. Euro). Grund dafür war das normalisierte Zinsniveau in Verbindung mit einem weiterhin hohen Einlagenvolumen von Kunden aus der Wohnungs- und Energiewirtschaft. Dieses blieb auch im ersten Quartal mit 13,9 Mrd. Euro weiterhin deutlich über dem avisierten Niveau von rund 13 Mrd. Euro.

Im ersten Quartal wurde zudem mit der Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures, der First Financial Software GmbH, die Basis für die langfristige Zusammenarbeit von Aareal Bank und Aareon ausgebaut und die Banking- und Software-Bereiche der Gruppe weiter gestärkt.

Die Softwaretochter Aareon steigerte ihren Umsatz im ersten Quartal um 31 Prozent auf 108 Mio. Euro (Q1 2023: 83 Mio. Euro). Der Anteil der wiederkehrenden Erlöse am Umsatz erhöhte sich auf 83 Prozent (Q1 2023: 75 Prozent). Der Adjusted EBITDA hat sich im ersten Quartal auf 40 Mio. Euro mehr als verdoppelt (Q1 2023: 18 Mio. Euro). Die Aareon entwickelt sich damit planmäßig auf dem Weg zur Erreichung ihrer Umsatz- und Gewinnziele für 2024.

Auch ihre M&A-Aktivitäten setzte die Aareon fort. Im Januar übernahm sie die Blue-Mountain Group B.V., einen niederländischen Anbieter von Business Intelligence-Lösungen für Wohnungsbaugesellschaften, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Anfang Mai hat die Aareon eine strategische Investition in das französische PropTech Stonal bekannt gegeben. Stonal gehört zu den führenden Datenmanagement-Plattformen für Immobilieneigentümer und -investoren in Europa. Die kollaborative, KI-gestützte Plattform unterstützt die Entscheidungsfindung und ermöglicht unter anderem ESG-Berichte und Investitionsplanungen. Mit beiden Aktivitäten stärkt die Aareon ihr Portfolio innerhalb der Gruppe und bietet ihren Kunden Mehrwerte im Bereich Datenmanagement.