Cookie Fehler:

Cookies sind in Ihrem Browser deaktiviert. Um alle Funktionen z.B. das Login nutzen zu können, müssen Cookies aktiv sein. Bitte aktivieren Sie Cookies in Ihrem Browser.

    Drucken Drucken  Diesen Artikel zu den Favoriten hinzufügen Favoriten

Die Griechen retten unseren Immobilienmarkt

Kennen Sie die „3-6-3-Regel“ der Banker? Ganz einfach: Sie zahlen drei Prozent Zinsen auf Einlagen, verlangen sechs Prozent für Kredite und stehen um drei am Golfplatz. Dieses Modell funktionierte jahrzehntelang sehr gut, bis 2008 die Pleite von Lehman Brothers die schöne heile Bankenwelt für immer zerstört hat.

.

Seither regiert Unsicherheit. Und die ist der Grund, warum Österreichs Immobilienanleger heute gerne die „100-0-1“-Regel befolgen: Sie kaufen ein Wiener Zinshaus mit 100 Prozent Eigenmitteln, das null Prozent Zinsen abwirft - aber was solls: In einem Jahr geht sowieso die Welt unter. Spätestens dann bricht die Eurozone auseinander, gefolgt von Bankenpleiten und Hyperinflation.

Wer sein Geld nicht jetzt schnell „einbetoniert“, wird die bunten Euroscheine im Winter 2013/2014 höchstens zum Einheizen gebrauchen können, lautet die Sorge der meisten Immobilieninvestoren. Und wer könnte den Ziegelbaronen ihre Krisenängste ausreden? In Zeiten, wo ein George Soros, immerhin der erfolgreichste aller Glaskugelpolierer am Aktienmarkt, der Eurozone noch drei Monate gibt und selbst in Brüssel oder Berlin eifrig am „Plan B“ gewerkt wird, scheint die Immobilie auf dem Heimmarkt tatsächlich der sicherste aller sicheren Häfen zu sein.

Eigentlich sollten wir den Griechen dankbar sein: Sie mögen unsere Finanzministerin und die Banker zwar Milliarden gekostet haben - aber sie retten unseren Immobilienmarkt. Wenn wir die krisengeplagten Anleger nicht hätten, die in Scharen Wiener Zinshäuser und Eigentumswohnungen zu recht ambitionierten Preisen aufkaufen, wäre der Markt schon ziemlich tot. Für Eigennutzer aus der viel zitierten Mittelschicht sind Wohnungen in guten Wohngegenden nämlich viel zu teuer.

Am Markt ist von einem Anlegeranteil im freifinanzierten Neubau von 80 Prozent die Rede: Vier von fünf Wohnungen gehen an Investoren. Im Umkehrschluss heißt das, dass ohne Anlegerinteresse das Volumen auf ein Fünftel einbrechen würde. Mit entsprechenden Konsequenzen für die Preise - und fallende Preise wären auch für diejenigen Eigennutzer eine Katastrophe, die vor den jüngsten Anstiegen fremdfinanziert gekauft haben.

Doch so schön die Schuldenkrise für den heimischen Immobilienmarkt ist: Jeder, der jetzt kauft, sollte bedenken, dass angekündigte Katastrophen meistens nicht stattfinden. Erholt sich Europa wieder, steigen die Zinsen - was die Immobilienpreise auf Talfahrt schickt. So war es schon vor 2008 in den USA. Die Folgen sind bekannt.