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Das Stadion als relevante Größe

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Die letzten Maßnahmen in Ihrer Arena wurden kürzlich abgeschlossen. Welche Funktion hatten Sie dabei?

Stefan Heim: Der Umbau der Mercedes-Benz Arena war ein vorbildliches PPP-Projekt mit einer städtischen Tochtergesellschaft, die als Bauherr fungiert hat. Indiz dieser sinnvollen Partnerschaft ist unter anderem die gemeinsam ausgeführte Geschäftsführung durch Stadt und Verein.

Wie offen sind Ihrer Meinung nach andere Fußballklubs für solche Kooperationen mit der Stadt oder für weitere alternative Finanzierungsmöglichkeiten beim Umbau ihrer Stadien?

Stefan Heim: Vereine müssen offen dafür sein. Stadien sind das Kernprodukt schlechthin für die Fußballklubs. Sie brauchen einen „Tempel“, in dem sie ihre Fußballspiele anbieten. Das erfordert eine hohe Finanzkraft und übersteigt in der Regel die Möglichkeiten eines Fußballvereins. Nahezu jeder Fußballverein braucht also Partner, um die notwendigen Investitionen in seine wichtigste Infrastruktur vornehmen zu können. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Meiner Meinung nach ist der Erfolg des Fußballs in Deutschland auch darauf zurückzuführen, dass wir die modernsten Arenen der ganzen Welt haben. Das ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreichen Fußball.

Lassen Sie uns über die Baurisiken sprechen. Worauf mussten Sie besonders achten?

Stefan Heim: Fußballvereine verpflichten sich in den Verbandsregularien, stets ein funktionsfähiges Stadion bereitzustellen. Baumaßnahmen sind dementsprechend immer ein besonderes Risiko. Bei uns kam noch dazu, dass wir im Bestand gebaut haben und der Spielbetrieb aufrechterhalten werden musste. Wir mussten also rechtzeitig fertig werden und dennoch Fußballspiele ermöglichen. Weder eine Störung des Betriebs noch eine Verzögerung des Baus hätten wir uns leisten können. Diese enorme Herausforderung konnten wir nur mit fähigen Partnern wie in unserem Falle EY Real Estate stemmen. Wir mussten kein Spiel während der Bauphase absagen und wurden pünktlich mit allen Arbeiten fertig. Wäre das Gegenteil eingetreten, hätte das für den Verein existenziell werden können.

Wie viele Plätze konnten Sie während der Baumaßnahmen noch anbieten?

Stefan Heim: Durchschnittlich konnten wir noch 39.000 Plätze für den Spielbetrieb zur Verfügung stellen. Das war im Vorfeld auch so abgestimmt worden. Wir haben lieber ein bisschen länger gebaut und dafür die Kapazitä- ten hochgehalten. Dennoch bleibt die Schwierigkeit, am Wochenende eine funktionsfähige Arena bereitzustellen. Das beeinflusst den Baubetrieb enorm und stellt eine hohe Anforderung an die Projektsteuerung dar.

Wie haben Sie diese „Unterbrechung“ durch den Spielbetrieb in der Planung berücksichtigt?

Stefan Heim: Die Baustelle alle 14 Tage auf den Spielbetrieb umzustellen, erfordert eine besondere bauliche und finanzielle Aufwendung. An jedem Heimspieltag musste das Stadion von den Sicherheitsbehörden neu abgenommen werden. Völlig zu Recht müssen Fußballstadien hohe Sicherheitsstandards erfüllen. Wenn nicht gebaut wird, erfolgt diese Abnahme in der Regel einmal im Jahr.

Wie wurde das Stadion bislang angenommen?

Stefan Heim: Durchweg positiv, die Erwartungshaltung wurde sogar übertroffen. Viele unserer Besucher denken, dass das Stadion neu gebaut und nicht nur umgebaut wurde. Für uns ist das die höchste Auszeichnung. Die Menschen, für die wir es geschaffen haben, fühlen sich sehr wohl darin. Sicherlich ist das auch dem Sachverhalt geschuldet, dass wir von Anfang die Fans des VfB Stuttgart in die Umbaumaßnahmen eingebunden haben.

Ihre Fans hatten also Mitspracherecht. Wie sah das aus?

Stefan Heim: Über unserem Fanausschuss haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet, die von Anfang an mit den Projektsteuerern und Architekten zusammenarbeitete. Für die Bauexperten war das natürlich auch eine vollkommen neue Erfahrung und es gab gewisse Bedenken. Aber im Nachhinein war der Austausch sehr fruchtbar. Unsere Fans sind nicht nur alle 14 Tage in unserem Stadion, sondern auch in vielen anderen Stadien in Deutschland. Es gibt also keine besseren Stadionexperten als unsere eigenen Fans. Wir haben mehrfach Nachrichten unserer Anhänger aus anderen Stadien erhalten, in denen uns neue Ideen mitgeteilt wurden. Die Aufgabe der Architekten und Projektsteuerer war es dann, die für Stuttgart geeigneten Ideen umzusetzen.

Nennen Sie doch bitte ein paar Beispiele, was sich Ihre Fans für das neue Stadion wünschten.

Stefan Heim: Gern. Als Bauherr hatten wir natürlich die Vorgabe, eine möglichst hohe Kapazität zu ermöglichen. Daher wollten wir beispielsweise die Fluchtwege symmetrisch anordnen. Das hätte jedoch bedeutet, dass direkt hinter dem Tor ein Treppenaufgang hätte angelegt werden müssen. Unsere Fans haben aber gesagt: Da müssen wir stehen! Wir müssen doch den gegnerischen Torwart beeindrucken und den eigenen unterstützen. Also haben wir den Treppenaufgang versetzt. Das Ballfangnetz sollte zudem keine Sichtbehinderung darstellen und wurde deshalb pfostenfrei an Seilen aufgehängt. Und auf der Fantribüne wurde ganz bewusst auf Business-Seats verzichtet. Dafür haben wir die Toiletten mit Fenstern Richtung zum Spielfeld ausgerichtet. Unsere Fans sind davon begeistert, da sie auch während ihrer notwendigen „Pausen“ kein Tor mehr verpassen.

Welchen wirtschaftlichen Stellenwert hat ein Stadion überhaupt aus Sicht eines Fußballklubs?

Stefan Heim: Ich sage es mal so: Die Umbaumaßnahme der Mercedes-Benz Arena war die wichtigste strategische Infrastrukturmaßnahme der gesamten Vereinsgeschichte.

Werfen wir doch einmal einen Blick in die Zukunft: Was können wir erwarten, wenn wir in 20 Jahren ins Stadion gehen?

Stefan Heim: Die Natur des Stadions wird sich nicht verändert haben, doch der Komfort wird weiter steigen. Das Stadion wird sich dem Wohnzimmer annähern, nur dass im Wohnzimmer normalerweise kein Rasen wächst. Eine große Herausforderung liegt meiner Meinung nach auch im technischen Bereich. Unsere Fans wollen sich neuester Medien bedienen und dieser Entwicklung müssen wir folgen. Irgendwann werden sich Fans im Stadion per Knopfdruck ihre Wurst und ihr Bier direkt an den Platz bestellen können. Das behalten wir im Blick, um auch weiterhin wettbewerbsfähig zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!