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Die Immobilie der Zukunft ist grün

Energieeffiziente Gebäude werden in Zukunft zum Standard. Ob gewerblich genutzt oder als Wohnhaus, die Einlösung sowohl ökologischer als auch wirtschaftlicher Ansprüche ist wesentlich für die künftige Marktfähigkeit eines Immobilienprojektes, so ein Fazit des Symposiums „Intelligente Energiekonzepte der Zukunft“ im Hafen Offenbach. Die Referenten stimmten darin überein, dass Nachhaltigkeit und Energieeffizienz Bauprojekte mehr und mehr prägen werden. Sowohl seitens der Investoren als auch der Nutzer würden die Erwartungen an eine Immobilie steigen.

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Projekt Hafen Offenbach, Initiator der Veranstaltung und selbst Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), setzt mit seinen Konzepten bereits vor Baubeginn Standards. Die Planungen gehen deutlich über die durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegten, energetischen Mindeststandards für Gebäude hinaus. Das zukunftsorientierte Energiekonzept sieht eine besonders klima- und umweltschonende Quartiersentwicklung vor, bei der auch die Vorgaben der Kommunalpolitik nicht nur umgesetzt, sondern weit übertroffen werden. Gemeinsam mit dem örtlichen Energieversorger hat Projekt Hafen Offenbach ein Konzept entwickelt, das auf regenerative CO²-neutrale Fernwärme sowie Ökostrom setzt. „Was wir entwickeln, ist ein beispielhaftes energetisches Quartier. Mit den richtigen Schwerpunkten – und die haben wir auch mit unseren hochwertigen und marktfähigen Konzepten für Energie und Freiraum gesetzt – wird der neue Stadtteil ein Gewinn für alle werden“, sagte Joachim Böger, Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding und verantwortlich für Projekt Hafen Offenbach. Es bestehe nun Baurecht, mit den ersten Erschließungsmaßnahmen könne daher noch in diesem Jahr begonnen werden.

Auch Horst Schneider, Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, unterstrich bei seiner Begrüßung der rund 100 Gäste aus Immobilienszene, Wirtschaft und Politik die hohe strategische Bedeutung des Hafens für Offenbach und eine energieeffiziente Stadtentwicklung. Zugleich zeigte er sich erfreut über das Interesse an der Veranstaltung im Hafen. Der große Zuspruch bestätige die aktuelle Bedeutung des Themas Energieeffizienz für die Immobilienbranche.

Green Buildings – Anforderungen, Umsetzung, Zertifikate
Vier namhafte Experten hatte Projekt Hafen Offenbach für sein inzwischen sechstes Symposium gewinnen können. Im Auftaktvortrag referierte Dr. Andreas Blaschkowski, Vorstandssprecher der Drees & Sommer AG, über die Anforderungen im Bereich Green Building. Der Immobilienbranche insgesamt maß Blaschkowski eine hohe Mitverantwortung für Energieeinsparung und Klimaschutz bei. Immerhin würden Gebäude mit einem weltweiten C0²-Austoß von jährlich rund 174 Millionen Tonnen eine vergleichbare Menge an Treibhausgasen produzieren, wie das Verkehrs- und Transportwesen. Dabei hob er die Notwendigkeit einer international anerkannten Zertifizierung, eines so genannten „Labels“ wie zum Beispiel des US-amerikanische LEED (Leadership in Energy and Environmental Design), hervor. Denn zur besseren Vergleichbarkeit und zur Ausweisung für nachhaltige Immobilienfonds forderten gerade auch ausländische Investoren vermehrt eine anerkannte Bewertung ein. Auch der DGNB bereitet derzeit eine eigene Zertifizierung vor. „Gebäude ohne Label werden in fünf bis zehn Jahren Probleme bekommen“, so die Überzeugung Blaschkowskis.

Ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie solche Green Building-Standards auch bei einem älteren Gebäude nachhaltig umsetzbar sind, bot der zweite Referent des Nachmittags, Prof. Holger Hagge, Director Strategic Projects bei der Deutschen Bank Frankfurt. Er konkretisierte die Ausführungen seines Vorredners am Beispiel des aktuellen Großprojektes der Bank: Die Modernisierung der Zwillingstürme zu einem „Green Building“. Der umfassende Umbau der Unternehmenszentrale – zunächst initiiert, um Brandschutzvorgaben zu erfüllen – soll Standards setzen und eine nachhaltige Verbesserung sowohl beim Nutzerkomfort als auch in Sachen Ressourcenverbrauch herbeiführen. Daher werden neben einer kompletten Erneuerung der Gebäudetechnik und der Fassade auch architektonische Änderungen vollzogen, die einerseits den Umbau der Büros, andererseits die Öffnung des Gebäudes zum öffentlichen Raum beinhalten. Die Fassade des Gebäudes, sein weithin bekanntes „Image“, bleibt dabei optisch erhalten. „Wir nutzen neueste Standards der Umwelttechnologie, um das energieeffizienteste Hochhaus Frankfurts zu werden und die weltweit erste LEED-Platin-Auszeichnung für eine Hochhaus-Modernisierung zu erreichen“, so Hagge.

Innovative Gebäudekonzepte als Zukunftsinvestition
Prof. Manfred Hegger vom Fachbereich Energie und energieeffizientes Bauen der TU Darmstadt kann sich bereits heute über eine ganz besondere Auszeichnung freuen. Mit einem 25-köpfigen Team von Studenten gewann er 2007 den „Solar Decathlon“, einen vom US-Energieministerium ausgeschriebenen Wettbewerb um das attraktivste und energieeffizienteste Solarhaus. Das Gebäude, das Hegger beim Hafen-Symposium vorstellte, setzt eine Reihe von neuen Technologien ein. Zu den Highlights gehört eine neuartige Lamellenfassade, die nicht nur Schatten und Sichtschutz bietet, sondern über integrierte Photovoltaikelemente Strom erzeugt. „Wir unterschätzen immer die Möglichkeiten, die sich uns mit erneuerbaren Energien bieten“, so Hegger. „Schon heute können wir mit überschaubaren Mitteln Häuser bauen, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.“

Als vierter Referent des Symposiums beschloss Prof. Dr. Norbert Fisch die Vortragsrunde im Offenbacher Hafen. Seine Kritik an der Umsetzung vieler Bauprojekte: „Die wenigsten Gebäude funktionieren.“ Schon in der Planungsphase müsse der Kommunikations- und Informationsfluss von Ingenieuren und Architekten verbessert werden, um das bestmögliche Gesamtergebnis zu erzielen. „Das oberste Gut ist immer der Raumkomfort. Wenn dieser nicht da ist, nützt die beste Energieeffizienz nichts“, so Fisch weiter. Wesentlich sei daher, beide Aspekte zu kombinieren und in den ersten beiden Jahren der Nutzung eine zusätzliche Qualitätssicherung durch Erfolgskontrollen und Betriebsoptimierung zu gewährleisten.