Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Expo Vision 2008: Green Building im Fokus

Green Building ist derzeit ein Schlagwort, das auf jeder bau- und immobilienfachlichen Veranstaltung fällt. Fachleute sind der Meinung, dass die Branche Green Building nachhaltiger beschäftigen wird als die derzeitige Finanzkrise. Doch was bedeutet Green Building eigentlich und welche Maßnahmen sind notwendig, um nachhaltig ökologisch effiziente Gebäude zum Normalfall werden lassen? Dieser Frage gingen interdisziplinäre Experten am 22. Oktober 2008 bei der zweiten Stuttgarter Expo Vision nach.

.

Ist Green Building nur Show oder langfristige Notwendigkeit?
Am Thema Green Building kommt auf lange Sicht niemand vorbei, war sich die Expertenrunde einig, es sei kein Elitethema sondern ein dauerhafter Bestandteil der Immobilienbranche. Ursache dafür sind unter anderem die aufgrund der geringer werdenden Ressourcen steigenden Kosten, etwa für Energie. Green Building sei allerdings nur ein Teilbereich – und ist nicht immer durch eine Green-Building-Zertifizierung belegbar. Es komme ebenso auf Green Behaviour oder Green Office und vieles mehr an. Ein Beispiel: Durch geschickte Raumplanung lassen sich mehr Arbeitsplätze auf geringerer Fläche unterbringen, das Ergebnis ist eine größere Pro-Kopf-Energieersparnis, als bei Green-Building-Maßnahmen, die etwa die Gebäudehülle betreffen.

Wer zahlt und wer profitiert?
Insgesamt bemängelten die Diskussionsteilnehmer mangelnde Transparenz hinsichtlich der Kosten. So bedenken viele Investoren nicht, welchen positiven Einfluss auf Lebenszykluskosten vermeintlich teurere Green-Building-Maßnahmen haben können. Es sei notwendig, den Bauherren alle Kosten transparent zu machen. Das Spannungsfeld zwischen Investition und Lebenszykluskosten müsse künftig besser dargestellt werden. Denn höherer Invest bedeutet meist dauerhaft weniger Betriebskosten. Dabei werden Bauherren längerfristig planen – etwa in Zeiträumen von circa 20 Jahren. Leider, so die Experten, sei diese Herangehensweise momentan vom Markt noch wenig gefordert. Sie sind sich jedoch einig, dass diese nachhaltige Planung immer wichtiger werden wird – gerade in Zeiten von Finanzkrisen.

Erst wenn die verschiedenen Beteiligten gemeinsam in den Prozess eingebunden werden – zum Beispiel Facility Manager in den Planungsprozess – wird sich hier eine Verhaltensänderung bemerkbar machen. Nur mit einer interdisziplinären Herangehensweise lässt sich ein Mehrwert für Investoren, Bauherren und Mieter schaffen. An der Hochschule Nürtingen-Geislingen wird deshalb ab 2010 die Vertiefungsrichtung „Nachhaltigkeit“ angeboten.

Der Markt wird bestimmen, wie sich das Thema Green Building weiterentwickelt, so die Einschätzung der Experten. Neben dem Einflussfaktor Kosten spielen auch ethische Belange eine immer größere Rolle. So lassen sich zum Beispiel für Gebäude mit einem Green-Building-Image Mieter finden, die für Nachhaltigkeit bereit sind, mehr Miete zu zahlen. An den Universitäten zeigt sich, dass das Nachhaltigkeitsthema für die jüngere Generation auch immer mehr zum Entscheidungskriterium wird. So differenziert sich ein Unternehmen durch Nachhaltigkeit vom Wettbewerb und zieht mit einem Green-Building-Image ein sozial verantwortliches und meist zahlungskräftiges Klientel an.

Wird Stuttgart Green-Building-Hochburg?
Am Areal City Prag soll ein innovatives Projekt, das dem Thema „ökologisches Bauen“ verpflichtet ist und langfristig energiesparende Maßnahmen in den Mittelpunkt stellt, entstehen. Außerdem müssen die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) in Stuttgart noch um 20 Prozent mehr als vorgeschrieben, unterschritten werden. Als Standort der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) ist die Stadt weiterhin engagiert, die Forschung im Nachhaltigkeitsbereich voranzutreiben und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen an einen Tisch zu holen. Die Diskussionsteilnehmer der Expo Vision waren sich einig, dass dies zwar gute Ansätze seien, diese aber nicht ausreichten, um Green Building nachhaltig in der Region zu verankern. Vielmehr solle die Region im Zusammenhang mit dem Ruf Stuttgarts als Technologiehauptstadt dieses Thema forcieren. Dazu, so die Experten, seien auch monetäre Anreize von der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg, zum Beispiel durch die Einrichtung einer Green-Building-Stiftungsprofessur, nötig. Investiert werden sollte seitens der Region nicht nur in Forschungen für die Automobilindustrie, sondern auch für ökologische Baumaßnahmen. Nur mit Innovationen in diesem Bereich könne die Region auch dauerhaft ihre Spitzenposition sichern. Desweiteren sind neue Vergabestrategien gefordert, so sollte das Thema Nachhaltigkeit Bestandteil der Vergaberichtlinien werden. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist die Stadt angehalten für Green-Building-Maßnahmen auch mehr zu investieren.

Organisiert wurde die Expo Vision 2008, die zum zweiten Mal in Stuttgart stattfand, von Drees und Sommer.