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Bremen findet noch keinen Anschluss an die deutschen Einkaufsmetropolen

Günter Rudloff

Die Hansestadt und Heimat der Stadtmusikanten ist mit rund 547.000 Einwohnern nicht nur das kleinste Bundesland der Republik Deutschland, sondern auch Oberzentrum für etwa eine Millionen Menschen im westlichen Norden. Auf Grund des dynamischen Strukturwandels entwickelten sich Bremen und das benachbarte Bremerhaven zu einem gefragten Standort für die Luft- und Raumfahrt-, sowie für die Automobilindustrie mit namhaften Arbeitgebern wie Airbus und Daimler Benz. Das Ergebnis der Strukturplanung überzeugt: Insgesamt liegt die Produktivität der Stadt Bremen mit 10,1 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 8,3 %.

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Doch wer ausschließlich die Stärken hervorhebt, betreibt Augenwischerei. Trotz des positiven Trends belegt die Hansestadt im aktuellen Städteranking der Wirtschaftswoche in Kooperation mit der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ lediglich Platz 32 unter den 50 größten deutschen Städten. Darüber hinaus bleibt Bremen mit Spitzenmieten von 120,00 Euro/m² für Ladenflächen von 80-100 m² und mit einer relativ niedrigen Zentralität von 125,0 deutlich hinter vergleichbaren Städten dieser Größenordnung zurück. Dieser Bedeutungsverlust der Einzelhandelslagen in Bremens touristisch attraktiver Innenstadt erscheint zunächst widersprüchlich – Grund genug für Günter Rudloff, Geschäftsführer der Comfort Hamburg GmbH, sich in dem aktuellen Städtereport der Entwicklung der Einzelhandelssituation in Bremen zu widmen.

Das Resümee des Marktberichtes Beratungsunternehmen ist deutlich: Die Gründe für diese fehl gelaufene Entwicklung sind vielfältig, die Auswirkungen dagegen eindeutig. Derzeit befinden sich nur rund 16 % der gesamten Einzelhandelsfläche Bremens in der Innenstadt. Und das, obwohl die Stadt mit ihren mittelalterlichen Gängen im Schnoorviertel, mit der bekannten Böttcher Straße sowie mit den beiden Unesco Weltkulturerben Rathaus und Roland Highlights zu bieten hat. Außerdem liegt die Kaufkraftkennziffer der immerhin zehntgrößten Stadt von Deutschland mit 98,4 unter dem Bundesdurchschnitt von 100. Die geringe Strahlkraft des Einzelhandels der Bremer Innenstadt und zum Teil stagnierende Mieten ergänzen die Liste der Probleme und spiegeln die fehlende Attraktivität der Innenstadt für den Einkaufkunden wieder, mit der die Filialisten in der Hansestadt zu kämpfen haben.

Als eine Ursache für diese negative Entwicklung führt Günter Rudloff die knappen Verkaufsflächen an. „Das Angebot an Großflächen ist zu gering, als dass es für national und international erfolgreiche Filialisten interessant ist.“ Dadurch konzentriert sich der Einzelhandel in Bremens Innenstadt hauptsächlich nur auf die wenigen 1A-Lagen wie Sögestraße, Obernstraße, Lloyd-Passage und Katharinen-Passage. Die Mieterstruktur ist hier seit langem relativ unverändert und lässt angesichts der sehr geringen Wechselquote kaum Möglichkeit für neue Einzelhandelskonzepte.

Das Problem der Bremer Innenstadt hat sich durch die Ansiedlung zahlreicher Einzelhandelsstandorte vor den Toren der Stadt noch zusätzlich verschärft. Günter Rudloff betrachtet dieses Thema durchaus von zwei Seiten. Einerseits wirft er die Frage auf: „Wie viele Standorte für Konsum sind in einer Stadt grundsätzlich überlebensfähig?“ Immerhin musste Bremen mit dem Bau des Space Parks bereits deutliche Rückschläge hinnehmen. Andererseits warnt der Rudloff vor den Gefahren einer derartigen Entwicklung. „Bremens Kaufkraftkennziffer ist ohnehin mit 98,4 Punkten unterdurchschnittlich. Die Einkaufszentren auf der grünen Wiese greifen zusätzlich erhebliche Kaufkraftanteile aus dem Umland ab.“ Dieser Verdrängungswettbewerb schadet auf Dauer jedoch meistens dem Standort insgesamt.

