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EnEV 2012: „Neues Regelwerk kontraproduktiv“

Gegen eine weitere bürokratische Überreglementierung durch das Regelwerk der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2012 währen sich die Gutachter des Vereins zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V. Im Rahmen der Jahres-Presse-Konferenz in Berlin sagte Vorstandssprecher Udo Schumacher-Ritz: „Was wir brauchen ist eine effektive und intelligente Umsetzung der bestehenden Energieeinsparverordnung, keine ständige Novellierung.“ Der Alltag auf deutschen Baustellen zeigt nach Überzeugung der VQC-Bausachverständigen eindeutig, dass wesentlich mehr CO2 Einsparpotential darin bestehe, durch eine begleitende Baukontrolle die entsprechenden Baumaßnahmen zu optimieren. „Was helfen rein theoretisch ausgerichtete Formeln und die daraus abgeleiteten Regeln, wenn diese in der Praxis nicht umgesetzt werden können. Die EnEV 2012 ist dabei, sich immer weiter von der Realität zu entfernen“, so Schumacher-Ritz.

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Nach Aussage des VQC wurde alleine durch standardisierte Vorgehensweisen in der Verarbeitung eine erhebliche Optimierung der Energiebilanz-relevanten Werte erzielt. „Binnen weniger Jahre haben wir die von uns begleiteten Bauvorhaben von einem Blower-Door-Wert von 2.2 auf 1.1 gedrückt – und das nur durch die Summierung vieler kleiner Optimierungen. „Der jetzt in der EnEV 2012 geforderte Wert von 0,6 ist zwar theoretisch zu erreichen, ob er jedoch sinnvoll ist, ist eine andere Frage“.

Gravierende Folgen für den Hausherren
Ein Beispiel: In der Praxis kann eine umgesetzte EnEV-Norm durchaus massive Nebenwirkungen haben. „Wir erleben in unserer praktischen Gutachter-Tätigkeit immer wieder, dass Häuser zum Teil überdämmt sind – dass bedeutet, dass Häuser derart „eingepackt“ werden, dass sie vollends unfähig sind, Feuchtigkeit von innen nach außen zu transportieren. Wenn dann in der Folge zu wenig gelüftet wird, ist massive Schimmelbildung mit all ihren Konsequenzen vorprogrammiert. Auf dem Papier kann ein solches Haus durchaus Top-Werte in Bezug auf Dämmung und Dichtigkeit (Blower-Door-Wert von 0,6) vorweisen. In der Praxis kann dies aber bedeuten, dass nur mittels intensivster Lüftung ein angenehmes Raumklima erreicht werden kann – dies jedoch auf Kosten wiederum steigender Energiekosten.

Hohe Standards schrecken ab
Eine weitere Gefahr in einer überzogenen EnEV 2012 sieht Schumacher-Ritz auch darin, dass viele Immobilienbesitzer auf notwendige Sanierungen alter Immobilien verzichten, weil die gestellten Qualitäts-Anforderungen viel zu hoch seien. Oftmals rechne sich dann eine Sanierung einfach nicht mehr – auch weil Steuervorteile wegfielen.

Handwerk wird alleine gelassen
Auf Grund der hohen Komplexität und anspruchsvollen Technik, die beim Hausbau Einzug gehalten hat, ist auch die Gefahr gestiegen, sowohl in der Verarbeitung der Materialien wie auch modernster Haustechnik fatale Fehler zu begehen. Oftmals sind dies kleine Nachlässigkeiten in der Montage oder mangelnde Absprache zwischen den Handwerkern der einzelnen Gewerke, die in der Summe eine schlechte CO2-Bilanz oder allgemeine Baumängel ergeben.

Darüber hinaus weist Schumacher-Ritz darauf hin, dass die durch die EnEV prognostizierten Energie-Einsparungen oftmals rein theoretische Größen seien, die leider mit der Realität oftmals nur wenig zu tun haben. Für die Zukunft fordert Schumacher-Ritz eine Energieeinsparverordnung, die primär auf praktische Erfahrungen basiert, weniger auf theoretischen Rechenmodellen.