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Deutschland entwickelt sich zur logistischen Drehscheibe Europas

Im Gespräch mit Michael Schlenker, Vice President Supply Chain Management bei der Management- und IT-Beratung Capgemini Zentraleuropa, über die Nachfrage für Logistik-Verteilerzentren in Europa.

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Herr Schlenker, wo besteht in Europa die größte Nachfrage nach Verteilerzentren und warum?
Im Zuge der Globalisierung, fortschreitender Firmenübernahmen und aufgrund steigender Transportkosten richten immer mehr expandierende Firmen ihr Hauptaugenmerk auf die Konsolidierung und Neuausrichtung ihrer Verteilerzentren. Der Trend in ganz Europa geht in Richtung Zentralisierung. Dabei haben sich viele Firmen, die europaweit agieren, für den "Gravitationspunkt" Deutschland entschieden. Unsere Untersuchungen ergaben, dass sich ihre Distributionszentren in der Mitte Deutschlands konzentrieren. Außerdem beschließen auch zunehmend niederländische und belgische Firmen, Distributionszentren in der Bundesrepublik einzurichten. Damit reagieren sie auf die steigende Nachfrage - insbesondere nach Konsumgütern und Automobilien - in den neuen osteuropäischen EU-Beitrittstaaten. Dieser Trend wird sicherlich anhalten und eine Distribution von Deutschland aus erweist sich vor diesem Hintergrund für diese Unternehmen als vorteilhaft.

Parallel entstehen im Osten Europas vermehrt regionale Distributionszentren. Wie bereits angedeutet, werden vor allem im Konsumgüterbereich enorme Expansionsvorhaben umgesetzt. Auch zahlreiche Produktionsstätten der Automobilindustrie sind in den Osten abgewandert - und mit ihnen ihre Zulieferfirmen. Zugleich steigt mit den Umsätzen im Automotive-Bereich auch die Nachfrage nach Automobilersatzteilen. Hinzu kommt, dass dort andere Branchen, die darauf angewiesen sind, innerhalb von 24 Stunden liefern zu können, ebenfalls ein großes Interesse an regionalen Distributionszentren haben. Um es kurz zusammenzufassen, können wir von einer zweistufigen Entwicklung sprechen: In Osteuropa entstehen immer mehr regionale Distributionszentren, die vor Ort den Groß- und Einzelhandel versorgen. Diese Verteilerzentren für nationale Aktivitäten erhalten wiederum ihre Waren in der Regel von einem Globalzentrum. Beliebtester europäischer Standort für solche Distributionszentren ist die Bundesrepublik.

Was sind die entscheidenden Einflussfaktoren für die weitere Entwicklung bis 2010?
Das sind eindeutig die Transportkosten. Sie müssen davon ausgehen, dass sie in den nächsten Jahren um 30 bis 35 Prozent steigen werden. Das liegt zum einen an den steigenden Energiepreisen, zum anderen auch an erhöhten Sicherheitsanforderungen. Denken Sie nur an die Abwicklungsprozesse und Sicherheitsvorschriften beim grenzüberschreitenden Güterverkehr im Luftfahrtbereich. Angesichts dieser Tatsachen gehen wir von massiven Preissteigerungen aus. Das wird für viele Unternehmen Anlass sein, Distributionsstrukturen weiter zu verändern, aber auch dafür, Bereiche außerhalb ihrer unternehmerischen Kernkompetenzen auszugliedern.

Wie wird sich die Nachfrage nach Verteilerzentren bis 2010 gestalten?
Das hängt davon ab, wie sich die Bedarfsvolumina und das Bruttosozialprodukt in den östlichen Staaten entwickeln. Zwar ist die Kaufkraft bislang noch relativ gering, allerdings ist davon auszugehen, dass sie in diesen Ländern deutlich ansteigt. Sowohl in Osteuropa als auch in Russland besteht hinsichtlich des Konsums und im logistischen Bereich ein enormer Nachholbedarf. Damit gewinnt vor allem Tschechien, aber auch Österreich, als mögliche Drehscheibe für den Warenverkehr in Richtung Südosten an Bedeutung. Dieselbe Funktion lässt sich Deutschland für logistische Dienstleistungen in Richtung Nordosten, beispielsweise auch für Lieferungen nach Finnland, Lettland und Litauen, zuordnen.

Neben dem reinen Aspekt der Lagerung wird es wichtig sein, dass die Distributionszentren weitere Funktionen, wie beispielsweise die Anpassung von Produkten an die Kundenbedürfnisse der jeweiligen Länder, übernehmen. Das können sowohl spezifische Gebrauchsweisungen als auch die individuelle Ausstattung mit landesüblichen Netzteilen sein. Deshalb sollten die nationalen Verteilerzentren und Depots in der Lage sein, entsprechende Montagevorgänge durchzuführen - ein Service, der meiner Ansicht nach noch zu wenig angeboten wird. Letztlich bedeutet das, dass künftig mit höheren Anforderungen an die technische Ausstattung und an die Qualifikation der Mitarbeiter in den regionalen Distributionszentren zu rechnen ist, als es derzeit der Fall ist.