Ein derartiges Großprojekt ist Dodenhof in Posthausen und stellt mit einer Verkaufsfläche von 120.000 m² bereits heute einen etablierten zweiten Standort neben der schwächelnden Innenstadt dar. Weitere Konkurrenz erfahren die Einzelhändler der Bremer City durch den Weser Park und durch das eröffnete Einkaufs- und Freizeitzentrum Waterfront.

Das von der LMC Property Group entwickelte Projekt stellt vor allem durch seine Innenstadtnähe, seiner Größe von 44.000 m², 120 Ladengeschäften und auf Grund des beeindruckenden Mieterbesatzes mit Betreibern wie Pohland, Avanti, Douglas, Esprit, Tommy Hilfiger, Müller Drogeriemarkt eine ernsthafte Bedrohung dar. Insbesondere Einzelhändler, die bislang noch nicht in Bremen vertreten waren, hätten ohne die Waterfront probiert, sich in der Innenstadt anzusiedeln. Der Bedeutungszuwachs der peripheren Einkaufszentren hat einerseits die Konsequenz, dass der Einfluss der Innenstadt innerhalb des Umlandes weiter schwindet und anderseits - im Falle einer Doppelbesetzung -, dass die Konsumenten nur wenig Anreize haben, die City anzufahren, wo sie kein reichhaltiges Parkplatzangebot mit mehr als 4.000 Stellplätzen erwartet. Eine weitere Belastung erwartet der Bremer Einzelhandel durch geplante innerstädtische Einkaufszentren wie in Delmenhorst und Oldenburg. Die ECE nehmen einerseits Bremen die Anziehungskraft gegenüber Oldenburg und führen im Fall Delmenhorst, das im Einzugsgebiet von Bremen liegt, zu hohen Kaufkraftabflüssen.

Die Politik in der Hansestadt hat es lange verschlafen, gegen diese Entwicklung gegenzusteuern und umfangreiche Maßnahmen einzuleiten. Damit ist der aktuelle niedrige Mietpreis nur ein Ausdruck des nachhaltigen Problems, mit dem Bremen bereits seit Jahren zu kämpfen hat. „Der Mietpreis ist eine Art Attraktivitätsbarometer für den jeweiligen Standort“, so Rudloff. Das bedeutet, dass er die Umsatzaussichten der Einzelhändler widerspiegelt und sehr empfindlich auf konjunkturelle Veränderungen reagiert.

Trotz allem zeigt die Bilanz des aktuellen Marktberichtes Bremen, dass langfristige Maßnahmen notwendig sind, damit sich die Nachfrage der Einzelhändler der Bremer Innenstadt nicht noch weiter in die peripheren Lagen verschiebt. Eine erste Adresse wo nachhaltig an strukturfördernden Maßnahmen gearbeitet wird, ist die Hutfilterstraße, die derzeit noch nicht zu den 1A-Lagen von Bremen gehört. Ein positives Signal setzt hier das so genannte BRILLissimo, das am Ende der Hutfilterstraße liegt. Das neue Konzept, welches am Brill entstanden ist, zeichnet sich durch seine frische Architektur und seine fußläufige Nähe zu den gewachsenen Einzelhandelslagen aus. Mit den neuen Mietern Strauss Innovation und Idee Creativ Markt wird die Hutfilterstraße deutlich attraktiver. Darüber hinaus entstehen auf der Straße Neubauprojekte, die von Deichmann und weiteren Filialisten genutzt werden sollten. „Derzeit leider noch ein Tropfen auf den heißen Stein“, urteilt Günter Rudloff kritisch. Denn das Ungleichgewicht zwischen der Innenstadt mit ihren knappen Verkaufsflächen und der Peripherie mit ihren modernen und innovativen Mall-Projekten wird dadurch nicht gelöst.