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Energiepass Sommer 2006

Angesichts der explodierenden Preise für Heizöl und Gas haben Verbraucherschützer und der deutsche Mieterbund die Regierung zu einer schnellen Einführung des geplanten Energiepasses aufgefordert.

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Nach EU-Vorgaben sollte der Energiepass zum 04. Januar eingeführt werden. Der Gebäudeausweis soll Transparenz schaffen und CO2- und Energie-Schleudern ausfindig machen. Gültigkeit wird der Ausweis auch für Bauten haben, die vor dem Stichtag der Umsetzung der Europäischen Richtlinie erstellt wurden, denn Ziel der Richtlinie ist auf lange Sicht die Energieeinsparung, da heute rund 40 Prozent der EU-weit verbrauchten Energie für die Heizung von Gebäuden verbraucht wird. Wie fast alle anderen Mitgliedsstaaten hinkt Deutschland aber dem Zeitplan hinterher. Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips rechnet daher nicht damit, dass der Pass vor Juli 2006 kommen wird. Ist er Pflicht müssen Vermieter und Hauseigentümer den Ausweis bei Bau, Kauf oder Neuvermietung vorlegen. Der Pass schlüsselt dann auf, wie viel Energie ein Haus oder eine Wohnung verbraucht und schafft so unter Umständen auch Anreize zur Sanierung, denn „Energieschleudern werden einen deutlichen Abschlag beim Gebäudewert erfahren, wenn sie nicht nachträglich und damit wesentlich teuerer energetisch saniert werden“, sagt Franz Roland Jany, Geschäftsführer der GDI (Gemeinschaft Dämmstoff Industrie).

Bedarfsausweis oder Verbraucherausweis
In Deutschland sind die gesetzlichen Grundlagen für die Einführung des Energiepasses mit der Novellierung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) gelegt. Nun fehlen nur noch die Ausführungsbestimmungen und Richtlinien für den Ausweis, wann ein Verbrauchsausweis – ein Ausweis auf der Basis des gemessenen witterungsbereinigten Verbrauchs – oder wann ein Bedarfsausweis - ein Ausweis, der den Energiebedarf rechnerisch unter Normbedingen ermittelt ausgestellt wird. Festgelegt ist bislang nur, dass bei Neubauten und Modernisierungen auf Basis der Planungsunterlagen ein Bedarfsausweis zu erstellen ist. Ob der Energieausweis bei Bestandsobjekten bedarfs- oder verbrauchsbasiert sein wird, ist dagegen noch offen.

Wohnwirtschafter setzen auf Verbraucherausweis
Die meisten Wohnwirtschafter setzen auf den günstigeren Verbrauchsenergieausweis als das bessere Modell. Das ist das Ergebnis einer Umfrage auf den deutschen Kongresstagen der Immobilienwirtschaft, die die Techem AG in Bad Reichenhall veranstaltete. Für ihn sprachen sich 62,82 Prozent der Teilnehmer aus, 19,23 Prozent hingegen für den Bedarfsenergieausweis. Über 19 Prozent der Befragten trauen dem Energieausweis einen „starken Einfluss“ auf die Vermietbarkeit von Wohnungen zu, über 76 Prozent immerhin „teilweisen Einfluss“. Nur etwa 3 Prozent glaubten, er werde sich überhaupt nicht auswirken. Als weiteres Ergebnis der Umfrage konnte festgehalten werden, dass 28,21 Prozent der Wohnungswirtschafter den Energieausweis generell zur Vermarktungsstrategie nutzen, 58,97 Prozent „je nach Liegenschaft“.

Kritische Stimmen vom VDI
Der VDI begrüßt die Pläne des Bauministeriums das CO2-Gebäudesanierungsprogramm umzusetzen und zu fördern. Allerdings mahnt der Ingenieurverein bei der Umsetzung des Energiepasses, nicht aus vordergründigen Kostengründen den Verbrauchspass einzuführen. „Auf den ersten Blick ist der Verbrauchspass sicherlich günstiger“, sagt Professor Dr. Michael Schmidt, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Technische Gebäudeausrüstung. „Aber bei einem verbrauchsorientierten Energiepass drohen Klagewellen, was ihn letztendlich teurer macht.“ Der Energiepass entfaltet Rechtswirkungen: Eine für eine Immobilie in Verkaufspapieren ausgewiesene Energieeffizienz stellt eine zugesicherte, einklagbare Produkteigenschaft dar. Eine Immobilie, deren aktueller Verbrauch, etwa auf Grund abweichender Nutzung, nicht dem Energiepass entspricht, könnte Klagen der Eigentümer hervorrufen, so der VDI-Experte. Es müsse also der Bedarfswert die Bezugsgröße für den Energiepass sein, d.h. die berechnete Größe für den Energieaufwand, den ein angenommener Norm-Nutzer haben würde. Außerdem unterstütze ein Verbrauchspass nicht das Ziel der Bundesregierung, die Energieproduktivität deutlich zu erhöhen. „Nur der Bedarfswert fördert Modernisierungen, da er energetische Schwachstellen aufdeckt“, weiß Schmidt.

Mit einem Gebäudeenergiepass, der auf nachvollziehbar ermittelten Bedarfswerten aufbaut und durch ausgewiesene Experten ausgestellt wird, sollte Deutschland in Europa zum Trendsetter werden. „Sinnvoll ist es, europaweit eine vergleichbare Methodik bei der Erstellung von Energiepässen zu haben.“ Nur so erfüllt die EU-Richtlinie ihren Zweck. Hier muss Deutschland Vorreiter werden.