Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Einzelhandel in Italien

Die Struktur des italienischen Einzelhandels ist ein Ergebnis der jahrelang staatlich gelenkten Einzelhandelspolitik, die durch starke Regulierung und mangelnde Planung eine kleinteilige Flächenstruktur mit starkem Nahversorgungscharakter begünstigt hat. Motor für die aktuelle Dynamik auf dem italienischen Einzelhandelssektor ist das sich verändernde kritischere und preisbewusstere Einkaufsverhalten der italienischen Kunden, aber auch die Beschlüsse der „Bersani“-Einzelhandelsreform von 1998, die den italienischen Einzelhandel für den internationalen Wettbewerb weiter geöffnet und durch die Liberalisierung der Flächen- und Preispolitik eine Grundlage für moderne großflächige Distributionsformen geschaffen haben. Die Bedingungen um neue internationale Betriebsformen auf dem italienischen Einzelhandelsmarkt zu etablieren stellen sich derzeit günstig dar.

.

Ausländische Einzelhandelsketten mit größeren Betriebsformaten konnten sich 2005 leichter als einheimische Unternehmen auf die neuen Nachfragebedingungen einstellen und sich gut auf dem Markt positionieren. Auf den stärkeren Wettbewerb reagierte der einheimische Einzelhandel 2005 mit vermehrten Zusammenschlüssen und neuen internationalen Allianzen.

Der Einzelhandelssektor in Italien wird bestimmt von einem ausgeprägten Nord-Süd-Gefälle und von einem sich verschärfenden Wettbewerb zwischen moderner großflächiger Distributionsform und traditionellem, kleinteiligem, nahversorgendem Einzelhandel, inklusive der beständigen Präsenz vom Straßenhandel. Je nach Region dominieren die Betriebsformen mit einer Verkaufsfläche zwischen 200 und 2.500 m² mit Anteilen von 67 bis 72% die Einzelhandelslandschaft.

Inzwischen werden im Food-Segment in modernen Einzelhandelsformen 67% der Einkäufe getätigt, im Bereich Non-Food nur zu 33%. Die sogenannten Geschäftseinheiten der fliegenden Händler haben zwischen 2002 und 2005 ihren Anteil um 26% gesteigert und stellen einen eigenen ernstzunehmenden Non-Food- Wettbewerb dar.

Der Einzelhandelsumsatz Italiens entwickelt sich tendenziell langsam positiver. Während der Umsatz im Food-Bereich im 4. Quartal 2005 leicht anstieg, setzte im 1. Quartal 2006 wieder ein Rückgang des Gesamtumsatzes ein, der im Non-Food-Sektor begründet liegt. Diese Umsatzkrise betrifft ausschließlich die traditionellen Non-Food-Fachmärkte, so haben sich Non-Food-Umsätze auf den modernen Großflächen besser entwickelt und übernehmen zunehmend die Umsatzanteile der kleinflächigen Geschäfte. Kritisch entwickelten sich die Segmente Bekleidung, Schuhe/Lederwaren, Möbel/Einrichtungsbedarf, positiv die gesamte Warengruppenpalette der Elektrowaren und Unterhaltungselektronik. Die Anzahl der Betriebe der mittleren und großen Flächenkategorien verzeichnen einen anhaltenden Zuwachs, insbesondere die Super- und Verbrauchermärkte sowie die Kauf- und Warenhäuser. Bei allen großflächigen Betriebsformen verfügt der Norden über die größte Verkaufsflächendichte, die größten Flächenzuwächse und Neueröffnungen werden aber in Zentral-Italien und im Süden verzeichnet.

Die Non-Food-Fachmärkte ab 1.500 m² Verkaufsfläche haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, am stärksten in den umsatzschwachen Warengruppen Möbel/ Einrichtungsbedarf/Heimtextilien, Bekleidung/Lederwaren /Pelze, aber auch im umsatzstarken Segment Elektrowaren/ Audio/Video/EDV. Derzeit sind Fachmärkte eine der expansivsten Betriebsformen. 2005 gingen circa 180.000 m² GLA (gross leasing area) an den Markt, bis 2007 werden 700.000 m² GLA erwartet.

Der Erfolg dieser Betriebsform liegt in der hohen Nachfrage insbesondere ausländischer Anbieter nach großen Mietflächen, die in den Innenstädten und den bestehenden Shopping-Centern nicht zur Verfügung stehen. 2003 war das Rekordjahr für das Shopping-Center-Segment. 30 Shopping-Center-Neueröffnungen mit ca. 715.000 m² GLA wurden verzeichnet, überwiegend in Nord-Italien. Derzeit befinden sich ca. 3 Mio. GLA in der Pipeline. Das aktuelle regionale Interesse der vorwiegend ausländischen Investoren liegt auf Zentral- und Süd-Italien, mit einer deutlich geringeren GLA-Dichte, aber im Durchschnitt größeren Shopping-Centern. Die durchschnittlichen Center sind im europäischen Vergleich relativ klein, nur 15% haben mehr als 40.000 m² Verkaufsfläche, in Europa sind es 27%. Generell gibt es in den bestehenden Shopping-Centern unterdurchschnittlichen Leerstand, kurze Leerstandszeiten und geringen Mieterwechsel. Hier findet sich eine starke Dominanz einheimischer Mieter aufgrund der kleinteiligen Flächenstruktur. Als neue internationale Mieter zeigen sich Zara, Media World und Mango besonders expansiv und entwickeln sich gut. Der traditionelle Food-Ankermieter wird zunehmend von Sport-Fachmärkten und Filialisten der Unterhaltungselektronik abgelöst.

Factory-Outlets sind als Betriebsform bereits länger in Italien etabliert und überwiegend im Norden und in Zentral-Italien vertreten. Seit 1996 sind 18 FOC in unterschiedlicher Größe entstanden, alleine 6 in 2003. Derzeit größtes FOC mit 32.000 m² Verkaufsfläche ist das McArthurGlen Designer Outlet Serravalle, 5 weitere befinden sich in Planung bzw. im Bau. Seit 2000 hat sich der Shopping-Center- und FOC-Sektor in Italien zu einem der "heißesten" Investitionsmärkte in Europa entwickelt, der Investitionsrahmen betrug allein in 2005 rund 1,9 Mrd. Euro. Ausländische Investoren wie Henderson (GB), McArthurGlen (GB), Degi (D), TMW Pramerica (USA/D), Corio (NL), Ing Real Estate (NL), LaSalles Investments (USA/GB) drängen nach wie vor auf den Markt.

Italien stellt einen der größten Konsumermärkte Europas dar, der mittelfristig durch starke Immigrationsbewegungen einen Nachfragezuwachs erwarten lässt. Der Einzelhandelsmarkt wandelt sich strukturell durch neue ausländische Aktivitäten und neue Vertriebsformen. Die Nachfrage nach Shopping- Center-Flächen und Großflächen hält ungemindert an. Der Mieter-Mix in Shopping- Centern stellt sich im europäischen Vergleich schwach dar, da das niedrigpreisige Angebot nach wie vor dominiert. So scheint es auch in den nächsten Jahren noch Spielraum für ein Up-Grading dieser Flächen durch gezielte Investitionen zu geben.