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Blick in die Kristallkugel?

Im Jahr 2025 hat sich das Energieproblem weltweit dramatisch zugespitzt. Viele Rohstoffvorkommen sind versiegt und können nur als Sekundärrohstoffe wieder gewonnen werden – gut für die Boombranche Entsorgungswirtschaft. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer konnten aufgrund ihres Rohstoffreichtums wirtschaftlich aufholen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung Asiens und Afrikas lebt in Städten und profitiert in hohem Maße von der Globalisierung. Folgen für die Logistik-Dienstleistung: Der Trend geht zum Insourcing – ganze Produktionszweige wurden aufgrund der Energieproblematik an die Verbrauchsorte verlagert. Die Ressourcenlogistik hat sich insbesondere in rohstoffarmen Gebieten zur Boombranche entwickelt.

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Das Problem der Energieversorgung ist dank erneuerbarer Energien gelöst. Im Gegenzug haben Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran an Bedeutung verloren. Humankapital ist dagegen zum knappen „Rohstoff“ geworden, der demografische Wandel hat in Europa zum akuten Fachkräftemangel geführt. Trotz Lösung des weltweiten Energieproblems ist der Abstand zwischen Erster und Dritter Welt größer denn je. Das HIV-Virus hat sich weiter ausgebreitet, große Teile der Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind infiziert. Die Folgen für das Wirtschaftswachstum dieser Länder sind gewaltig, für Indien beispielsweise bedeutet dies einen Rückgang von 40 Prozent. Folgen für die Logistik-Dienstleistung: Arbeitskräftemangel in den Industrienationen sowie Krankheiten und Pandemien in den Entwicklungs- und Schwellenländern schränken die globale Beschaffung, Produktion und Distribution erheblich ein. Logistik-Dienstleister engagieren sich mit ihrer Expertise und ihrem Netzwerk zunehmend in der humanitären bzw. Katastrophenlogistik.

Dies sind zwei von insgesamt acht Szenarien, die die Studie „Zukunft der Logistik-Dienstleistungsbranche in Deutschland 2025“ entwirft. Das SMI hat gemeinsam mit der FutureManagementGroup AG auf Basis einer Delphi-Befragung einen Blick in das Jahr 2025 geworfen.

Wird es eine Zukunft sein, in der wir wieder Kernkraftwerke bauen, nachdem wir doch eben erst aus der Kernenergie ausgestiegen sind? Oder wird es eine Zukunft sein, in der sich nicht-fossile und nicht-nukleare Energiequellen endlich durchgesetzt haben? Für die Stromindustrie hängen an diesen Fragen Milliardeninvestitionen, wenn nicht die Zukunft einer ganzen Branche. Bezeichnenderweise quälen jede Branche solche Fragen, an denen ihre Zukunft hängt. Paradoxerweise können einige Branchen diese Frage jedoch sehr viel eher, besser und fundierter beantworten als andere. Zum Beispiel die Pharmabranche, die Automobilindustrie, die Telekommunikation und die Erdölindustrie. Deren Experten setzen sich schon länger und intensiver mit der so genannten Zukunftsforschung auseinander. Sie kennen deren Instrumente und setzen sie ein. Diesen strategischen Rückstand holt die Logistik nun auf: Das SMI befragte die Top50 der deutschen Logistikdienstleister, hauptsächlich deren Geschäftsführer und Strategen, mit der so genannten Delphi-Methode. Natürlich kann niemand die Zukunft vorhersehen. Doch die Instrumente der modernen Prognostik machen via virtuellem Expertengremium möglich, was dem Einzelnen verwehrt bleibt: aussagekräftige Zahlen zur Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Szenarien Die Experten sehen unter anderem fünf zentrale Entwicklungen auf uns zukommen:

Social Responsibility
Strömungen wie Ecological Awareness oder Green Logistics schmälern die Marge der Branche teilweise jetzt schon. Trotzdem halten die befragten Topmanager eine deutliche Intensivierung der Social Responsibility ihrer Unternehmen bis zum Jahr 2025 nicht nur für sehr wahrscheinlich, sondern sogar für ausgesprochen wünschenswert – was seinerseits für die bereits vorhandene Social Responsibility der Befragten spricht. Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Wer sich heute mit dem Thema beschäftigt, bringt morgen die nötige Glaubwürdigkeit und Programmgestaltung mit, wenn das Thema noch marktbestimmender wird.

Wachsende Globalisierung
Während viele Skeptiker angesichts protektionistischer Bestrebungen einzelner Regierungen, wegen weiter uneinheitlicher Gesetzgebungen und dem immer bedrohlicher steigenden Ölpreis eine Verlangsamung wenn nicht Verringerung der Globalisierung befürchten, halten die Branchenbesten trotz aller Restriktionen eine Beschleunigung und Vertiefung der Globalisierung für wahrscheinlicher. Sie setzen auf Expansion, mit allen strategischen Implikationen.

Skills Shortage
Der bereits heute herrschende Fachkräftemangel über die gesamte Palette vom Fahrer bis zum Network Manager wird sich so weit verschärfen, dass fortschrittliche Unternehmen gut daran tun, möglichst frühzeitig an Konzepten für Global Recruiting zu feilen und Programme für Staff Retention (Mitarbeiterbindung) zu entwickeln.

Kundenverhalten
Die Ansprüche der Kunden werden in Bezug auf Preis, Flexibilität, Innovation und kundenspezifischer Dienstleistungen in einem Maß weiter steigen, das diese Entwicklung zum erfolgsentscheidenden Faktor macht. Innovation und Implementierung von alternativen Versorgungskonzepten müssen intensiviert werden.

Digitalisierung
RFID ist nur der Auftakt einer Entwicklung, in deren Zuge Phänomene wie der papierlose Transport zu einem Marktsog führen werden: Hat ein Mitbewerber die neue Technik einmal eingeführt, bringt er damit alle anderen in Zugzwang.

Das Ungedachte denken
Die größte Schwäche bei der Szenarioplanung ist der Mensch mit seiner Tendenz, sich auf wahrscheinliche Szenarien zu konzentrieren und ausgerechnet das zu ignorieren, vor dem er sich eigentlich schützen möchte: böse Überraschungen. Aus diesem Grund fragte die Zukunftsstudie auch sogenannte Wild Cards ab. Das sind revolutionäre Technologiesprünge wie das Fabbing („Die Fabrik im Wohnzimmer“) aber auch Katastrophen wie etwaige Energiekriege, die zwar sehr unwahrscheinlich sind, jedoch ein so hohes Gefährdungspotenzial tragen, dass sie im Sinne der kaufmännischen Vorsicht Krisenpläne erfordern. Viele Banken und Dienstleister (außerhalb der Logistik) haben zum Beispiel für den drohenden Fall einer Pandemie (z.B. Vogelgrippe) Katastrophenpläne in den Schubladen liegen.

Die Studie bietet Unternehmen Orientierungspunkte für ihr eigenes Zukunftsmanagement, das die jeweilige Unternehmensstrategie in Einklang mit den eigenen Zukunftsprojektionen bringt.