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Bauwesen steht vor einem Paradigmenwechsel

Ein halbes Jahr nach ihrer Gründung präsentierte sich die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB am 18. Januar 2008 der Öffentlichkeit. Zweihundertdreißig Gäste kamen zur Auftaktversammlung in das Audimax der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Dass es angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Demografie um nichts weniger geht als einen globalen Paradigmenwechsel, war Kern vieler Diskussionsbeiträge aus Bauwissenschaft,
-politik und -praxis.

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Insbesondere die ganzheitliche Betrachtung von Immobilien über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg stehe im Vordergrund, so Professor Bernhard Bürklin, Präsidiumsmitglied der DGNB und Leiter Corporate Projects bei Hochtief: "Bauen ist entscheidender Teil der Wertschöpfungskette. Aber erst der Blick über 20 oder 30 Jahre eröffnet Perspektiven für ein insgesamt nachhaltiges Wirtschaften". Die deutsche Bauindustrie zähle mit diesem Ansatz zu den Schrittmachern weltweit. Hans Dieter Hegner (Bild 1, l.), im Bundesbauministerium Referatsleiter für Bauingenieurwesen, Bauforschung, nachhaltiges Bauen und baupolitische Ziele, sieht dies ebenso: „Wir brauchen uns im internationalen Vergleich nicht zu verstecken.“

Um den Wunsch nach einem Qualitätszeichen „Made in Germany“ zu erfüllen, haben Gründungsmitglieder der DGNB und Bundesbauministerium intensive Vorarbeit geleistet. Es ist ein Kriterienkatalog für ein dynamisches Zertifizierungssystem entstanden, der bereits zu 90 Prozent fixiert ist und alle Aspekte des Bauens am Maßstab der Nachhaltigkeit misst. Bestehendes Erfahrungswissen wurde dabei gebündelt und der Begriff „Nachhaltigkeit“ in die pragmatische Sprache von Pflichtenheft, Leitfaden und Monitoring übersetzt. Ziel der Zertifizierung ist es, ökologisch und wirtschaftlich sinnvolles, gesundes und behagliches Bauen voranzutreiben. Bauherren und Investoren können mit einem Zertifikat die Qualität ihres Gebäudes bescheinigen und bekommen damit ein wertvolles Marketing-Instrument an die Hand. Planer und Architekten können im Zuge eines Zertifizierungsprozesses an praktischem Know-how gewinnen und ihre Planungsleistung für „Sustainable building design“ greifbar machen. Nicht umsonst fielen in fast allen Beiträgen der Referenten – viele plädierten für einen Beitritt zur DGNB - Attribute wie „Wissenstransfer“, „Praxisnähe“, „Nachvollziehbarkeit“ und „Transparenz“.

Die Senkung von CO2-Emissionen und die Steigerung von Energieeffizienz hat die DGNB als besonders wichtig definiert. Neben vielen anderen Kriterien sind die Einbindung von Tageslicht, der Einsatz gesundheitsverträglicher Baustoffe oder das Schaffen von Behaglichkeit integrale Bestandteile nachhaltigen Bauens. Diplom-Ingenieur Martin Haas, Partner im Büro Behnisch Architekten, gab im Best-Practice-Vortragsblock am Nachmittag ein anschauliches Beispiel. Er stellte ein nachhaltig konzipiertes Bürogebäude vor, dessen emotionale Bindungskraft die Bauherren noch heute begeistert. Haas: „Leistungssteigerung der Mitarbeiter und Identifikation mit dem Unternehmen, Senkung des Krankenstandes und Erleichterungen beim Recruiting – dies alles drückt sich heute für die Bauherren in positiven Betriebskennzahlen aus. Heißt: Scheinbar weiche Faktoren haben die Amortisationszeit der eingesetzten Investition nachweislich verkürzt.“

Anstieg der Baustoffkosten, Endlichkeit fossiler Brennstoffe, hoher Flächenverbrauch, unwägbare Risiken beim Klimawandel: Es sind keine leichten Aufgaben, mit denen die Bau- und Immobilienwirtschaft konfrontiert ist. Professor Matthias Sauerbruch, Architekt und Geschäftsführer von sauerbruch hutton, London und Berlin, ist einer der Initiatoren der DGNB. Er fasste die Situation in eindringlichen Worten zusammen: „Wir erleben eine veränderte Welt, die ein verändertes Denken erfordert. Es handelt sich um nichts weniger als den Beginn einer Revolution.“ Um diesen Weg in die Zukunft aktiv zu gestalten und dabei Lösungen für die nachfolgenden Generationen aufzuzeigen, dazu ist die DGNB angetreten: eine „Pressure Group“, die zur Orientierung der Fachwelt beitragen kann.