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Ausgebrannt und berufsunfähig: Burnout wird zur Volkskrankheit

Die Tage sind bereits spürbar kürzer und immer mehr Deutsche klagen über eine Herbst- und Winterdepression. Ausgelöst wird die „saisonal-affektive Störung“, wie es medizinisch korrekt heißt, durch die verminderte Aufnahme von Tageslicht. Die innere Uhr gerät aus dem Rhythmus; die für das Wohlbefinden elementare Produktion von Serotonin geschieht nur noch vermindert und unregelmäßig. Bei dieser depressiven Verstimmung sind die Folgen gravierend und vielfältig. Das Spektrum reicht von ständigen Angstzuständen, einer massiv erhöhten Irritabilität über permanente Übermüdung bis zu latenten Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten. Auf die leichte Schulter nehmen sollte diese psychische Erkrankung niemand. Für viele Betroffene entwickelt sich die Herbst- und Winterdepression zur privaten wie auch zur beruflichen Katastrophe, denn Antriebs-, Konzentrations- und Erinnerungsschwächen bei ständiger Übermüdung führen unter Umständen zum Karriereknick oder gar -ende.

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Doch die Herbst- und Winterdepression ist nur eine von vielen psychischen Erkrankungen. Nach einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) setzt sich der Anstieg von psychischen Störungen insgesamt außerordentlich stark fort. Die durch derartige Erkrankungen verursachten beruflichen Fehlzeiten sind von 1999 bis 2010 um nahezu 80 Prozent gestiegen. Gegenüber physischen Leiden sind die Ausfallzeiten sogar besonders lang: Im Durchschnitt fallen Berufstätige bei psychischen Problemen 23,4 Tagen aus, während körperliche Gebrechen im Schnitt für 11,6 Tage Ausfallzeit verantwortlich sind. „Auch wenn es sich hart anhört – psychisch kranke Arbeitnehmer, die nur für mehrere Wochen ausfallen, können sich noch glücklich schätzen. Nicht selten führen psychische Krankheiten zur vollständigen Berufsunfähigkeit. Jeder im Berufsleben Stehende sollte daher eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen haben, damit die starken seelischen Belastungen nicht auch noch den finanziellen Ruin nach sich ziehen“ rät Jan Schust, Vorstand des Versicherungsportals Tarifcheck24.

Rentenversicherung deckt Berufsunfähigkeit ab – aber nur, wenn man vor 1961 geboren ist
Die gesetzliche Rentenversicherung deckt seit dem 1. Januar 2001 Berufsunfähigkeit nur noch für Versicherungsnehmer ab, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden; dies auch nur in Form der teilweisen Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit nach § 240 Sozialgesetzbuch (SGB) Sechstes Buch (VI). Alle Versicherungsnehmer, die ab dem 2. Januar 1961 geboren wurden, erhalten dagegen lediglich eine Erwerbsminderungsrente (bis 2000 unter der Bezeichnung Erwerbsunfähigkeitsrente geführt). Zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit beziehungsweise Erwerbsminderung besteht ein großer Unterschied, der vielen Bundesbürgern gar nicht bewusst ist: Eine verminderte Erwerbsfähigkeit ist gegeben, wenn Versicherungsnehmer aufgrund einer psychischen oder physischen Krankheit dem Arbeitsmarkt gar nicht mehr zur Verfügung steht. Bei einer Berufsunfähigkeit kann der Versicherungsnehmer hingegen nicht mehr seiner derzeitigen beruflichen Tätigkeit nachgehen. In der Praxis bedeutet dies, dass jede Tätigkeit als Bezug herangezogen werden kann, bevor die staatliche Rentenkasse Leistungen ausbezahlt – also auch andere Berufe, die aufgrund des niedrigen Qualifikations- und Lohnniveaus für den Versicherungsnehmer nicht infrage kommen. Verbraucherschützer raten daher unbedingt zum Abschluss einer entsprechenden Berufsunfähigkeitsversicherung, andernfalls ist auch ein hoch qualifizierter, gut verdienender Arbeitnehmer im Falle einer Berufsunfähigkeit gezwungen, beispielsweise Hilfstätigkeiten auszuführen – ohne dass ihm der Gehaltsunterschied ersetzt wird.

„Berufsunfähigkeit ist kein Thema für mich – mir geht es doch blendend…“
Bei der Berufsunfähigkeit unterliegen viele Bürger einer Vielzahl von Irrtümern. So wird bei diesem Thema oft nur an körperliche Schäden gedacht, die etwa durch tragische Unfälle verursacht werden. Der ganze Komplex an psychischen Erkrankungen, der leicht eine Berufsunfähigkeit nach sich ziehen kann, wird dagegen häufig ausgeblendet. Dabei werden in Deutschland allein 100.000 Menschen – also eine ganze Großstadt – wegen eines Burnout-Syndroms krankgeschrieben, so Berechnungen der AOK. Der ehemalige Trainer des FS Schalke 04, Ralf Rangnick, mag das aktuell prominenteste Opfer der heimtückischen Krankheit sein, er ist jedoch alles andere als ein Einzelfall. Folgenschwer erweist sich auch die weitverbreitete Selbstsuggestion, dass es einem doch blendend geht – und man sich deshalb keine Gedanken um Berufsunfähigkeit machen müsse. Doch da beißt sich die Katze ganz sprichwörtlich in den Schwanz: Ist jemand erst einmal erkrankt, so kommt er nur noch schwer, das heißt mit massiven Zuschlägen und erheblichen Leistungsbeschränkungen, in eine Berufsunfähigkeitsversicherung, bei schweren Erkrankungen – wie etwa einem Burnout-Syndrom – ist der Weg in die Berufsunfähigkeitsversicherung im Regelfall sogar komplett versperrt.